Naturschutzgebiet Fichtelseemoor
Kampf dem Borkenkäfer

Der Buchdrucker im Größenvergleich mit einem Streichholzkopf.
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Bayern
13.07.2016
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Forstwirte entrinden die befallenen Bäume, um die Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern. Bilder: hfz (2)

Kreischende Kettensägen und Forstwirte, die in einem der wertvollsten Naturwälder der Region Bäume fällen: Wegen der Borkenkäfergefahr mussten im Naturschutzgebiet Fichtelseemoor die Forstarbeiter ran.

Fichtelberg. Martin Hertel, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Fichtelberg, erklärt die Hintergründe der Maßnahme: "Bei Überwachungsflügen und vom Boden aus mussten wir in den letzten Wochen feststellen, dass im Fichtelseemoor ungewöhnlich viele Bäume von Borkenkäfern befallen sind und sich ihre Nadeln rot verfärben." Es handle sich dabei um den sogenannten Buchdrucker, eine Borkenkäferart, die hauptsächlich Fichten befällt. Um die weitere Ausbreitung der Käfer und ein flächiges Absterben der alten Bäume zu verhindern, müssen 20 bis 30 frisch befallene Fichten gefällt werden. Nördlich und östlich des Fichtelsees hat sich seit Jahrtausenden eine Hochmoorlandschaft mit vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten entwickelt, die in ihrer Art und Größe in Nordbayern einmalig ist. Torfmoose bilden dicke, mit Wasser vollgesaugte Polster. Sonnentau, kleine fleischfressende Pflanzen, und Orchideen wachsen hier, dazu viele Zwergsträucher wie Moosbeere und Heidelbeere. Fichten und die seltenen Spirken, eine Kiefernart, bilden die Baumschicht.

"Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass sich die Borkenkäfer hier ausbreiten und auch Waldflächen außerhalb des Naturschutzgebiets gefährden", betont Udo Wenzel, Abteilungsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth. Als Vertreter der Aufsichtsbehörde über die Bayerischen Staatsforsten entwickelte er zusammen mit dem Forstbetrieb Fichtelberg einen Plan, wie vorzugehen sei. Eingebunden waren dabei die Regierung von Oberfranken und die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising.

Gemeinsam verständigten sich die Fachleute darauf, die stark befallenen Fichten möglichst schnell zu fällen und die Rinde abzuschälen. Damit wird verhindert, dass sich die Borkenkäfer weiter entwickeln können. Ganz ohne Insektizide. Wenzel ruft auch alle Privatwaldbesitzer auf, ihre Wälder in kurzen Abständen auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren, befallene Bäume zu fällen und aus dem Wald zu transportieren. Im Naturschutzgebiet bleiben Holz und Rinde der gefällten Bäume an Ort und Stelle liegen. Von ihnen geht keine Gefahr mehr aus. Sie bieten als Totholz sogar wichtigen Lebensraum für Insekten. Im Laufe der Jahre zersetzen sich die Überreste der Bäume und werden Teil des natürlichen Nährstoffkreislaufs.

BorkenkäferBorkenkäfer sind hochspezialisierte, wenige Millimeter kleine Insekten, die unter der Borke der Bäume leben. Der Buchdrucker befällt frische Fichten, legt in der Rinde seine Brutkolonien an, aus denen nach circa sechs bis acht Wochen die nächste Käfergeneration ausschwärmt. Ein Altkäfer produziert circa 50 bis 100 Nachkommen, die wenige Tage nach dem Ausfliegen die nächste Generation begründen. Deshalb können sich Borkenkäfer unter günstigen Voraussetzungen explosionsartig vermehren und ganze Wälder zum Absterben bringen. Begünstigt wird das Auftreten durch Stürme oder lange Trockenheit, die die Abwehrkräfte der Bäume schwächen.
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