Prozess um Müller-Brot
Haftstrafen gefordert

Unter anderem wegen eklatanter Hygienemängel bei der Großbäckerei Müller-Brot sind nun drei ehemalige Manager vor Gericht. Bild: dpa
Vermischtes BY
Bayern
29.09.2016
17
0

Mäuse, Kakerlaken und Schimmel in den Anlagen: Für die Ekelzustände und die Pleite der Großbäckerei Müller-Brot sollen drei Ex-Manager nach Meinung der Staatsanwaltschaft ins Gefängnis. Die Angeklagten haben sich demnach "nahezu unantastbar" gefühlt.

Landshut. Die Staatsanwaltschaft forderte am Mittwoch vor dem Landgericht Landshut Gefängnisstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten sowie drei Jahren und fünf Monaten für das Trio. "Die Angeklagten haben an allen Fronten die Grenzen zur Legalität überschritten", sagte Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller in seinem Plädoyer.

Demnach hatten die Ex-Chefs große Mengen Lebensmittel in den Handel gebracht, die nicht zum Verzehr geeignet waren. Zudem hätten sie sich der Insolvenzverschleppung, der Untreue und des Betrugs schuldig gemacht. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden.

Die Verteidigung forderte für einen der Angeklagten eine Bewährungsstrafe. Sein Mandant habe sich nicht bereichert, und er habe zur Aufklärung des Falles beigetragen, sagte ein Anwalt eines ehemaligen Geschäftsführers. Er hätte aber wohl genauer hinschauen müssen. Die Verteidiger der beiden anderen Angeklagten beantragten jeweils Freispruch.

Laut Staatsanwaltschaft hatten die drei Geschäftsführer trotz Zahlungsunfähigkeit Waren und sonstige Leistungen im Wert von rund 1,25 Millionen Euro in Auftrag gegeben. Die Lieferanten seien vertröstet, hingehalten und sogar mit ungedeckten Schecks abgespeist worden, betonte der Anklagevertreter. Dabei fühlten sich die Angeklagten nahezu unantastbar. Einer der Angeklagten habe sogar geäußert, "dass das Landratsamt den Betrieb schon nicht schließen wird, weil Müller-Brot ein großer Arbeitgeber ist", betonte Rohrmüller.

Mäusedreck und Kakerlaken


Die Produktion in Neufahrn war 2012 vom Landratsamt Freising gestoppt worden, nachdem trotz mehrfacher Beanstandungen unter anderem Mäusedreck und Kakerlaken nicht beseitigt worden waren. Trotz Reklamationen von Kunden sei es "immer schlimmer" geworden, sagte Staatsanwalt Rohrmüller. Es habe auch wegen finanzieller Probleme Einsparungen gegeben. "Das Personal hat sogar vom eigenen Geld Reinigungsmittel gekauft, weil nichts da war", erläuterte der Anklagevertreter. Zwei Wochen nach dem Produktionsstopp meldete die Firma Insolvenz an. 1250 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Auch soll sich der Ex-Firmenchef, ein Pferdezüchter aus Norddeutschland, persönlich bereichert haben, obwohl das Unternehmen bereits in eine heftige Schieflage geraten war. Müller-Brot bezahlte mehr als 518 000 Euro für das Anbringen einer Werbetafel an dessen Gestüt. "Hier wurde Geld beiseitegeschafft zum Schaden der Lieferanten und des Betriebes", sagte Rohrmüller. Die Verteidigung des Ex-Chefs von Müller-Brot betonte, dass es sich bei diesen Zahlungen um das Geschäftsführergehalt ihres Mandanten gehandelt habe. Überdies habe der Angeklagte keine Kenntnisse davon gehabt. In seinen abschließenden Worten betonte der ehemalige Firmenchef seine Betroffenheit über die Stilllegung des Betriebs. Zudem sei er erschrocken gewesen, als er die Fotos der Hygienemängel gesehen habe. "Da habe ich mich geschämt", sagte der 70-Jährige, der in den Jahren vor der Pleite zahlreiche Millionen in das Unternehmen gesteckt und verloren hatte, unter Tränen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.