Rechtsanspruch auf Ganztagesbeschulung in Bayern
„Zahlen ein Armutszeugnis“

Besonders die Oberpfälzer Gymnasium und Realschulen haben beim Ausbau der Ganztagsklassen Nachholbedarf. Bild: dpa
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Bayern
08.04.2016
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Es soll einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbeschulung in Bayern geben. So will es die SPD, die nun im Landtag einen entsprechenden Gesetzentwurf eingebracht hat. In der CSU sieht man wenig Handlungsbedarf.

München. Der Rechtsanspruch soll sicherstellen, dass in Bayern für alle Schüler bis einschließlich der 10. Klasse ein gebundenes oder offenes Ganztagesangebot bereitsteht, wenn diese das wünschen. Eine Ganztagespflicht wäre damit nicht verbunden. In einer Kernzeit von 8 bis 16 Uhr soll dieses Angebot für Eltern kostenfrei sein. Zudem sollen Schulen, Kommunen oder freie Träger gegen Kostenersatz eine Betreuung in Tagesrand- und Ferienzeiten zur Verfügung stellen. Nach den Vorstellungen der SPD sollen für den ganzen Tag auch Qualitätsstandards gelten.

SPD-Fraktionsvizin Simone Strohmayr begründete den Vorstoß mit dem großen Nachholbedarf in Bayern. So liege der Freistaat bei den gebundenen Ganztagesplätzen im Bundesvergleich auf den hinteren Rängen. Bei den weiterführenden Schulen sei Bayern sogar Schlusslicht.

"Diese Zahlen sind ein Armutszeugnis", sagte Strohmayr. Trotz der von Ministerpräsident Horst Seehofer für 2018 versprochenen Ganztagesgarantie habe der Freistaat "seit Jahren den vernünftigen und bedarfsgerechten Ausbau verschlafen".

Chance für gerechte Bildung


Diesem Mangel müsse nun mit einem Rechtsanspruch analog zu den Kindertagesstätten abgeholfen werden. Nur so könne der Ausbau mit dem tatsächlichen Bedarf Schritt halten. Ganztagsschule sei eine "riesige Chance für mehr Bildungsgerechtigkeit", erklärte Strohmayr. Keine Notwendigkeit dafür sah Ute Eiling-Hütig (CSU). Inzwischen gebe es an über 80 Prozent der bayerischen Schulen an den örtlichen Bedürfnissen orientierte Ganztagesangebote. Anders als die SPD zählte sie die vielen Horte und Mittagsbetreuungen dazu. "Wir wollen keine Planwirtschaft, sondern den bedarfsgerechten Ausbau", erläuterte Eiling-Hütig.

FW und Grüne dafür


Freie Wähler und Grünen unterstützten dagegen die Ziele der SPD. Michael Piazolo (Freie Wähler) betonte allerdings, der Ausbau dürfe nicht auf dem Rücken der Kommunen ausgetragen werden. Der Grüne Thomas Gehring sagte, die Ganztagesschule sei die "richtige Antwort auf die aktuellen bildungspolitischen Herausforderungen". Anders als Seehofers unverbindliche "Ganztagesgarantie" für Schüler bis 14 Jahre sei der Rechtsanspruch für Interessenten einklagbar.

Ganztagesklassen in der OberpfalzIm Schuljahr 2014/15 gingen an Grundschulen in der Oberpfalz 1611 Schüler in gebundene Ganztagesklassen, in denen sich Unterrichts- und Erholungsphasen in festem Rhythmus abwechseln. Das entsprach einem Anteil von 4,7 Prozent an allen Grundschülern im Bezirk (Bayern 5,7). Die Spannbreite betrug zwischen 1 Prozent im Landkreis Tirschenreuth und 7,7 Prozent in der Stadt Weiden. Zudem nutzten 7172 Grundschüler (21 Prozent) eine zum Teil bis in den Nachmittag reichende Mittagsbetreuung (Bayern 22,2). Am besten ausgebaut sind die Angebote an den Mittelschulen. Dort besuchten 3675 Oberpfälzer Schüler (20,1 Prozent) einen gebundenen Ganztagsunterricht (Bayern 17,6) und weitere 1522 (8,3 Prozent) offene, überwiegend nicht von Lehrkräften betreute Angebote (Bayern 9,9). Großen Nachholbedarf gibt es an Realschulen und Gymnasien. An den Realschulen der Oberpfalz konnten nur 212 Schüler (1,3 Prozent) ein gebundenes Angebot (Bayern 1,1) und 791 (4,7 Prozent) ein offenes nutzen (Bayern 5,5). An den Gymnasien - bis einschließlich der 10. Klasse - besuchten 312 Schüler (1,8 Prozent) ein gebundenes (Bayern 1,5) und 1500 (8,7 Prozent) ein offenes Ganztagesangebot (Bayern 7,7). (jum)
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