Museumsreife Spicker

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Bayern
20.10.2015
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Wenn Schüler eine Prüfung in der Schule haben, dann schreiben sie sich vorher manchmal einen kleinen Zettel: einen Spickzettel. Spickzettel sind ziemlich spannend. So spannend, dass man sie sogar in einem Museum findet.

Es ist ein kleiner Zettel, etwa so groß wie ein Kassenzettel aus dem Supermarkt. Darauf steht mit blauer Tinte geschrieben, wie man Stahl herstellt. Allerdings ist die Schrift so klein und schnörkelig, dass man zum Lesen eine Lupe braucht. Der Zettel ist ein Spickzettel. Und zwar ein ziemlich alter. Vor über 60 Jahren hat ihn ein Schüler für eine Prüfung geschrieben.

Mehr als 1000 Stück

Der Zettel gehört heute einem Museum, dem Schulmuseum in Nürnberg. Weil der Zettel so alt ist, steckt er in einem speziellen Schutz-Umschlag. Viele Spickzettel werden im Schulmuseum so aufbewahrt. "In der Sammlung haben wir über 1000 Spickzettel", sagt Mathias Rösch. Er leitet das Schulmuseum.

Die Spickzettel finden die Besucher oft besonders interessant. "Fast jeder hat als Schüler mal einen Spickzettel geschrieben. Da fällt den meisten Besuchern etwas dazu ein", sagt der Experte.

In der Sammlung gibt es winzig kleine Spicker, die nur so groß wie ein Streichholz sind. Andere sind dagegen so groß wie Heftseiten. Der älteste Spicker ist über 80 Jahre alt. Es gibt aber auch neue Zettel und ziemlich ausgefuchste Exemplare. Zum Beispiel einen Spicker, den ein Schüler in einer Armbanduhr versteckt hatte. Oder einen, der in einer Getränkepackung versteckt war.

Viele Spickzettel hat ein Lehrer dem Museum gespendet. "Er hat jahrelang Spicker gesammelt, die er im Klassenzimmer gefunden oder Schülern weggenommen hat", sagt Mathias Rösch. Mit der Zeit hatte der Lehrer mehrere 100 Zettel beisammen. Auch eine Schülerin hat der Sammlung viele Spickzettel geschenkt. Andere wurden aus aller Welt zugeschickt. Zum Beispiel stammt ein Spicker aus Hongkong.

Richtig spannend

Mathias Rösch findet die Spickzettel sehr spannend: "Wenn man Spickzettel genau untersucht, verraten sie sehr viel." Zum Beispiel über die Schüler. "Wir haben Spickzettel, auf denen nur ganz wenig steht. Daran kann man erkennen, dass der Schüler wahrscheinlich gut gelernt hat", sagt der Fachmann. Denn Schüler, die wenig gelernt haben, machen sich ganz andere Spickzettel. "Das sind dann zum Beispiel Seiten aus dem Heft, die ganz klein kopiert und dann versteckt werden."
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