Monika Prechtl fertigt in Handarbeit "Dappm"
Warme "Fleckla"

Ertappt beim "Dappm" machen: Dank der noch von ihrem Vater gefertigten Leisten, fertigt Monika Prechtl die Pantoffeln in unterschiedlichen Größen an. Und das alles in Handarbeit. Bilder: gis (2)
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Bayern
29.02.2016
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Dieses Paar ist in der Wohnung leicht zu finden. Denn wer sagt, dass "Fleckldappm" unbedingt grau oder braun sein müssen?

Wenn Monika Prechtl kalte Füße bekommt, dann höchstens im übertragenem Sinn. Die Mehlmeiselerin hat vor einiger Zeit ein altes Handwerk für sich entdeckt, das an Wintertagen die Zehen wärmt und die Abende auf der Couch oder im bequemen Sessel noch gemütlicher macht.

Mehlmeisel. Wer jetzt an dicke Socken denkt, liegt falsch. Vielmehr fertigt Prechtl zu Hause dicke, kuschelige, gefütterte "Fleckldappm" (knöchelhohe Pantoffel), in denen man noch dazu wie auf Wolken geht. Auf ihrem Tisch stapeln sich fertige Exemplare, in gediegenem Blau bis hin zu grellem Orange und in verschiedenen Stoffen. Der Betrachter ahnt wohl kaum, wie viel Talent, wie viele Stunden mühselige Handarbeit hinter jedem einzelnen Paar stecken.

Früher aus Mänteln


Auf dem Tisch aber liegen auch Material und Werkzeug: Leisten, Papierschnitte, Stoff-, Leder- und Pelzreste, Schere, Nadel und Faden. Vor 30 Jahren hatte die Mehlmeiselerin diese Kunst von einer mittlerweile verstorbenen Warmensteinacherin gelernt, die das für das Fichtelgebirge typische Handwerk weitergeben wollte. Die Winter in der Region waren besonders kalt und lang, warmes Schuhwerk mehr als von Nöten. Die Altvorderen hatten damals nicht mehr tragbare Mäntel und Jacken aufgetrennt und daraus Flecken für die Hausschuhe gemacht.

Gegen Nässe


Die Warmensteinacherin schenkte Monika Prechtl auch die benötigten Leisten, nach denen der Papierschnitt gefertigt wird. Die fehlenden Größen hat ihr Vater angefertigt. Nach diesem Muster werden die "Fleckla" zugeschnitten - dreifach, damit der "Dappm" auch warm hält -, dem Leisten angepasst und zusammengenäht. In gleicher Weise wird die Sohle gefertigt und mit Leder verdoppelt, damit der Hausschuh auch ein bisschen Nässe aushält. Dann steppt Prechtl die Stoffe beziehungsweise Fleckla (sie verwendet mittlerweile weichen, warmen Vliesstoff) von innen ebenfalls per Hand zusammen. Zum Schluss bekommt der Schuh noch einen schicken Pelzrand.

"Fleckldappm" sind nicht unbedingt ein Anfänger-Objekt, sie setzen schon geschickten Umgang mit Stoff, Nadel und Faden heraus. Und darin hat die Mehlmeiselerin langjährige Erfahrung, gepaart mit viel Talent im kreativen Kunsthandwerk, das sie auch in ihrem Geschenke- und Bastelladen in der Waldhausstraße anbietet.

Monika Prechtl ist zudem Geschäftsstellenleiterin der örtlichen Volkshochschule, gestaltet selbst Kurse, ist Mitglied im Pfarrgemeinderat, arbeitet ganz vorne im Fichtelgebirgsverein mit: bei allen Veranstaltungen, beim Schmücken des Osterbrunnens oder beim Kartoffelfest, wenn in der Garage der Familie Prechtl zwei große Säcke Kartoffeln für "Bachna Kniala" geschält werden müssen... Übrigens: Mit dem Hausnamen ihres Elternhauses "beim Schouster" in Hüttstadl hat ihre Handwerkskunst wohl wenig zu tun - oder doch? Sie schmunzelt: "Weder mein Vater, noch mein Großvater waren Schuhmacher, allerdings mein Urgroßvater."

"Miameisla Hulzschouch" aus Holland"D'Miameisla Hulzschouch" - einst gutgemeinter Spitzname für Einheimische und typische Handarbeit der Altvorderen, hatten bei der 725-Jahr-Feier der Gemeinde eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. Sie dienten als Pflasterzoll, den sich jeder Besucher gegen Bezahlung des Eintritts in Kleinformat um den Hals hängen durfte. Da es natürlich unmöglich war, Hunderte von kleinen Holzschuhen anzufertigen, hatte Monika Prechtl holländische Clogs beschafft, denen einfach die Spitze abgeschliffen wurde, um dem Original ähnlich zu sein. Das ist sieben Jahre her. Aber mit Fußbekleidung befasst sich die kreative Mehlmeiselerin heute noch. (gis)
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