Spatenstich für Dorfgemeinschaftshaus in Plössen
Langer halber Weg

Bürgermeister Manfred Porsch, Simone Walter, Eva von Chamier und Gerhard Riedel (vorne von rechts) hatten sich mit Arbeitskreismitgliedern und den an der Planung Beteiligten zum Spatenstich für das Dorfgemeinschaftshaus eingefunden. Bild: hia
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Bayern
11.10.2016
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"Es ist soweit, es wird gebaut", teilt Simone Walter ihren Plössener Bürgern mit. Die zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende des Arbeitskreises Dorferneuerung hat allen Grund, erleichtert zu sein und sich zu freuen.

Plössen/Selbitz. Es war ein vergleichsweise kleiner Festakt für ein großes Projekt, das künftig das Herzstück dörflichen Lebens und den Mittelpunkt der Plössener Vereine bilden wird. Nach zwei Jahren und neun Monaten Vorbereitungszeit erhob Simone Walter das Glas auf das Dorfgemeinschaftshaus. Mit Bürgermeister Manfred Porsch, Architektin Eva von Chamier, Gerhard Riedel vom Bamberger Amt für Ländliche Entwicklung, Bauverwaltungschef Thomas Schneider, Statiker Helmut Raps und Bauunternehmer Sebastian Morawe setzte sie zum Start der Tiefbauarbeiten den ersten Spatenstich.

Bagger und Schotter stehen für das Fundament bereit. Schnellstmöglich soll der Rohbau hochgezogen und wetterfest werden, damit über die Wintermonate - und das in viel Eigenleistung der Plössener Handwerkerfamilie - der Innenausbau beginnen kann. Das Dorfgemeinschaftshaus ist dringend notwendig, sind doch die Tage der Wirtsstube im früheren Gasthaus Kohl gezählt. Die Feuerwehr verfügt nur über einen kleinen Aufenthaltsraum, die Landjugend hat in der Nachbarschaft ihre Volkstanzhalle.

Sechs Standortvarianten


Im Januar 2014 nahm der Arbeitskreis, zu dem jeder Bürger eingeladen war, seine Arbeit auf. In 20 Sitzungen, laut Walter "davon keine unter zwei Stunden", haben die 15 Mitglieder viele Themen der Dorferneuerung diskutiert, Lösungen erarbeitet und hart um Entscheidungen gerungen. Die Standortfrage mit anfänglich sechs Varianten und eine funktionale Haus- und Außenanlagengestaltung waren die schwierigsten Brocken. Sie haben das Dorf zeitweise gespalten. Dazu kam, dass im Frühjahr 2016 das ganze Projekt um ein Haar an den Fördermitteln gescheitert wäre. Aus Bamberg war im März die Hiobsbotschaft eingegangen, dass der "Topf Dorferneuerung" leer ist (siehe Kasten).

Anziehungs- und Treffpunkt


Umso mehr war beim Spatenstich die Freude und die Erleichterung herauszuhören, dass es losgehen kann und dass alle an einem Strang ziehen werden. "Jetzt ist der Weg frei für ein Haus der Begegnung, einen neuen Treffpunkt dörflichen Lebens und der Vereine, für das Bindeglied zwischen Dorf und Siedlung", betonte Porsch. Er wünschte sich, dass ein "Wir-Unser-Haus-Gefühl" entsteht. Die Zukunft werde zeigen, dass die Entscheidungen richtig waren, meinte Walter. Der lange Kampf von der ersten Ideenfabrik in Kloster Langheim bis zum Spatenstich habe sich gelohnt, erklärte Harald Winkler. Für Architektin Eva von Chamier werden das Dorfgemeinschaftshaus und der neue Dorfplatz zünftige Anziehungs- und Treffpunkt sein. Gemeinsam bilden die neu geplanten und bereits vorhandenen Gebäude- und Platzstrukturen eine Einheit als neue Dorfmitte für Kultur, Sport, Spiel und Gemeinschaft. Dabei befindet sich das Projekt erst auf halbem Weg. Viele Sitzungen zum Innenausbau und für die Außenanlagen stehen dem Arbeitskreis noch bevor. Zum Hebfest wird die ganze Bevölkerung dann eingeladen.

ELER-Förderprogramm weiter anzapfenAus dem Förderprogramm Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) erhält die Gemeinde 259 200 Euro und damit 60 Prozent Zuschuss auf die Brutto-Gesamtkosten von 522 300 Euro des neuen Gemeinschaftshauses. Erst im August war der neue Förderbescheid ergangen.

Bis März 2016 hatten sich Gemeinde und Arbeitskreis darauf verlassen, dass die Dorferneuerung Plössens samt Dorfgemeinschaftshaus aus Bamberg im "einfachen Dorferneuerungsverfahren" gefördert wird. Doch dann die Hiobsbotschaft. Quasi über Nacht mussten andere Wege gegangen werden, um an Fördergelder zu gelangen. Erste Chancen eröffneten sich dabei über das neu aufgelegte ELER-Förderprogramm. Doch hierfür war ein aufwendiges Bewerbungs- und Auswahlverfahren erforderlich - bei offenem Ausgang.

Alle Bemühungen, die finanziellen Mittel in der Dorferneuerung wieder aufgestockt zu bekommen, seien bislang erfolglos geblieben, berichtete Walter. Damit sei das ELER-Förderprogramm bis auf weiteres die einzig angemessene Bezuschussungmöglichkeit von Dorferneuerungsmaßnahmen. Über dieses will der Arbeitskreis nun auch die Landjugendhalle mit Festplatz, Gestaltung des Baches mit Feuerwehransaugstelle, Ortseinfahrt und die Außenanlagen um das Gemeinschaftshaus in einem weiteren Projekt fördern lassen.

Ebenso wird in einem weiteren Schritt versucht, Mittel für angedachte Maßnahmen an der Ortsdurchfahrt mit Kirchenvorplatz, den Bereich um das Feuerwehrhaus und das neue Bushäuschen über andere Programme zu bekommen. Dafür sind weitere Anträge (im November und Mai 2017) erforderlich. (hia)
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