Serie: "Wir müssen was tun, um den Sport in der Region zu erhalten"
Isabel Schöberl hilft bei der Nachwuchsgewinnung im Skilanglauf

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Bayern
24.06.2015
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"Die Kinder wollen sich bewegen. Aber die Eltern stehen oft nicht so dahinter", weiß Isabel Schöberl. Die 19-Jährige absolviert beim Oberpfälzer Skiverband, Abteilung Skilanglauf, ein Freiwilliges Soziales Jahr. Und ist damit die Hoffnung des Verbandes auf mehr Nachwuchs. Fast 40 Stunden ist sie jede Woche in der Region unterwegs, an Schulen, in Kindergärten und Vereinen. Teil vier unserer Serie zu Sport in der Oberpfalz.

Schluss mit Stille. Ein Grundschüler nach dem anderen stürmt in die Turnhalle der Wolfgang-Caspar-Printz-Grundschule in Waldthurn. Und es dauert nur wenige Sekunden, bis der Fußball quer durch die Halle fegt. Wer nicht mitspielt, steht garantiert in der Schusslinie. Beinahe übergangslos schlägt die Stille in der Turnhalle um in Lärm und eifriges Gewusel.

Als Isabel Schöberl ihre Hand hebt, passiert Erstaunliches: Die Kinder, die gerade noch chaotisch-unkoordiniert durch die Halle tobten, sammeln sich schnurstracks um ihre Trainerin. Ruhe. Keine Frage: Die 19-Jährige Flossenbürgerin hat ihre Schützlinge im Griff.

Fast ein Drittel der Grundschüler macht mit



Isabel Schöberl absolviert beim Oberpfälzer Skiverband, Abteilung Skilanglauf, ein Freiwilliges Soziales Jahr. (Bild: Kaute)

25 Kinder aus den zweiten bis vierten Klassen haben sich für die Sport-Arbeitsgemeinschaft der Abteilung Skilanglauf im Oberpfälzer Skiverband an der Grundschule angemeldet. "Wir waren überrascht über diese hohe Zahl", sagt Isabel Schöberl. Schließlich nimmt damit fast ein Drittel der Kinder an der Grundschule an diesem Sportangebot teil. In Waldthurn glauben die Eltern der Grundschüler offenbar daran, dass Sport für die Kleinen wichtig ist.

Sport-ArbeitsgemeinschaftenIn Sport-Arbeitsgemeinschaften (kurz SAG) arbeiten Sportvereine und -verbände rund ein Jahr lang mit Schulen zusammen. Ziel ist, dass sich die Kinder auch außerhalb des Sportunterrichts bewegen und natürlich, die Schüler für eine Mitgliedschaft im Verein zu gewinnen.

"Außer Fußball gibt es nicht viele Angebote", so Isabel Schöberl. Das führe dazu, dass vor allem Mädchen, wenn sie nicht gerade Fußball spielen wollen, sich überhaupt nicht bewegen. Denn gerade für berufstätige Eltern ist es mit erheblichem Aufwand verbunden, die Kinder für ein bisschen Sport zum Beispiel von Waldthurn nach Weiden zu bringen. Manch einer verzichtet lieber, wenn auch oft aus nachvollziehbaren Gründen wie Zeitmangel. "Wenn die Eltern nicht selber im Sport sind, ist es schwer, an die Kinder heranzukommen", weiß auch Isabel Schöberls Bruder Fabian, der ebenfalls im Skiverband tätig ist.

Umso besser daher, dass junge Menschen wie die 19-jährige Flossenbürgerin und Verbände wie der Oberpfälzer Skiverband sich engagieren, um den Sport vor Ort zu erhalten. Für die Abteilung Skilanglauf im Verband ist es ein Test: Isabel Schöberl ist die erste, die dort ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.


Dieses Spiel erfordert Teamarbeit, Koordination und Geschicklichkeit. (Bild: Kaute)

Erst grübeln, dann schwitzen


Die Kinder, die gerade noch wild durch die Halle tobten, geraten bald darauf ins Grübeln. Zum Start des Trainings müssen sie eine Aufgabe bewältigen, in der es um Teamarbeit, Koordination und Geschicklichkeit geht. Die Kinder müssen sich von einem Punkt auf dem Boden zum nächsten bewegen, um hinter eine Absperrung zu kommen, aber es müssen alle Punkte immer besetzt sein. Knifflig. Entsprechend dauert es eine Weile, bis die Aufgabe gelöst ist.


Es muss immer ein Fuß auf jedem Punkt sein - mindestens. (Bilder⁄Montage: Kaute)

"Wichtig ist, dass es immer spielerisch ist, was wir machen. Die Kinder müssen immer in Bewegung bleiben, sonst langweilen sie sich", erklärt die 19-Jährige.

Was hat das alles nun mit Skilanglauf zu tun? "Wir trainieren zum Beispiel die Koordination, Ausdauer, Kraft und das Gleichgewicht", erläutert die junge Frau. Ihr Bruder ergänzt: "Wir wollen die Kinder nicht nur zum Langlauf bringen. Es ist vielmehr wichtig, dass sie sich überhaupt bewegen." Im Winter stehen die Kinder natürlich auch auf Skiern, im Sommer findet das Training auf dem Schulhof oder in der Halle statt.

