Mit Sport „Barrieren“ überwinden

Auf dem Feld Gegner, bei Bier nach dem Spiel Freunde: Rollstuhl-Basketball hat in der Oberpfalz viele Anhänger. Hier eine Szene aus dem Heimspiel des RSC Amberg gegen den BVS Weiden im Januar. Bild: Reiner Fröhlich
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Bayern
27.03.2015
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Bereits zum dritten Mal hat heuer die Erste Mannschaft des Rollstuhl-Sport-Clubs (RSC) Amberg die Sportlerwahl des Medienhauses „Der neue Tag“ für sich entschieden (siehe auch Bild auf der Titelseite). „Ein unglaublicher Erfolg!“, freut sich der Vorstand der Rollstuhl-Basketballer Jürgen Weiß. Der 35-Jährige ist seit einem Motorradunfall im Jahr 1997 selbst querschnittsgelähmt

„Schon in der Klinik wurde ich damals auf den Basketballsport aufmerksam gemacht. Ich habe dann gleich in Amberg mit diesem Sport begonnen. Unser Verein war zunächst eine Abteilung eines anderen Vereins, wir haben uns dann aber gleich selbstständig gemacht.“ Der Weg der behinderten Sportler war dabei ein erfolgreicher. In der vergangenen Saison gelang dem Rolli-Team sogar der Aufstieg in die Regionalliga („Unser Ziel ist der Liga-Erhalt. Das dürften wir auch schaffen.“). Auf dem Basketballplatz ist Weiß selbst als Aufbau- oder Flügelspieler unterwegs. „Der Sport hält mich fit, stärkt zum Beispiel auch meine Rumpfmuskulatur“, meint Weiß, der beruflich in der Verwaltung der Marktgemeinde Hahnbach tätig ist - „Das ist für mich einfach ein wichtiger Ausgleich“. Mindestens einmal pro Woche trainieren seine Mannschaftskollegen gemeinsam, nach oben gibt es aber offenbar kein Limit: „Wenn das Wetter passt, setze ich mich auch gerne mal eine Stunde aufs Handbike.“ Dabei kann er schon mal 30 Kilometer zurücklegen: „Das ist gut für die Armmuskulatur.“ Bereits vor seinem Unfall war er auch Sportschütze, ein Sport, den er ebenfalls weiterverfolgt hat. Heute ist er im Sportschießen sogar Mitglied in der paralympische Nationalmannschaft.

Sein Beispiel und das seiner Basketball-Mannschaftskameraden ist eines unter vielen, trotz Behinderung lassen sich „Barrieren“ überwinden, neue Möglichkeiten ausloten, Freude und Erfüllung zu finden: „In der Oberpfalz ist der Behindertensport auch wirklich sehr gut aufgestellt. Es gibt etliche Vereine und Abteilungen, die sich mit den unterschiedlichsten Sportarten beschäftigen, wie etwa der Behinderten- und Versehrtensportverein in Weiden, der TSV Schwandorf, der ASV Neumarkt, um nur einige zu nennen. Diese Sportler können alle stolz auf ihre Leistungen sein!“

„Barrieren“ und ihre Überwindung scheinen auch Kopfsache zu sein: „Wenn du etwas wirklich schaffen willst, dann gelingt es dir auch“, will Weiß vermitteln. Vielleicht habe der eine oder andere auch eine besonders starke Motivation und wolle sich etwas beweisen. Warum auch nicht? Weiß hat seine Sportarten auf jeden Fall seit Langem gefunden, gerade auch in der Basketball-Mannschaft fühlt er sich wohl: „Der Sport gibt mir Fitness, soziale Kontakte, Lebensqualität“, begeistert sich der sympathische Hahnbacher. Und im Team stimmt einfach auch die Chemie: „Das liegt auch an unserem Trainer Andreas Betzlbacher, der den Verein dankenswerterweise auch als Sponsor unterstützt.“ Die Finanzen sind nämlich wichtig im Behindertensport: „Wir brauchen das Engagement von Firmen, der Behindertensport im Lande ist chronisch unterfinanziert.“ Dabei trifft Rollstuhl-Basketball auch auf das Interesse Nicht-Behinderter: „Im Publikum sind viele Nicht-Behinderte, unser Trainer hat keine Beeinträchtigungen und selbst in der Mannschaft dürfen Nicht-Behinderte, Fußgänger, wie wir sagen, mitspielen.“


Sport baut „Barrieren“ ab – und ist für alle offen: „Bei uns finden Behinderte und Nicht-Behinderte zusammen und auch verschiedene Altersgruppen. Egal, wie alt, jeder kann bei uns einsteigen. Es muss ja nicht unbedingt in der Liga sein, wer will nimmt eben nur an Spaß-Turnieren teil oder kommt einfach so zum Training“, lädt Weiß Neuankömmlinge ein. „Auch, wer sich für einen anderen Behinderten-Sport interessiert, kann sich gerne an mich wenden, ich habe einen guten Überblick über die Angebote und vermittle gerne an andere Vereine weiter.“ Chapeau! Informationen und Kontakt: www.rsc-amberg.de