Prozess nach Amoklauf einer Kuh
Viehhändler nicht Schuld

Auf der Flucht hatte die ausgebüxte Kuh eine Joggerin verletzt. Die Polizei erschoss das Tier schließlich auf der Theresienwiese. Der Viehhändler, dem die Kuh entkommen war, wurde nun freigesprochen. Archivbild: dpa
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Bayern
31.05.2016
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Eine Kuh entwischt dem Schlachter, rast in Panik durch München, nimmt eine Joggerin auf die Hörner. Der Viehhändler muss vor den Kadi - fahrlässige Körperverletzung durch Unachtsamkeit beim Entladen lautet der Vorwurf. Doch der Mann wird freigesprochen.

München. Die Attacke einer entwischten Kuh auf eine Joggerin ist für einen Viehhändler am Montag vor dem Amtsgericht München mit einem Freispruch geendet. Das Urteil entsprach dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 3500 Euro gefordert, da ihrer Ansicht nach schlampiges Abstellen des Transportfahrzeugs dem Rind eine Lücke zwischen Anhänger und Schutzgatter gelassen und ihm das Entkommen ermöglicht habe. Dazu habe die Polizei aber keine ausreichenden Feststellungen getroffen, so der Richter.

Joggerin weiter in Angst


Die Kuh war frühmorgens am 2. September 2014 beim Entladen auf dem Schlachthof ausgerissen und hatte auf ihrer panischen Flucht an der Oktoberfestwiese eine Joggerin niedergetrampelt. Die heute 30-Jährige erlitt unter anderem eine Gehirnerschütterung und Prellungen am ganzen Rücken. Sie leide immer noch unter Angstzuständen und ist in psychotherapeutischer Behandlung.

Für die Kuh endete die Flucht tödlich. Die Polizei besorgte sich nach vergeblichen Schüssen aus ihren Dienstpistolen ein Gewehr mit großkalibriger Munition und streckte das etwa 750 Kilogramm schwere Tier unterhalb der Bavaria am Oktoberfestgelände nieder. Einfangen war nicht möglich gewesen. "Rinder sind Herdentiere", sagte der Viehhändler, "sobald die einzeln sind, drehen sie durch". Dann könne so ein Tier auch schon mal ein zwei Meter hohes Hindernis überwinden.

Zwei Zeugen konnten nicht genau sagen, wie das Rind entkommen konnte. Einer von ihnen, ein Metzger beim Schlachthof, bestätigte die Aussage des Angeklagten, er sei "wie immer" beim Entladen des Viehs dabei gewesen. "Ich habe nie alleine abgeladen", hatte der Viehhändler versichert. Die Staatsanwaltschaft war vom Gegenteil ausgegangen.

Der Richter glaubte dem Angeklagten: "Er hat die Vorschrift erfüllt." Auch war er für das Geschehen nicht zuständig. Ab dem Entladevorgang, so der Experte der Berufsgenossenschaft der Viehhändler, liege die Verantwortung beim Schlachthof. Diese Auffassung hatte die Verteidigung vertreten. Der Schlachthof habe mittlerweile zwei Extra-Tore installiert.
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