Proteste gegen GeflügelschlachtereiWiesenhof
Aktivisten legen Baustelle lahm

Die Tierschützer von "Mastanlagen Widerstand" und "Kampagne gegen Tierfabriken" protestieren mit der Plakat-Aktion gegen den Wiederaufbau der abgebrannten Hähnchen-Schlachterei von Wiesenhof. Bild: dpa
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Bayern
22.02.2016
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Rund 20 Aktivisten des"Aktionsbündnisses gegen Wiesenhof" besetzten am Montagmorgen die Baustelle der Wiesenhof-Geflügelschlachterei bei Bogen: Zwei Drittel aller bayerischen Hühner sollen hier geschlachtet werden.

Bogen. Mit der Spontan-Demo gegen die neu entstehende Geflügelschlachte protestierten die Tierschützer gegen Massentierhaltung aber auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Nach den Angaben der Polizei, die den ganzen Tag über mit einem Großaufgebot vor Ort war, hatte ein Teil der überwiegend jungen Demonstranten den Zaun des Betriebsgeländes der Firma überklettert. Andere mischten sich unter die ankommenden Bauarbeiter und seien so auf das Gelände gelangt. Ein Wachdienst alarmierte die Polizei.

Arbeiten unterbunden


Die Aktivisten hatten unterdessen bereits einen Bürocontainer besetzt und verschlossen, sich aneinander gekettet und mittels Trillerpfeifen Geschäftstelefonate gestört. Vier weitere Teilnehmer der Spontan-Demonstration bestiegen zwei Baukräne, wo sie Protestbanner hissten, die sich gegen "Schlachtfabriken" richteten. Auch am Zaun um das Gelände wurden Plakate und Transparente angebracht. Über 20 Ordnungskräfte waren gegen die nicht genehmigte Versammlung im Einsatz. Noch am Vormittag traf zusätzlich die Verhandlungsgruppe des Polizeipräsidiums ein, um die Demonstrationsteilnehmer auf den Baukränen zum Herabsteigen zu bewegen - erfolglos.

Erst als die Feuerwehr mit einer Drehleiter anrückte, gaben die vier Kran-Kletterer nach 13 Stunden auf und ließen sich nach unten bringen. Bereits um 14 Uhr waren die Ketten der Aktivisten im Baucontainer gelöst worden.

Die Großschlachterei in Hofweinzier war im Februar 2015 abgebrannt. Wie zuvor können in der neuen Anlage rund 200 000 Tiere pro Tag geschlachtet werden, teilte die Pressesprecherin der PHW-Gruppe mit. Zur Gruppe gehört auch die Donautal Geflügelspezialitäten GmbH, bekannt durch die Marke "Wiesenhof". Voraussichtlich bis zum dritten Quartal 2016 soll der Schlachtbetrieb wiederaufgenommen werden können. Wegen der Bedeutung des geplanten Schlachtbetriebs, sagte Freya Schuhmann, Sprecherin eines bundesweiten Aktionsbündnisses, habe man die Aktion hier durchgeführt: Zwei Drittel aller bayerischen Hühner sollen hier geschlachtet werden.

Sabotage als Mittel


"Wir haben eine andere Vorstellung davon, wie im 21. Jahrhundert mit Tieren umgegangen werden soll", sagte Schuhmann. Die Aktionsgruppe will das Töten in Großschlachtereien beenden - und sei es durch Sabotage. Dass sie den Bau nicht aufhalten werden können, wüssten die Aktivisten, räumt Schuhmann ein. Stattdessen wollen sie einen Prozess des Nachdenkens: etwa darüber, warum Fleisch so billig ist.

Die Kritik von Schuhmann richtet sich auch gegen das Landratsamt Straubing-Bogen, welches dem Unternehmen die vorzeitige Baugenehmigung erteilte. Die Aufsichtsbehörde, das Landratsamt, verteidigt sich: Die gesetzlichen Vorgaben dafür hätten vorgelegen, teilte das Landratsamt schriftlich mit. Auch tierschutzrechtliche Vorgaben seien im Genehmigungsbescheid, der auf der Homepage einzusehen sei, enthalten.

Zu der Aktion der Tierschützer und rechtlichen Schritten wollte sich die PHW-Gruppe gestern auf Anfrage nicht äußern. Gegen die Besetzer wird wegen Hausfriedensbruch und wegen Sachbeschädigung ermittelt.
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