Neue Adress-Endungen bringen Lokalkolorit
Heimatgefühl fürs Internet

Laptop und Lederhose: In Bayern gehört das zusammen. Die Lust an der Heimat und dem Internet gibt es nun auch für das Internet. Bild: dpa
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Bayern
01.07.2014
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"Mia san mia". Keine andere Redewendung beschreibt den liebevollen Wunsch der Bayern nach Eigenständigkeit besser. Dieses Streben nach eindeutiger Identität kann nun auch im Internet umgesetzt werden.

Internetnutzer müssen sich an neue Adress-Endungen gewöhnen. Das ".de" oder ".com" gibt es weiterhin, doch in Zukunft sind viele neue Kürzel nach dem Punkt möglich. Webseitenbetreiber können dann von .casino bis .tattoo aus über 1200 neuen Top-Level-Domains wählen. Rund 1400 Endungen soll das Internet künftig bieten. Etwa die Hälfte davon kann von der Öffentlichkeit registriert werden.

Die neuen sogenannten Top-Level-Domains (TLDs) lassen sich mit weiteren Wörtern kombinieren. Soll eine Internetseite den Lokalkolorit hervorheben, wird der wohl ein Gastwirt zum "wirtshaus.bayern" tendieren. Soll der Schwerpunkt eher im Verkauf liegen, kann ein "wirtshaus.shop" die Zielkundschaft direkter ansprechen.

Mehr Spielraum


Die neuen Freiheiten bei der Namensfindung seien überfällig gewesen, betont der Mitbegründer von United Domains, Markus Eggensperger im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Der Starnberger Unternehmer ist einer von vielen sogenannten Registraren, die die neuen Internetadressen vermitteln. Seiner Ansicht nach war bei über 100 Millionen registrierten ".com"-Namen und gut 15 Millionen ".de"-Endungen jetzt kaum mehr Spielraum für neue Firmenbezeichnungen.


Weltpremiere für eine Städtedomain hatte die deutsche Hauptstadt mit .berlin. Bild: dpa

Einige der neuen Endungen sind sogar schon freigeschaltet. Weltpremiere für eine Städtedomain hatte kürzlich die deutsche Hauptstadt mit .berlin. Weitere regionale Domains in Deutschland werden .bayern, .hamburg, .nrw und .saarland sein. «Wenn man als Anbieter einen regionalen Bezug hat, kann man mit diesen Domains einen guten Eindruck machen», sagt Judith Steinbrecher vom IT-Verband Bitkom.

Handel mit werthaltigen Domains


Steigt die Nachfrage nach einer der neuen Domains, sinkt die Wahrscheinlichkeit, den Wunschnamenzugeteilt zu bekommen. Viele Interessenten versuchen deshalb ihre Chancen zu erhöhen und tragen sich bei mehreren Registraren wie Strato oder United Domains gleichzeitig in die Listen ein. Häufig erfährt man bei Anfragen daher, dass eine Webadresse schon vergeben ist, aber zum Verkauf steht. «Es gibt Unternehmen, deren alleiniger Geschäftszweck es ist, mit werthaltigen Domains zu handeln», erklärt Thomas Rickert, Experte für Domainrecht und Direktor beim Verband der deutschen Internetwirtschaft Eco. Er empfiehlt, bei Geschäften mit solchen Firmen einen Treuhänder einzuschalten. Der zahlt den gewünschten Kaufpreis erst aus, wenn die Domain erfolgreich übertragen wurde.


Bei der Wahl einer Wunschadresse sind Unternehmen und Privatnutzer nicht ganz frei.

Marken- und Namensrechte beachten


Bei der Wahl einer Wunschadresse sind Unternehmen und Privatnutzer aber auch nicht ganz frei. Denn Markenrechte darf der Name nicht verletzen - sonst drohen im schlimmsten Fall teure Klagen und Abmahnungen. Hat ein Nutzer mit seinem Domainnamen unabsichtlich die Marken- oder Namensrechte anderer verletzt, muss er aber noch keine finanziellen oder rechtlichen Folgen befürchten, erklärt Judith Steinbrecher. Ihm kann höchstens die Nutzung der Domain untersagt werden.

Sicherer ist daher, die gewünschte Webadresse einmal zu überprüfen. Die EU-Initiative Klicksafe empfiehlt dafür in ihrer Broschüre «Spielregeln im Internet» eine Recherche auf der Website des Deutschen Patent- und Markenamts. Allerdings tauchen hier nur sogenannte Registermarken auf. Titel von Büchern, Filmen oder anderen Medien können aber ebenfalls geschützt sein.