Prozess um tote Säuglinge in Wallenfels
Nett, aber verschlossen

Bei den Zeugenaussagen im Prozess um acht Babyleichen in einem Haus in Wallenfels ging es zunächst um den Charakter der Mutter. Bild: dpa
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Bayern
14.07.2016
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Ihre Anwälte beschreiben die Mutter der acht toten Säuglinge von Wallenfels als extrem verschlossen. Probleme hat sie offenbar verborgen.

Coburg. Mehrere Zeugen haben im Prozess um die acht in Wallenfels gefundenen Babyleichen ausgesagt, bei der Angeklagten keine Schwangerschaften bemerkt zu haben. Sie hätten Gewichtsschwankungen wahrgenommen, aber diese für normal gehalten, sagten zwei Bekannte der Mutter (45) am Mittwoch. Die Frau ist wegen vierfachen Mordes angeklagt, ihrem Mann wird Beihilfe vorgeworfen. Die Zeuginnen sahen die Angeklagte nach eigener Aussage regelmäßig, eine davon mindestens alle zwei Wochen.

"Ganz liebes Mädel"


Zudem beschrieb eine der Zeuginnen die 45-Jährige als nett und freundlich. Bei gemeinsamen Kneipenabenden sei sie lustig und aufgeschlossen gewesen. Der Ex-Freund der Angeklagten, mit dem sie zum Zeitpunkt des Leichenfunds zusammen war, sagte, sie sei ein "ganz liebes Mädel", aber bisweilen traurig gewesen und habe sich dann zurückgezogen. "Sie wollte lieber alleine weinen." In der Erklärung der Angeklagten, die sie beim Prozessauftakt durch ihren Anwalt verlesen ließ, hatte es geheißen, sie sei "extrem verschlossen" und habe immer alle Probleme mit sich selbst ausgemacht.

Der Ex-Freund berichtete dem Gericht auch, die 45-Jährige habe ihm erzählt, dass sie von ihrem Mann sexuell benutzt worden sei. "Sie hat gesagt, dass er sie nach dem Wirtshaus einfach genommen hat, ob sie wollte oder nicht", sagte der 56-Jährige am Mittwoch. In der Erklärung der Angeklagten und auch in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ist sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung nicht erwähnt. Nach dem Leichenfund im Wohnhaus der Frau in Wallenfells habe sie ihm gesagt, ihr Ehemann trage Mitschuld am Tod der Säuglinge, sagte ihr Ex-Freund. Die Frau hielt sich damals mit ihrem damaligen Freund in Kronach auf.

Was wusste der Mann?


Die Angeklagte hatte beim Auftakt am Dienstag über ihren Anwalt eingeräumt, mehrere Säuglinge getötet zu haben. Sie ließ mitteilen, dass ihr Mann deutlich gemacht habe, keine Kinder mehr zu wollen. Im Prozess geht es auch darum, wie viel der Mann über die acht Schwangerschaften seiner Frau wusste.
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