Ministerpräsident Horst Seehofer über die Pläne des Netzbetreibers Tennet
Erdtrassen ein „Meilenstein“

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Bayern
30.09.2016
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Ministerpräsident Horst Seehofer hat die Pläne des Netzbetreibers Tennet zur Erdverkabelung der Gleichstromtrassen durch Bayern begrüßt. "Das ist ein Meilenstein für den bürgerfreundlichen Netzausbau und den Schutz der Landschaft", sagte er im Landtag.

München. "Infrastruktur unter der Erde ist kein Problem, sondern die Lösung von Problemen", erklärte Seehofer. Das sei "Politik für das ökonomisch Notwendige unter Wahrung unserer wunderbaren Natur". Er gehe davon aus, dass das Vorhaben Vorbild auch für andere Leitungsbauten oder Verkehrsprojekte sein könne.

"Bürgerwünsche erfüllt"


Im Wirtschaftsausschuss des Landtags bekräftigte der bei Tennet für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Paul-Georg Garmer die Pläne des Unternehmens, die beiden Gleichstromtrassen komplett unterirdisch zu bauen. Man komme damit dem "Bürgerwunsch nach einer möglichst unsichtbaren Infrastruktur" nach, erklärte er. Mit der nun eingeleiteten umfassenden Öffentlichkeitsbeteiligung vor der eigentlichen Trassenplanung habe man ein "völlig neues Verfahren" gewählt. "Früher wurden diese Vorplanungen im stillen Kämmerlein gemacht", sagte Garmer. Nach ersten positiven Rückmeldungen über die größere Transparenz hoffe man, "dass die Diskussion nun in sachlichen und ruhigen Bahnen verläuft".

An der Notwendigkeit der neuen Stromleitungen ließ Garmer keinen Zweifel. Sie seien auf lange Sicht der günstigste Weg, die in Bayern nach Abschaltung der Kernkraftwerke entstehende Stromlücke zu schließen. Kämen sie nicht, würde sich der Strompreis im Freistaat wegen massiv steigender Kosten zur Erhaltung der Netzstabilität und des Zuschaltens konventioneller Reservekraftwerke deutlich erhöhen. Auf die erwartete Lebensdauer der Leitung von 40 Jahren umgerechnet, komme die Erdverkabelung den Stromkunden billiger als der sonst nötige "Re- dispatch". Die Kosten für die stabilisierende Eingriffe ins Tennet-Netz hätten 2015 schon 700 Millionen Euro betragen. 2017 müssten die Kunden dafür zwei Cent je Kilowattstunde zahlen.

Bei den Abgeordneten stießen das Vorgehen und die Pläne Tennets auf breite Zustimmung. Ausschusschef Erwin Huber (CSU) lobte das "kluge Vorgehen" des Unternehmens und betonte die Bedeutung einer raschen Umsetzung des Leitungsbaus für eine sichere Stromversorgung Bayerns. Der Freistaat werde nach dem Abschalten der Kernkraftwerke auf Stromimporte abgewiesen sein, um die durch erneuerbare und fossile Energien nicht zu schließende Stromlücke aufzufüllen. "Ich halte es für absolut unrealistisch, den Fehlbedarf nur mit heimischem Potenzial decken zu können", sagte Huber. Daran würde auch eine Lockerung der 10H-Regel beim Bau von Windkraftanlagen nichts ändern.

Karl: Individuell prüfen


Die SPD-Abgeordnete Annette Karl hob die Bedeutung der erweiterten Bürgerbeteiligung hervor. Damit könne neben der optimalen Trassenführung jeweils vor Ort geklärt werden, ob die Erdverkabelung überall die beste Variante sei. So könne es in Waldstücken sinnvoller sein, auf die kostengünstigere Freileitung zu setzen, da auch bei unterirdisch verlegten Kabeln die Trasse von Baumbewuchs freigehalten werden müsse. Garmer erklärte dazu, man werde sich entsprechenden Wünschen aus den Kommunen nicht verschließen, derzeit lägen dafür aber keine Anträge vor. Zudem versuche man bei der Trassenplanung, Waldstücke entweder zu umgehen oder bereits vorhandene Schneisen von Freileitungen zu nutzen.

Infrastruktur unter der Erde ist kein Problem, sondern die Lösung von Problemen.Ministerpräsident Horst Seehofer
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