Noch keine Entwarnung an der Wetterfront
Zahl der Toten durch die Flutwelle steigt auf fünf

Vermischtes BY
Bayern
02.06.2016
8
0

Simbach. Nach dem verheerenden Hochwasser in Niederbayern wird nun das ganze Ausmaß der Katastrophe klar: Die Flutwelle hat fünf Menschen in den Tod gerissen, mehrere Anwohner wurden auch am Donnerstag noch vermisst. Orte wie Simbach am Inn und Triftern sind in weiten Teilen verwüstet. Viele Häuser stehen immer noch unter Wasser. Allein im Landkreis Rottal-Inn geht der Sachschaden in den dreistelligen Millionenbereich.

Politiker versprachen den Betroffenen rasche finanzielle Hilfen. Doch der Schrecken könnte weitergehen: Meteorologen rechnen in den kommenden Tagen weiter mit heftigen Gewittern und starkem Regen.

"Unendliches Leid"


"Diese Hochwasserkatastrophe hat unendliches Leid über die Familien der Angehörigen gebracht, dazu kommen noch die großen Schäden an Hab und Gut vieler Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen", sagte der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU). Die vom Hochwasser betroffene Fläche habe die doppelte Größe des Chiemsees. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich erschüttert: Die Bundesregierung trauere um die Menschen, für die die Hilfe zu spät gekommen sei, sagte sie in Berlin.

Ein 65-Jähriger und ein Ehepaar wurden am Donnerstagabend noch vermisst. In den überfluteten Räumen ihrer Häuser suchten Taucher nach ihnen, mussten aber den Einsatz wegen der starken Strömung des Wassers immer wieder abbrechen. Unter den Toten, die bereits am Mittwoch geborgen wurden, sind drei Frauen im Alter von 28, 56 und 78 Jahren. Es handele sich um Tochter, Mutter und Großmutter, berichtete ein Polizeisprecher. Die vierte Tote ist eine 80-Jährige. Ihr Haus in Untertürken wurde von der Gewalt der Wassermassen mitgerissen und zum Einsturz gebracht. Die Leiche wurde einige Kilometer weiter in Julbach in einem Bachbett entdeckt. Am Donnerstag fanden Taucher noch die Leiche eines 75-Jährigen in seinem Haus in Simbach. Die Zahl der Toten könnte weiter steigen, denn viele Menschen sind noch in Sorge, weil sie Angehörige oder Freunde nicht erreichen können.

Bundeswehr abrufbereit


Für Trauer und Bestürzung haben viele Anwohner kaum Zeit. Mit Wasserpumpen, Schaufeln und Besen sind sie damit beschäftigt, die Spuren der Katastrophe zu beseitigen: Scherben von geborstenen Fensterscheiben, zerstörte Häuser und vor allem Schlamm. Auch Schuhe, Möbelreste und Treibgut schwimmen in der schmutzig-braunen Brühe, die vor allem in Simbach an manchen Stellen immer noch durch die Straßen schwappt.

In Simbach befreite das Technische Hilfswerk Menschen, die in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen waren. Mancherorts gab es kein Wasser und keinen Strom - Supermärkte mussten deshalb verdorbene Waren wegwerfen. Auch mehrere Schulen sollten bis einschließlich Freitag geschlossen bleiben. Politiker reagierten schockiert. "Klar ist: Der Freistaat Bayern wird die Geschädigten, die zum Teil ihr ganzes Zuhause verloren haben, nicht alleine lassen, sondern - wo immer nötig - schnell und unbürokratisch helfen", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in München. Die Bundeswehr steht abrufbereit für Hilfseinsätze. Das von Finanzminister Markus Söder (CSU) versprochene Sofortgeld steht schon bereit. Nach Auskunft des Landratsamtes Passau bekommen Betroffene 1500 Euro pro Haushalt; spätestens ab Montag werde das Geld ausgezahlt. Der Landkreis Rottal-Inn eröffnete ein Spendenkonto und auch das Bistum Passau sagte 300 Euro für jeden betroffenen Haushalt zu.

Pariser Louvre geschlossen


Meteorologen kündigen weitere Gewitterstürme bis in die nächste Woche hinein an. In Nordrhein-westfalen drohte der kleine Fluss Issel über die Ufer zu treten und einen Teil des Stadtkerns von Isselburg zu überfluten. 15 000 Sandsäcke sollten helfen, die Dämme zu sichern. Auch Frankreich ist von Unwettern betroffen: Kunstwerke im weltberühmten Pariser Louvre müssen vor dem Hochwasser der Seine in Sicherheit gebracht werden. Dafür bleibt das Museum am Freitag geschlossen.

___



Weitere Bilder von der Katastrophe im Internet: www.onetz.de/1672655

Mehr zum ThemaKommentar: Was die Simbacher wirklich interessiert. (Seite 2)

Der Untergang: Gibt es weitere Tote zu beklagen? (Seite 2)

Drei Fragen - drei Antworten: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zur Katastrophe in Niederbayern. (Seite 2)

Wie Popcorn in heißer Pfanne: Wetter-Experte Andy Neumaier erklärt die verheerenden Unwetter. (Seite 3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.