Prozess um Entführung einer Bankiersfrau
„Wie in einem schlechten Film“

Der Angeklagte soll eine Bankiersfrau aus ihrer Wohnung verschleppt und in einem zurückgelassenen Brief 2,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert haben. Bild: dpa
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Bayern
22.02.2016
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Sein Gewissen werde ihn ewig plagen, sagt der Angeklagte im Münchner Prozess um die Entführung einer Bankiersfrau. Der Banker gibt sich von dem Entschuldigungsversuch unbeeindruckt.

München. Als der Entführer mit ihr auf den Parkplatz im Münchner Westen fuhr, dachte sie: "Jetzt oder nie." Sie habe lieber auf diesem Parkplatz sterben wollen als "zu verschimmeln in irgendeinem Erdloch oder Kellerabteil". Eine Bankiersfrau (47) hat am Montag vor dem Landgericht München geschildert, wie sie fliehen konnte.

Eine Stunde lang sei der Mann mit ihr durch München gefahren. "Ich habe gebetet und habe meine Beichte gemacht", sagte sie. "Ich hab gesagt: Lieber Gott, wenn ich heute sterben sollte, dann sterb' ich. Aber lieber wär' mir wann anders." Als der Mann dann auf einem Parkplatz mit ihr ausstieg und sie dort eine andere Frau sah, habe sie sich von ihrem Entführer losgerissen und um Hilfe gerufen. Der 53-Jährige floh und wurde in Thailand, wo der Auswanderer seit 2012 lebte, festgenommen. Im Prozess gestand er, die Frau im Juni 2015 in ihrem Haus gekidnappt und 2,5 Millionen Euro Lösegeld gefordert zu haben. Der Sohn (12) blieb mit Kabelbindern an einen Heizkörper gefesselt zurück. Nach seinem umfassenden Geständnis entschuldigte er sich direkt bei der Frau.

"Täter, nicht Opfer"


"Ich bin auf jeden Fall kein Opfer, ich bin der Täter und dazu stehe ich auch. Aber trotzdem möchte ich Sie von ganzem Herzen um Verzeihung bitten - und das ist ernst gemeint", sagte er. Es sei ein "absolutes Fehlverhalten" gewesen, und sein Gewissen werde ihn sein Leben lang quälen. Die Frau bedankte sich und nahm seine Entschuldigung an.

Der Ehemann, ein hochrangiger Sparkassenangestellter, wollte die Entschuldigung nicht annehmen. "Das ist mir - gelinde gesagt - zu platt, einfach zu sagen: Entschuldigung." Seine Frau wache nachts verängstigt auf und habe sich in eine Therapie begeben. Sein Sohn weigere sich, über die Sache zu reden. "Ich konnte nicht essen, nicht schlafen und habe meine Zähne niedergeknirscht", sagte die Frau. Erst mit Hilfe einer Therapie sei es ihr inzwischen wieder möglich, die Tür zu öffnen, wenn es klingele. Die Entschuldigung komme ihr viel zu spät.

Das Motiv des Angeklagten für die Tat soll akute Geldnot gewesen sein. Der Mann gab an, er leide an einer schweren Augenerkrankung. Ärzte in Thailand hätten ihn damals gewarnt, er könne auf einem Auge erblinden. Eine Operation habe er aber nicht bezahlen können - auch wenn er vor vier Jahren mit einem Budget von mehreren Hunderttausend Euro nach Thailand gegangen war. Die Bankiersfamilie aus Ottobrunn wurde laut Anklage zufällig zum Opfer, weil der Angeklagte über eine Internet-Recherche erfahren hatte, dass der Vater eine hohe Position bei der Münchener Sparkasse bekleidet.

Im Internet gefunden


Getarnt als Paketbote soll er in das Mehrfamilienhaus gegangen sein. An der Wohnung angekommen bedrohte er die Frau mit einer Softair-Pistole. Er hinterließ einen Erpresserbrief, in dem eine "Islamische Front Deutschl." drohte, die Frau werde "als Sexsklavin in den Osten verkauft". "Wie ein regelrechter Profi kam er jetzt nicht rüber", lautet die Einschätzung seines Opfers. Wie in "so 'nem ganz miesen" Streifen sei das gewesen. "Wie im falschen Film." Sie habe an eine Verwechslung geglaubt. "In Ottobrunn, da gibt es so viele dicke Villen, und ich wohne in einer Wohnung im zweiten Stock und fahre einen Polo", sagte sie. "Überall gibt es mehr zu holen als bei uns."
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