Neubau einer Autobahnbrücke stürzt ein
Wie nach einer Sprengung

Ein eingestürztes Gerüst und Brückenbauteile liegen unter der Autobahnbrücke bei Werneck (Bayern). Bei dem Unglück auf der Baustelle in Unterfranken ist ein Bauarbeiter ums Leben gekommen, mehrere wurden schwer verletzt. Bild: dpa
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Bayern
15.06.2016
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20 Meter hoch ist die neue Autobahnbrücke, die eine alte Brücke an der A7 bei Schweinfurt ersetzen soll. Ein frisch betoniertes Teil der neuen Brücke stürzt ein und reißt mehrere Arbeiter mit in die Tiefe.

Werneck. Ein Strang von Metallstäben läuft von dem Brückenpfeiler 20 Meter in die Tiefe - hinab zu den Trümmern der Fahrbahn, die auf dem Boden liegen. An dieser Stelle neben der A7 in Unterfranken ist am Mittwoch ein Bauarbeiter ums Leben gekommen - weil ein Teil einer neu gebauten Autobahnbrücke einstürzte. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums wurden 15 Menschen verletzt, davon sechs schwerst. Gerhard Eck, Staatssekretär im Ministerium, sagt am Abend, dass nach Angaben der am Bau beteiligten Firmen niemand mehr vermisst werde.

Aus dem Betonpfeiler gegenüber ragen Metallstreben heraus. Dazwischen ein Trümmerfeld von Schutt, verbogenen Absperrungen und Gerüststäben - "wie wenn ein Gebäude gesprengt worden wäre", sagt ein Augenzeuge. Auf einer Wiese neben der Autobahn landen und starten fortlaufend Rettungshubschrauber. Insgesamt sind mehr als 150 Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk im Einsatz.

Die Talbrücke Schraudenbach nahe Werneck (Landkreis Schweinfurt) wird seit 2015 neu gebaut, danach soll die alte Brücke abgerissen werden. Kurz nach 16 Uhr stürzt ein frisch betoniertes, komplettes Bauteil der neuen Brücke in die Tiefe. 40 Meter Fahrbahn zwischen zwei Pfeilern brechen ein. Zu dieser Zeit arbeiten nach Angaben der Polizei rund 20 Menschen auf der Baustelle. Viele von ihnen werden verschüttet, als die Betonmassen zusammenbrechen. Niemand wollte am Mittwoch spekulieren, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Am Abend beginnen die Einsatzkräfte mit der Ultraschall-Ortung vermisster Personen in dem Haufen aus Geröll, Schutt und Stahl. Zwei Kräne schwenken über dem Trümmerfeld. Per Lautsprecher sagt ein Mann durch: "Achtung, Achtung! Absolute Ruhe an der Einsatzstelle!" Einsatzkräfte wühlen sich durch den Schutt, auch Hunde sind im Einsatz. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigt sich sehr betroffen über das Unglück: "Den Angehörigen spreche ich mein tiefstes Beileid aus. Den Verletzten wünsche ich eine schnelle Genesung."

Staatssekretär Eck, selbst gelernter Maurer und Leiter eines eigenen Bauplanungsbüros, sagt: "Ich hab' sowas noch nie gesehen, sowas noch nie erlebt, ein richtiges Trümmerfeld, wie wenn in einem Gebäude die Bomben einschlagen." Konsequenzen für andere Baustellen habe das Unglück nicht. Man dürfe jetzt "keine Unsicherheit verbreiten", sagt Eck. Es müsse sorgsam aufgearbeitet werden, was genau passiert ist. "Wenn's denn dann Fehler waren, menschliche Fehler, technische Fehler, dann muss das einfach bis ins feinste Detail geklärt sein." Danach könne über Konsequenzen gesprochen werden.

Im Januar war bekannt geworden, dass jede vierte Brücke in Bayern saniert werden muss. Bei der Schraudenbach-Brücke an der wichtigen Nord-Süd-Verbindung A7 war mit einem Ersatzneubau schon begonnen worden. Am Mittwoch floss der Verkehr noch über die alte Brücke. Zeitweise bildete sich lediglich ein Stau durch Schaulustige, die nicht glauben konnten, was nur 25 Meter neben ihnen mit der neuen Brücke passiert war.

Talbrücke SchraudenbachDie Talbrücke Schraudenbach bei Werneck in Unterfranken ist rund 50 Jahre alt. Wegen der Materialermüdung des Spannstahls und der für die aktuellen Verkehrsverhältnisse nicht mehr ausreichenden Tragreserven war ein Ersatzneubau nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums zwingend erforderlich geworden. Dieser wird seit Sommer 2015 gebaut. Die Bauarbeiten an der 236 Meter langen Brücke sollen Ende 2017 abgeschlossen sein. Die Baukosten sind mit rund 14,4 Millionen Euro veranschlagt und werden vom Bund getragen.

Die Talbrücke wird den Angaben zufolge mit zwei getrennten Überbauten in Spannbetonbauweise erstellt. Geplant ist ein sechsstreifiger Ausbau der Autobahn 7. Die Strecke gilt als eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen in Europa. Zugleich ist die A7 laut Ministerium mit 962 Kilometern die längste Autobahn in Deutschland. "Diese Brückenbaumaßnahme ist deshalb von besonderer Bedeutung", hatte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesverkehrsminister, Dorothee Bär, beim Start der Bauarbeiten im Juli 2015 gesagt. (dpa)
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