Serie: Sport in der OberpfalzVielfältig sind die Herausforderungen durch den demografischen Wandel, spannend der Umgang der Vereine und Verbände damit. Deshalb haben wir zum Sport in der Oberpfalz eine Serie gestartet. Wenn Sie uns helfen möchten, diese Serie weiterzuführen, schicken Sie uns Ihre Ideen und Anregungen an redaktion@oberpfalznetz.de, Betreff: Sport in der Oberpfalz.

Bockspringen, Klettern, Trampolin springen - und mogeln


Und dann geht's ans Schwitzen: Die Grundschüler müssen einen Parcours bewältigen, der es in sich hat. Bockspringen, klettern, rutschen, Hindernisse umlaufen, mit hochgezogenen Knien über Sprossen trippeln, Trampolin springen, sich über eine Bank ziehen, hüpfen - da geraten die Kleinen schnell ins Schwitzen. Die fieseste Übung kommt jedoch zum Schluss: sich an Stangen hochziehen und daran entlang hangeln. Spätestens hier verlässt die meisten die Kraft. Man beneidet sie nicht um diese Schinderei. Dabei sollen sie den Parcours nicht nur ein Mal durchlaufen.


Ganz schön anstrengend: Der Parcours war nicht einfach zu bewältigen. (Bilder: Kaute)

"Ich kann nimmer", hört man dann auch hier und dort aus hochroten Kindergesichtern mit schweißnassen Haaren. Und wenn Isabel Schöberl gerade wegguckt, wird schon mal gemogelt. Nachvollziehbar.

Sport in der Region erhalten


Aber nicht nur die Kleinen müssen etwas leisten. "Wir haben inzwischen sogar wieder etwas mehr Nachwuchs als früher", sagt Fabian Schöberl. Aber das reiche langfristig nicht. "Wir müssen was tun, um die Basis nicht zu verlieren und den Sport in der Region zu erhalten." Damit spricht er vielen Vereins- und Verbandsleuten aus der Seele.



Ob Sport-Arbeitsgemeinschaften an Schulen angeboten werden, hänge häufig von der Schulleitung ab. Und deren Sportlichkeit. "Diese Schule ist super froh, dass sowas hier angeboten wird", sagt Isabel Schöberl über die Wolfgang-Caspar-Printz-Grundschule.

Das sehen wohl auch andere Schulen so: Allein in Weiden gibt es nach Auskunft von Ernst Werner, Weidener Kreisvorsitzender des Bayerischen Landes-Sportverbandes, 36 Sport-Arbeitsgemeinschaften. Er ist allerdings skeptisch, was den Erfolg bei der dauerhaften Nachwuchsgewinnung für die Vereine angeht: "Wir schaffen es nicht, die Kinder neben dem Schulsport in die Vereine zu bringen", erzählte er im Rahmen des ersten Beitrages zu unserer Sport-Serie.

Es geht auch nach Ende des Freiwilligen Sozialen Jahres weiter


Isabel Schöberl ist fast Vollzeit im Einsatz in Sachen Nachwuchsgewinnung, neben Waldthurn zum Beispiel an Schulen, Kindergärten und Vereinen in Hirschau, Plößberg und Weiden. Da kommen über 1.000 Kilometer jeden Monat zusammen, erzählt sie. Wie sich die Sport-Arbeitsgemeinschaft der Abteilung Skilanglauf entwickeln wird, muss sich erst noch zeigen. Ideen für spannende sportliche Angebote für die Kinder gibt es jedenfalls genug.

Info-Veranstaltung & Unterstützung gesuchtDie Abteilung Skilanglauf im Oberpfälzer Skiverband sucht mehr junge Menschen, die sich in einem Freiwilligen Sozialen Jahr sportlich engagieren möchten. Interesse besteht außerdem an Unterstützung von Sponsoren: Isabel Schöberl ist jeden Monat über 1.000 Kilometer unterwegs - da kommen eine Menge Kosten für Sprit zusammen. Interessierte können sich per E-Mail bei der Abteilung Skilanglauf im Oberpfälzer Skiverband melden: osvskilanglauf@googlemail.com

Am 9. Juli 2015 findet im Busgasthaus Born in Kettnitzmühle bei Wernberg ab 19.30 Uhr eine Trainersitzung und Info-Veranstaltung statt. Eingeladen sind hierzu neben den Vereinstrainern alle interessierten Vertreter von Schulen, Kindergärten und Sportvereinen, die sich über das Angebot der Abteilung Skilanglauf informieren möchten.

Und die Jugendarbeit geht auch über die SAG hinaus: "Wir haben zum Beispiel die Wettkämpfe angepasst", so Fabian Schöberl. Sie seien spielerischer, kombinierten den Langlauf zum Beispiel mit Slalom-Elementen. Und die Kleinen können jetzt auch mit den einfachsten Skiern am Wettkampf teilnehmen, die beispielsweise nicht gewachst werden müssen.

Freuen können sich die SAG-Schüler in Waldthurn zunächst einmal auf die nächste Woche. Denn da steht Training im Inline-Skating auf dem Schulhof an. Und für die SAG an der Grundschule steht auch schon fest, dass es auch nach dem Ende des Freiwilligen Sozialen Jahres von Isabel Schöberl weitergehen wird: Eine Kollegin vom Oberpfälzer Waldverein arbeitet sich bereits durch Teilnahme am Training ein und wird es in ein paar Monaten übernehmen. Und Isabel Schöberl weiß auch bereits ungefähr, was sie dann tun wird. Studieren nämlich: "Sport-Ökonomie oder BWL."

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