"Opa Dieter" erzählt Geschichten
Nachwuchsautor Ü-80

Karl Dieter Wilhelm erzählt im Kreise seiner fünf Enkel, die heute schon zwischen 10 und 22 Jahre alt sind. Längst trägt "Opa Dieter" seine selbst erfundenen Geschichten auch anderen Kindern vor. Bild: hfz
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Bayern
15.06.2016
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"Wenn Kindern nicht vorgelesen wird, das ist arm." Zitat: Karl Dieter Wilhelm, Geschichtenerzähler

Das Talent zum Erzählen habe er von seiner Prager Mutter geerbt, sagt Karl Dieter Wilhelm. An den Betten seiner fünf Enkel entdeckte der rüstige Rentner, wie viel Spaß ihm das Geschichten-Erfinden macht. Von da war der Schritt zum Kinderbuchautor nicht mehr weit.

Nürnberg. Zwei Bücher mit "Vorlesegeschichten" hat der gebürtige Berliner, der seit 20 Jahren in Nürnberg lebt, inzwischen herausgebracht. Für einen Nachwuchsautor ist Wilhelm zwar nicht mehr der Jüngste - 83 Lenze zählt er inzwischen. Seinem Enthusiasmus tut das aber keinen Abbruch. "Ich muss immer was zu tun haben", sagt "Opa Dieter". Den Stoff für Buch Nummer Drei hat er deshalb auch schon beisammen.

In Übung bleiben


Wilhelm liebt sein Publikum. "Wenn die Kinder ganz still zuhören und so große Kulleraugen haben und man merkt, da geht's um im Kopf..." Immer wieder sucht "Opa Dieter" den direkten Kontakt zu seinen Zuhörern, liest in Nürnberg zum Beispiel auf dem Christkindlesmarkt vor oder besucht einfach mal den Kindergarten um die Ecke: "Ich muss ja auch in Übung bleiben."

Die ersten Kindergeschichten dachte Wilhelm sich für den eigenen Enkel aus. Dem Großvater hatte missfallen, dass seine Tochter das Vorlesen der Gutenachtgeschichte einem Kassettenrekorder überließ. Also setzte er sich ans Bett des Buben und legte los. "Wissen Sie, da steh ich manchmal neben mir", erzählt Wilhelm. Die ersten Geschichten seien quasi beim Erzählen entstanden. Später habe er sie dann aufgeschrieben und noch etwas ausgeschmückt. Irgendwann hätten die beiden Töchter gesagt: "Da musst du ein Buch draus machen."

Gesagt, getan. Das erste Werk finanzierte "Opa Dieter" noch selbst. Fürs zweite fand sich dann schon ein "richtiger" Verlag. Und die Bücher kommen an, berichtet der Rentner, der sich in Nürnberg auch im Verein "Großeltern stiften Zukunft" engagiert. Er freut sich über gute Leser-Kritiken bei Amazon, etwa, dass seine Geschichten in "zeitgemäßer Sprache" erzählt seien. Kein Wunder, findet Wilhelm: "Ich hab ja beim Vorlesen die direkte Reaktion." Er informiere sich sogar regelmäßig, was für Kindernamen gerade in Mode sind.

Den Dialog mit seinen Zuhörern schätzt der "Märchenopa" sehr. Er lässt sich von den Kindern auch gerne Tipps geben, wie er die Geschichten noch verbessern kann. Die Ideen für seine witzigen und fantasievollen Erzählungen kämen teils von den Kindern, teils einfach so, vor allem kurz vorm Einschlafen. "Ich frag mich auch, wie mir das alles einfällt", wundert Wilhelm sich: "Ich kann's nicht erzwingen, manchmal klickt es einfach bei mir." Aus alltäglichen Erlebnissen spinnt er dann eine kurze Erzählung. Wichtig ist ihm: "Es muss immer eine Geschichte in der Geschichte sein."

Auch wenn ihm der Rekorder am Bett des Enkelsohns nicht gefallen hat, möchte Wilhelm weder das Kinderfernsehen noch Hörspiele oder Hörbücher pauschal verteufeln. Das sei alles schön und habe seine Berechtigung, es biete aber keinen Ersatz für das Vorlesen, findet er. "Ich kämpfe für das Vorlesen", sagt "Opa Dieter", "da geht nix drüber. Wenn Kindern nicht vorgelesen wird, das ist arm."

Noch lange nicht genug


Die Geschichten müssten gar nicht lang sein, und eine pro Tag reiche meistens schon. Wichtig sei aber der direkte Kontakt zwischen Kind und Vorleser. "Wenn die Oma vorliest, dann fragen die Kinder doch zwischendurch auch mal was!" Karl Dieter Wilhelm jedenfalls hat vom Geschichtenerzählen noch lange nicht genug. "Dass ich so was kann, das ist doch 'ne tolle Sache!", sagt er voller Begeisterung. "Da hat man nich' umsonst gelebt."

Karl Dieter Wilhelm: "Opa Dieter, haste noch 'ne Geschichte", Canim Verlag, Februar 2016, 70 Seiten gebunden, empfohlen von 2 bis 10 Jahren, 11,95 Euro, ISBN 978-3942790192

Wenn Kindern nicht vorgelesen wird, das ist arm.Karl Dieter Wilhelm, Geschichtenerzähler
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