Pfarrer Sven Grillmeier über Bestattung und Umgang mit Toten in heutiger Zeit
Sterben nicht mehr so wie früher

Pfarrer Sven Grillmeier (links) zeigte sich bei seinem Vortrag nicht unbedingt begeistert von den aktuellen Bestattungsriten. Bild: whü
Vermischtes BY
Bayern
22.10.2016
29
0

Kirchenlaibach/Mockersdorf. Den Umgang mit dem Tod und den Toten im Spannungsfeld von christlicher Trauerarbeit und gesellschaftlicher Tabuisierung stellte Pfarrer Sven Grillmeier in den Mittelpunkt der Vortragsreihe "Glaube im Gespräch". "Wir haben - gezwungenermaßen wie auch aus falsch verstandenem Trend - viel Hilfreiches und Nötiges der persönlichen Begleitung und Verabschiedung preisgegeben und verloren", bedauerte der Geistliche. Wer sterbe heute schon noch zu Hause. Krankenhaus sowie Altenheim und anschließend die Kühlung des Bestatters seien der Normalfall geworden. Da sei es vielfach schon unmöglich geworden, dem Sterbenden die Krankensalbung zu spenden.

Jeder Angehörige habe das Recht, den Toten nach Hause zu holen, den Sarg aufmachen zu lassen und bis eine Stunde vor der Beerdigung den Verstorbenen zu sehen. Grillmeier berichtete von einer Begebenheit in seiner Kaplanszeit. Damals habe eine Frau darauf bestanden, die Nacht über neben dem verstorbenen Mann im Ehebett zu schlafen. "Das muss jeder selbst für sich entscheiden - will man's, oder nicht?"

Er selbst sei kein Freund von Urnenbestattung. Zuerst werde das Requiem gefeiert, dann gehe es zum verschlossenen Sarg im Leichenhaus, dann ins Kremation, schließlich werde die Urne nach drei Wochen im engsten Familienkreis bestattet. Von der Psychologie her sei es so viel schwieriger, von einem Menschen in einer Urne Abschied zu nehmen. Da erfolge kaum mehr eine persönliche Begegnung und Verabschiedung. "Eigentlich braucht der Mensch die greifbare Nähe des Verstorbenen", meinte der Seelsorger. Ritus und Brauchtum stünden im Dienste des Trostes der Hinterbliebenen.

Vieles wie den Toten zu waschen, anzuziehen, einzusargen und aufzubahren übernehme heute ausschließlich der Bestatter. Früher habe man den Leichnam "in der guten Stube" aufgebahrt und das Fenster aufgemacht, um der Seele den Weg nach draußen zu ermöglichen. Auch die Totenwache sei völlig abgekommen. Ebenso sei früher unter anderem der Sarg mit in die Kirche genommen worden, um für und mit dem Verstorbenen das Requiem zu feiern. Das Öffnen der Sargs sei gesellschaftlich obsolet geworden.

Mit den Zuhörern besprach Grillmeier verschiedene Bestattungsriten, den Umgang mit Toten in anderen Religionen und die Liegezeiten der Gräber (Speichersdorf und Kirchenlaibach 20 Jahre). Bedenklich stimmte, dass Gräber schnell verwaisten, da Angehörige oder Kinder fehlten oder weggezogen seien.

Mit Interesse wurde auch der Frage nachgegangen, wie sich der Priester bei Ungetauften oder bei Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind, verhalten sollte. "Hier braucht man Fingerspitzengefühl hoch fünf", unterstrich Grillmeier. Eigentlich könne der Priester die Angehörigen nur in Zivil begleiten und in ihrer Trauer unterstützen. Auch dürfe er nicht vor dem Sarg gehen. Es dürfe nichts an eine kirchliche Bestattung erinnern.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.