Präventionsarbeit verstärken
Strategien gegen Sitzenbleiben

Eine flächendeckende Schulsozialarbeit soll laut Plänen der SPD-Bildungspolitiker im Landtag helfen, spätere Probleme zu vermeiden. Bild: dpa
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Bayern
26.07.2016
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Vor dem Hintergrund des Amoklaufs von München hat SPD-Bildungspolitiker Martin Güll davor gewarnt, nur über eine Verstärkung der Polizei nachzudenken. "Wir müssen auch über mehr Präventionsarbeit an den Schulen reden", so Güll.

München. Er spielte damit auf den 18-jährigen Amokläufer an, der neben psychischen wohl auch schulische Probleme hatte. Güll trat für den Einstieg in eine flächendeckende Schulsozialarbeit und die Anstellung weiterer Schulpsychologen ein. "Wir brauchen an den Schulen ein Unterstützungssystem, um Probleme frühzeitig zu erkennen", erklärte Güll. Zudem müsse mehr Druck aus dem System Schule genommen werden.

Sozial auffällig


Wie Güll unter Berufung aus ZahlSchuleen aus dem Kultusministerium mitteilte, gibt es an bayerischen Schulen rund 7500 Schüler mit "sozial-emotionalen Störungen". Etwa 6000 davon seien Jungen. Allein an den Mittelschulen habe sich ihre Zahl seit 2011 auf 3600 verdoppelt. Soziale Auffälligkeiten hätten oft mit schulischem Misserfolg zu tun, erläuterte der frühere Hauptschulrektor. Deshalb müssten auch Strategien gegen das Sitzenbleiben entwickelt werden.

Im vergangenen Schuljahr drehten in Bayern fast 53 000 Schüler - das entspricht einer Quote von vier Prozent - eine Ehrenrunde. Knapp zwei Drittel taten dies freiwillig - zumeist in der Hoffnung, ihre Noten in den Abschlussklassen zu verbessern. Daneben gab es knapp 17 000 Schüler, die in eine niedrigere Schulart absteigen mussten.

Laut Güll kosten die Sitzenbleiber den Freistaat rechnerisch rund 370 Millionen Euro im Jahr. Dieses Geld könne für die Bezahlung von rund 7000 Stellen für Lehrer und pädagogisches Personal verwendet werden, um durch intensivere individuelle Förderung das Wiederholen von Klassen und damit das "belastende Gefühl des Scheiterns" zu vermeiden.

Zudem müssten die Ganztagesangebote an allen Schularten ausgebaut und integrative Schularten wie Gemeinschaftsschulen zugelassen werden. Nach Auskunft des Kultusministeriums waren im vergangenen Schuljahr - bei steigender Tendenz - bayernweit rund 880 Schulpsychologen tätig. Damit sei eine "insgesamt gute schulpsychologische Versorgung gewährleistet". In Bayern gibt es knapp 4800 staatliche Schulen.
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