Peter Porsch kritisiert in Genossenschaftsversammlung der Raiffeisenbank am Kulm ...
Zentral – daneben

Vermischtes BY
Bayern
01.07.2016
26
0

Hart geht Peter Porsch in der Genossenschaftsversammlung der Raiffeisenbank am Kulm (wir berichteten) mit der finanzpolitischen Zentralisierungswut der EU ins Gericht. Staat und Bankenaufsicht attestiert der Vorstandsvorsitzende eine Daumen schraubenpolitik.

Speichersdorf. Die Bankenaufsicht begrenze die unternehmerische Freiheit, selbst dort, wo Geschäftsmodelle nachweislich seit Jahrzehnten solide und erfolgreich seien, kritisierte Porsch. Als Beispiel nannte er die ständig wachsenden Meldeanforderungen.

Noch fataler und ausufernder seien die Einmischungen des Staates und der EU. Das bewährte Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken werde infrage gestellt. Die Entwicklung, Geschäftsmodelle der Banken zu vereinheitlichen mit einer am Ende stehenden kapitalmarktorientierten Einheits-Großbank gehe eindeutig in eine falsche Richtung. Auf diese Weise untergrabe der Staat die Finanzstabilität. "Denn gleiche Geschäftsmodelle bedeuten Klumpenrisiken, Stresssituationen im Finanzmarkt breiten sich schneller aus", meinte Porsch.

Die einlagenfinanzierte regionale Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken habe sich bewährt. Trotz harten Wettbewerbs sei die Raiffeisenbank am Kulm durch Kosteneinsparung einerseits und Produktivität durch Marktbearbeitung andererseits erfolgreich. "Dieses Geschäftsmodell steht nicht zur Disposition."

In diesem Zusammenhang warf der Redner dem Gesetzgeber schwere Versäumnisse beim Umsetzungsgesetz der europäischen Wohnimmobilienkreditrichtlinie vor. Ganze Passagen zur Kreditwürdigkeitsprüfung seien schwammig formuliert. Um gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, reagierten Banken konservativ. Sie vergeben im Zweifelsfall keinen Kredit oder, um sich abzusichern, verschlechtern die Konditionen für den Kreditnehmer.

Zudem seien für die Kreditwürdigkeit nur noch die Höhe des Einkommens und des frei verfügbares Vermögens ausschlaggebend, nicht mehr Grundstücke, kritisierte Porsch. "Wer mäßig verdient oder eine kleine Rente bezieht, ist womöglich nicht mehr kreditwürdig - selbst wenn er eine Villa am Starnberger See sein Eigen nennt." Sie bekämen kaum mehr ein Baudarlehen, eine Anschlussfinanzierung oder einen Kredit für die Sanierung von Immobilien. Das Grund- und Immobilienvermögen werde damit faktisch entwertet. "Die Bürger werden damit bei der freien Verfügung über ihr Vermögen bevormundet." Hier müsse zwingend korrigiert und praxistauglich nachgebessert werden.

Des Weiteren erteilte der Vorstandsvorsitzende den Plänen zur Zentralisierung der Einlagensicherung in Europa eine klare Absage: "eine gefährliche Idee".. Die Risiken in Europa seien ungleich verteilt, die Sicherungssysteme in Deutschland würden ausgehebelt, die Bankrisiken vergemeinschaftet. "Gerade einmal 2,5 Prozent der Kredite würden in Deutschland als "notleidend" eingestuft, mahnte so Porsch. Dagegen seien über ein Drittel der Kredite in Griechenland und Zypern problembehaftet. Deutsche Regionalbanken und Sparer müssten für etwas haften, ohne Einfluss auf die Steuerung der Bankrisiken zu haben. Das schaffe Fehlanreize, mahnte er.

"Wir dürfen gegenüber Bundesregierung, Parlament und Aufsicht nicht müde werden, gemeinsam in Europa für unser Anliegen zu streiten", appellierte Porsch eindringlich. Er sprach sich für strengere Qualitätskontrolle in der Finanzmarktregulierung aus. Zentralisierung und Dirigismus seien der falsche Weg, leistungsfähige und stabile Banken zu erreichen.

Trübe AussichtenEine Grunddividende von 1,25 Prozent (18 000 Euro) und Boni von bis zu sechs Prozent (je nach Kundenengagement) zahlt die Raiffeisenbank am Kulm für das Geschäftsjahr 2015 an ihre Mitglieder aus. Rund 100 Genossen segneten in der Versammlung den Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat ab.

Vor der Einführung des Bonusmodells vor zwei Jahren hätte dies einer Dividende von 2,81 Prozent entsprochen, erläuterte Vorstand Konrad Schäffler. Im Vergleich zu 2014 reduziere sich die Grunddividende zwar um 0,25 Prozent, sie liege aber noch deutlich über dem Kapitalmarktzins, wie Oberrevisor Jürgen Bauer bilanzierte. Das Geschäftsguthaben von 1,47 Millionen verteilt sich dabei auf 1912 Mitglieder. Sie halten 6686 Anteile.

Die Genossen bestätigten Aufsichtsratsvorsitzenden Konrad Wolf im Amt. Der Posten des ausgeschiedenen ehrenamtlichen Vorstands Manfred Etterer wird nicht neu besetzt. Den 98 neuen Mitgliedern stehen 52 Abgänge gegenüber. Der Allgemeinheit kommen 218 000 Euro an Ertrags- und sonstigen Steuern zugute. 43 Prozent (knapp 95 000 Euro) fließen an die den Kommunen.

"Der Blick in die Zukunft zeigt ein eingetrübtes Bild", prognostizierte Schäffler. Wettbewerb im Kundengeschäft, steigender Margendruck und stetig wachsende aufsichtsrechtlichen Anforderungen werden die kommenden Jahre weiter belasten. "Nur durch einen effizienten Vertrieb und eine strikte Kostenpolitik können wir uns dem Trend entgegenstemmen." (hia)


Wer mäßig verdient oder eine kleine Rente bezieht, ist womöglich nicht mehr kreditwürdig - selbst wenn er eine Villa am Starnberger See sein Eigen nennt.Vorstandsvorsitzender Peter Porsch
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.