Reformationsjahr 2017
Evangelische und katholische Kirche feiern zusammen

Reinhard Kardinal Marx (links) und EKD-Ratspräsident Heinrich Bedford-Strohm freuen sich auf das Reformations-Gedenkjahr 2017. Bild: dpa
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Bayern
17.09.2016
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Erstmals seit 500 Jahren wollen die beiden großen Kirchen in Deutschland 2017 ein Reformations-Gedenkjahr zusammen begehen. Der Terminplan mit Gemeinschaftsveranstaltungen steht bereits.

München. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, stellten dazu am Freitag in München einen gemeinsamen Text mit grundsätzlichen Überlegungen vor. Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers (1483-1546) zum Ablass, die als Beginn der Reformation gilt.

Vor 50 Jahren undenkbar


Das Dokument der Kirchen mit dem Titel "Erinnerungen heilen - Jesus Christus bezeugen" erinnert daran, dass sich die Christen in den vergangenen 500 Jahren vielfache Verwundungen zugefügt hätten, und würdigt die ökumenische Annäherung in den letzten Jahrzehnten. Marx und Bedford-Strohm sprachen von einem jahrelangen Lernprozess. Ein gemeinsames Gedenken der Reformation wäre noch vor 50 Jahren undenkbar gewesen, sagte der Kardinal. Man solle dies daher nicht allzu selbstverständlich nehmen.

Der EKD-Ratsvorsitzende zeigte sich überzeugt, dass "wir mit bleibenden Unterschieden heute besser umgehen können als frühere Generationen". Mit Marx erinnerte er daran, dass sich die christlichen Konfessionen zuvor jahrhundertelang voneinander abgegrenzt und gegenseitig verworfen hätten. Heute könne man anerkennen, dass auch in der jeweils anderen Kirche der Heilige Geist am Werk sei.

2017 soll nach dem Willen der Kirchen als gemeinsames Christusfest begangen werden. Im Mittelpunkt steht der Gedanke "Erinnerung heilen". Dazu soll es am 11. März in Hildesheim einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst geben. Die Spitzenvertreter äußerten die Hoffnung, dass es auch auf lokaler Ebene gelinge, die einander zugefügten Wunden ehrlich zu benennen. Dieser Prozess dürfe nicht auf die Ebene der Kirchenleitungen beschränkt bleiben.

Bei der Vorstellung des Dokuments äußerten sich Marx und Bedford-Strohm vor Journalisten auch zu ihrem persönlichen Verhältnis zu Martin Luther. Der Kardinal bezeichnete den Reformator als "bombastische Figur" in seiner tiefen Frömmigkeit und eifrigen Gottsuche, aber auch in seiner maßlosen Kritik an der römischen Kirche. Luthers Leidenschaft für die Heilige Schrift würde er vielen Pfarrern heute wünschen. Marx fügte hinzu, er selbst habe lange nicht gewusst, dass Luther der Autor eines seiner Lieblingsgebete sei.

Blick auf dunkle Seiten


Bedford-Strohm sagte, Luther ermutige dazu, auf die eigenen dunklen Seiten zu schauen. Wenn der Reformator selbst dies heute mit Blick auf seine anti-judaistischen Hetzreden täte, "würde er ganz genau sehen, dass er sich geirrt hat", meinte der bayerische Landesbischof. Diese Demut unterscheide den Reformator etwa aktuell von "Rechtsradikalen, die sich auf Kosten anderer stark machen".
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