Prozess um Babyleichen in Wallenfels
(Un-)gewollte Schwangerschaft

Die wegen Mordes angeklagte 45-Jährige leidet laut Experten nicht an psychischen Krankheiten, habe aber schwierige Beziehungen gehabt. Bild: dpa
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Bayern
15.07.2016
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Im Prozess um die Babyleichen von Wallenfels hat die Angeklagte vor Gericht ihren Namen und ihr Geburtsdatum gesagt. Mehr nicht. Alles andere teilen Sachverständige mit. Auch, dass die Mutter der acht toten Säuglinge noch weitere Kinder haben wollte.

Coburg. "Sie hatte einen Kinderwunsch", sagte der Münchener Psychiater Cornelis Stadtland am Donnerstag vor dem Landgericht Coburg. Ihr Mann aber wollte - so habe die Angeklagte es ihm erzählt - keine Kinder mehr. Das Verfahren gegen die Eltern der acht in Wallenfels gefundenen Babyleichen hatte am Dienstag begonnen. Die 45-Jährige hat vor Gericht eingeräumt, mehrere Säuglinge getötet zu haben.

Nach Angaben von Stadtland leidet die Mutter nicht an psychischen Krankheiten, auch sei sie nicht alkoholabhängig. Sie habe aber schwierige Beziehungen gehabt, wie der Psychiater sagte. "Das kann dazu führen, dass ein Mensch gestörter wirkt, als er ist." Nach den drei Kindern, die sie mit ihrem Noch-Ehemann bekommen habe und die am Leben sind, habe sie nicht verhütet und wurde wieder schwanger. "Ich wollte es ja eigentlich", sagte sie dem Sachverständigen zufolge.

Sie habe auch ihrem Mann von den ersten drei und von der letzten ihrer acht weiteren Schwangerschaften erzählt. Er sei entweder laut geworden oder habe nicht reagiert. Sie habe gewusst, dass sie schwanger ist - habe die Schwangerschaften dann aber verdrängt. Beide Angeklagten haben neben ihren drei Kinder noch jeweils zwei Kinder aus erster Ehe.

Das Gericht hält es unterdessen für möglich, dass sich der Vater nur der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat. Darauf wies der Vorsitzende Richter Christoph Gillot am Donnerstag hin. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Beihilfe zum Mord vor, die Mutter ist wegen vierfachen Mordes angeklagt.

Person mit Widersprüchen


Der Psychologin Karoline Pöhlmann sagte, die Angeklagte habe sich nicht trennen wollen von den Babys und deshalb die acht Leichen im Wohnhaus versteckt. Die Expertin beschrieb die 45-Jährige als durchschnittlich intelligent, selbstbewusst und als Frau, die sich selbst als emotional stabil und belastbar sehe. "Es gibt einen gewissen Widerspruch." Denn zugleich sei sie wenig bereit, sich mit Problemen oder kritisch mit sich selbst auseinanderzusetzen.

"Ich habe keine wirklichen Schuldgefühle wahrgenommen", sagte dazu Psychiater Stadtland, "aber auch keine Verharmlosung." Es gebe nicht einen Typ der Kindstötung schlechthin und auch nicht die Täterin schlechthin, sagte Pöhlmann. Es gebe aber Persönlichkeitszüge, die öfter vorkommen: eher introvertiert und passiv. Diese Eigenschaften nahm Pöhlmann auch bei der 45-Jährigen wahr: "Sie sagte, sie sei kein Mensch, der über Probleme rede."

In ihrer Erklärung - via Anwalt - hatte die Mutter beschrieben, dass ihr Mann von ihr bei der ersten Schwangerschaft nach drei gemeinsamen Kindern eine Abtreibung verlangt habe. Das habe sie entsetzt - und sie habe nicht abgetrieben. Stattdessen habe sie die Schwangerschaft verdrängt und das Kind, überrascht von der Geburt, in ein Handtuch gewickelt und versteckt. Wie in den folgenden sieben Fällen auch.
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