P-Seminar Informatik baut zwei Gebäude aus Marktredwitz nach - Modelle aus dem 3-D-Drucker
Vom Punkt zur Linie zum Rathaus

Mehr als zufrieden mit dem Ergebnis des P-Seminars sind die Schüler des OHG. Mit im Bild Stadtarchivarin Edith Kalbskopf und Bauamtsleiter Stefan Büttner (vorne links) sowie Robert Sroka, Einkaufsleiter bei Scherdel, Oberbürgermeister Oliver Weigel und Lehrer Markus Hartung (von rechts). Bild: fph
Vermischtes BY
Bayern
28.02.2016
22
0

Marktredwitz. Eine Kirche dauert zwei Tage, ein Rathaus ist dagegen schon in zehn Stunden zu haben. Diese eher außergewöhnliche Feststellung traf das P-Seminar Informatik des Otto-Hahn-Gymnasiums in Marktredwitz. Die Schüler haben nämlich Marktredwitzer Gebäude visualisiert oder besser gesagt am Computer konstruiert. Als Bonbon sozusagen hat das Marktredwitzer Unternehmen Scherdel aus den Daten der Schüler zwei maßstabsgetreue Modelle aus dem 3-D-Drucker "gezaubert".

Das Projekt-Seminar solle als Teil der gymnasialen Oberstufe den Schülern einen Einstieg in die Berufswahl geben, erklärte Seminar-Betreuer Markus Hartung beim Projektabschluss im Historischen Rathaus. "Wir sollen dabei immer mit einem außerschulischen Partner oder einer Institution zusammenarbeiten." So hatte es sich die Informatikklasse zur Aufgabe gemacht, zwei Gebäude der Stadt mit der Grafiksoftware Blender zu entwerfen. "Die Voraussetzungen waren ein gutes Vorstellungsvermögen, Lust am Tüfteln und eine hohe Frustrationstoleranz", erklärte Hartung. Letzteres vor allem wegen des Funktionsumfangs und der Komplexität der Software.

Aus allen Perspektiven


Um ihre Leidensfähigkeit nicht allzu sehr unter Beweis stellen zu müssen, seien die Schüler dann auf das Programm Sketch Up umgestiegen. "Das ist frei erhältlich und leichter zu bedienen", sagte Lehrer Markus Hartung. Zunächst musste sich die Klasse über die zwei darzustellenden Objekte einig werden. "Die Wahl fiel ziemlich schnell auf die Herz-Jesu-Kirche und das Historische Rathaus", sagte David Gonsior. Dann schossen die Schüler Aufnahmen der beiden Gebäude aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Die Fotos seien für die spätere Arbeit am Computer wichtig gewesen, betonte Gonsior.

Weil sich aber alleine aus den Ansichten die Bauwerke nur unzureichend genau hätten darstellen lassen, machte sich das P-Seminar mit dem Marktredwitzer Bautechniker Rainer Nirsberger nochmals auf den Weg. Mit einem Tachymeter maßen sie rund 80 markante Punkte und die Dachneigungen der Kirche und des Rathauses ein. "Das ginge natürlich auch genauer, aber dafür hätten wir viel mehr Zeit investieren müssen", erläuterte Rainer Nirsberger. Manch fehlende Daten konnten die Schüler aus alten Plänen ermitteln, die ihnen Edith Kalbskopf vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt hatte. "Außerdem haben wir aus unseren Fotos weitere Punkte errechnen können", erklärten die OHG-Schüler. Mit den so gewonnenen Daten fütterten die Schüler das Programm Sketch Up.

Schwer beeindruckt


Aus den Punkten wuchsen nach und nach Linien, Kanten, Ebenen und Flächen, bis auf dem einen Monitor das Historische Rathaus, auf dem anderen die Herz-Jesu-Kirche als frei bewegliches 3-D-Modell zu sehen waren. Schwer beeindruckt zeigte sich der Marktredwitzer Oberbürgermeister Oliver Weigel, der sich bei den Jugendlichen und ihren Betreuern bedankte. Beruhigt könne er feststellen, dass das Historische Rathaus nun als 3-D-Computermodell vorliege. "Macht das auch mit der Glasschleif, dann brauchen wir die nicht zu sanieren, sondern nur auszudrucken", sagte Weigel augenzwinkernd.

Die 3-D-Drucke seien eigentlich nicht geplant gewesen, sagte Hartung. "Sie sind in Zusammenarbeit mit der Firma Scherdel entstanden." Zwei verschiedene Drucksysteme habe das OHG mit Unterstützung der Scherdel-Techniker ausprobieren dürfen. Deshalb sei das Rathaus auch schneller fertig gewesen. Dafür aber entschädigt der Detailreichtum des anderen Modells - sogar die Uhrzeit am Kirchturm ist zu erkennen - für die lange Wartezeit.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.