Prunksitzung des Fastnachtverbandes
Fränkischer Frohsinn

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Bayern
29.01.2016
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Ob Söder, Seehofer, Beckenbauer oder Volkswagen - in Veitshöchheim müssen alle einstecken können. Die Künstler der Sendung "Fastnacht in Franken" lästern ohne Rücksicht auf Verluste. Selbst Oberpfälzer dürfen mitlästern.

Veitshöchheim. Markus Söder als Edmund Stoiber, Joachim Herrmann als Sheriff: Bayerische Politiker präsentierten sich bei der Fernsehprunksitzung "Fastnacht in Franken" aus Veitshöchheim in teils fantasievollen Kostümen. Allen voran Finanzminister Söder. Der CSU-Politiker outete sich als Fan des ehemaligen Ministerpräsidenten und kam diesmal als Stoiber in die Mainfrankensäle. "Das ist als Hommage an einen der größten Bayern gedacht. Ich bin und war schon immer Stoiberianer", sagte Söder, im schwarzen Anzug, mit schwarzer Fliege bekleidet und entsprechend geschminkt, am Freitag zu seinem Outfit. Der amtierende Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kommentierte das trocken: "Es ist halt immer wieder so, dass manche sich beim Fasching eine Traumwelt aufbauen. Und Stoiber ist ja auch Vergangenheit", frotzelte er mit einem Grinsen. "Aber originell ist er", gestand auch er ein.

Konservativer Herrmann


Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) kam als "Star Wars"-Prinzessin Leia, "weil sie eine sehr emanzipierte Frau und Meisterschützin ist. Und sie kämpft nicht nur um die Macht, sondern hält auch die Fäden in den Händen." Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dagegen stolzierte wie gewohnt als Sheriff über den Roten Teppich. Er sei eben konservativ und stehe für Kontinuität.

Unter protzigen Kronleuchtern und vor quietschbunter Rokoko-Kulisse haben Bayerns Politiker zudem ordentlich ihr Fett wegbekommen. Schon fast ein Klassiker sind mittlerweile die Witze auf Kosten von Söder, der sich immer wieder als künftiger Ministerpräsident in Stellung bringt. "Stimmt es, dass ihr Kronprinz Söder erst an dem Tag ran darf, wenn Reiner Calmund seinen Diätplan einhält, der Berliner Flughafen eröffnet ist und Greuther Fürth Champions-League-Sieger ist?", fragte Sitzungspräsident Bernd Händel provokant Horst Seehofer. Wortakrobat Oliver Tissot lobte zudem den Ministerpräsidenten und seine Partei für ihre Verdienste gegen den Klimawandel. "Sie sorgen ständig für frostiges Klima", sagte er mit Blick auf die Reibereien zwischen CDU und CSU. Auch die SPD musste einstecken: Das Duo Volker Heißmann und Martin Rassau sagte den Besuch des Papstes bei den Sozialdemokraten voraus: "Denn der kommt immer dahin, wo das Elend am größten ist!" Ob VW-Skandal, die Olympia-Absage Hamburgs oder die Bestechungen in der Sportwelt - die Künstler nahmen zahlreiche Themen auf die Schippe. Zur Diskussion um die Asylpolitik etwa sagte Kabarettist Peter Kuhn: "Diesen Dreckschleudern, die ständig hetzen, muss man Obergrenzen setzen. Nicht ein bis zwei Grad Diskrepanz - nein, am besten Null Grad Toleranz."

Erschreckender Dialekt


Natürlich fehlten auch die üblichen Frotzeleien der Franken in Richtung der Bayern nicht. Auf die Spitze aber trieben es die Musiker der Altneihauser Feierwehr-Kapell'n aus Neuhaus bei Windischeschenbach (Kreis Neustadt/WN). Sie lästerten unter Buh-Rufen des Publikums umgekehrt über die Franken, die mittlerweile auch eine eigene Tatort-Produktion haben. "In einem Tatort, wo man fränkisch spricht, bräuchte es die Leiche nicht. Denn da flößt ja der Dialekt allein dem Zuschauer schon Schrecken ein", sagte Kommandant Norbert Neugirg. Die Prunksitzung des Fränkischen Fastnacht-Verbandes wird seit 1987 live im Bayerischen Fernsehen übertragen und erreicht ein Millionen-Publikum.

Neugirgs Sprüche"Um mit Wildbad Kreuth zu sprechen: auch wir Altneihauser haben Schwächen wie die CSU mit ihrem Mini-Ungeheuer, dem Brillenaugust Andi Scheuer. Es sind neun Nullen, die hier oben steh'n und mit dem Horst, da sind wir zehn!"

"Der Bocksbeutel für Frankenwein bekommt ein neues Glasdesign, verbessert und spektral erweitert, am Inhalt war man ja gescheitert. Sprich, wenn inhaltlich nichts besser wird, dann wird's halt 'mal am Glas probiert."

"Donald Trump, der Amerikaner, und Kim Jong Un, der Nordkoreaner, sind in etwa gleich gesinnt, so anmutig wie Sau und Rind, und es sieht so aus, als ob die beiden einander sich die Haare schneiden."
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