Neue Menschen, neue Orte: So gelingt die Ankunft in der Uni-Stadt
Start fernab der Heimat

Vermischtes BY
Bayern
25.07.2015
12
0
(dpa/tmn) Mit Augsburg verband Alina (22) bis zu ihrem Studienbeginn nicht viel. Bis zum Abitur war sie im Rheinland zu Hause. Danach wollte sie Medien- und Kommunikationswissenschaften studieren und bewarb sich bundesweit. In Augsburg bekam sie über das Losverfahren einen Platz. Die erste Wahl war die Stadt in Bayern nicht. "Am Ende dachte ich, dass der Studiengang wichtiger ist als der Studienort, und habe mich eingeschrieben", sagt Alina. Der Umzug nach Augsburg war für sie eine Herausforderung: "Natürlich hatte ich ein wenig Bammel vor diesem Schritt. Du wohnst das erste Mal alleine, musst dich alleine organisieren und kennst keinen."

Unsicher und hilflos

Für viele beginnt so das Studium. Nicht immer haben Abiturienten Einfluss darauf, in welcher Universitätsstadt sie landen. Manchen verschlägt es an einen Ort, an dem er niemanden kennt. Sich dann ein neues Leben aufzubauen, ist eine Herausforderung. Nicht jedem fällt das Abnabeln von zu Hause leicht. "Mit dem Weggehen verliert man die vertraute Umgebung und vieles, was bisher im Leben bedeutsam war", erklärt die Psychologin Marion Sonnenmoser. Das kann unsicher, verletzlich und hilflos machen.

In der Folge zieht sich mancher erst einmal zurück. Ein Fehler, denn Heimweh wird nicht dadurch besser, dass Studierende sich einigeln, sagt Wilfried Schumann. Er ist Leiter des Psychologischen Beratungs-Service von Universität und Studentenwerk Oldenburg. Besser ist es, aktiv zu werden und die neuen Möglichkeiten vor Ort zu entdecken. Die Angebote an der Hochschule bieten dafür Möglichkeiten: "Auf diese Weise kann man ein neues soziales Umfeld aufbauen, und automatisch wird das Heimweh geringer."

"Rausgehen und Kontakt suchen", rät auch Jutta Vaihinger vom Studierendenservicecenter der Universität Düsseldorf. Leicht gelingt das auf den Einführungsveranstaltungen, welche die Fakultäten, Fachschaften oder der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) anbieten.

Keine gute Idee ist es dagegen, ständig mit den besten Freunden oder mit den Eltern zu telefonieren, die zu Hause geblieben sind. Das führe im Extremfall dazu, dass via Facebook und Mobiltelefon eine Standleitung nach Hause existiert, sagt Schumann von der Universität Oldenburg. Dadurch halten sich Studierende weiter in der ihnen vertrauten Welt auf, anstatt sich auf die neue Situation einzulassen. Hier hilft ein wenig Entzug: "Das mag zwar anfangs wehtun, schafft aber den Raum und die Motivation dafür, sich stärker um Kontakte am Studienort zu bemühen", sagt Schumann.

An Beratungsstelle wenden

Wer bemerkt, dass das Heimweh trotz allen Bemühungen nicht nachlässt, sollte sich an die psychologische Beratungsstelle der Universität wenden. "Oft ist es hilfreich, mit einem professionellen Ansprechpartner gemeinsam zu überlegen, welche Auswege man bisher noch übersehen hat", sagt Schumann. Manchmal reicht es schon, mit einer dritten Person über das Heimweh zu reden.Mit dem Psychologen wird etwa geklärt, woher das Heimweh kommt. Das kann fehlende Erfahrung oder mangelnde Selbstsicherheit sein oder sogar ein schlechtes Gewissen, dass man die Eltern alleingelassen hat.

Es kommt manchmal auch vor, dass Studierende das Studium abbrechen wollen, weil sie sich nicht in die neue Situation einfinden können, erzählt Vaihinger. "Da muss dann im Gespräch abgeklärt werden, woher dieses Gefühl kommt." Aber es müsse auch möglich sein zu gehen. Nicht immer ist die Entscheidung, die Heimat zu verlassen, die richtige: "Manche Menschen fühlen sich da, wo sie sind, wohl. Sie haben aber das Gefühl, dass sie weggehen müssen, weil sie das von ihrem Umfeld so mitbekommen."

Alina hat sich mit Augsburg am Ende schnell angefreundet. Sie ist in eine WG gezogen und hat an der Uni vieles mitgemacht und so Anschluss gefunden. Anderen rät sie: "Seid offen. Geht raus, auch wenn ihr eigentlich keine Lust habt."
Weitere Beiträge zu den Themen: Augsburg (344)Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.