Spenden, Betreuung, Patenschaften - Hilfe, die ankommt
Wie kann ich Flüchtlingen helfen?

Nach einer langen Flucht wird eine gespendete Decke zum Willkommensgruß. Bild: dpa
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Bayern
10.09.2015
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Überall in der Region kommen Flüchtlinge an. Kommunen stoßen schon bei der Unterbringung an ihre Grenzen. Hilfsorganisationen, Ehrenamtliche und Initiativen helfen in Kleiderkammern, betreuen Kinder oder geben Deutschunterricht. Viele wollen helfen, wissen aber nicht genau wo oder wie.

Von Alexander Unger und Angela Buchfelder

Vielen Menschen in Deutschland macht das Schicksal der Flüchtlinge betroffen. Sie wollen helfen. Noch nie gab es so viel ehrenamtliches Engagement wie derzeit. Internetseiten wie wie-kann-ich-helfen oder Pro Asyl sind eine Möglichkeit, sich zu informieren. Die Initiativen vor Ort können genau sagen, wo eine helfende Hand gebraucht wird. Koordiniertes Vorgehen ist in jedem Bereich nötig. Die Mitarbeiter in den Kleiderkammern beispielsweise wissen am besten, was am meisten fehlt und wovon ein ausreichender Bestand vorhanden ist. Eine Nachfrage lohnt und kann helfen, schnell und gezielt Not zu lindern.

Nicht jeder, der helfen will, kann das mit Geld- oder Sachspenden. Zeit für die Betreuung und Begleitung der Flüchtlinge oder Asylbewerber ist aber ebenso wichtig wie eine Wohnung, eine Winterjacke ein neues Paar Schuhe.

Flüchtlingshilfe in der Region


Die Karte zeigt Anlaufstellen für Menschen, die gerne helfen möchten. Die Karte kann nicht vollständig sein. Wir ergänzen nach und nach. Mithilfe ist erwünscht. Schicken Sie weitere Anlaufstellen an redaktion@oberpfalznetz.de (Hinweis: Die Markierungen in der Karte entsprechen nicht immer dem tatsächlichen Standort der Hilfsangebote. Sie dienen zur Orientierung an Städten. Ein Klick auf den Marker zeigt weiter Informationen)

Welche Möglichkeiten gibt es, wofür ist Hilfe nötig?


Behördengänge: Der Umgang mit Behörden und Ämtern fällt meist schwer. Unterlagen und Dokumente sind manchmal schwer zu verstehen. Manchmal sind für einen "Vorgang" Besuche bei mehreren verschiedenen Ämtern nötig. Hier können Ehrenamtliche als Lotse und Begleiter wertvolle Unterstützung leisten. Infos über Verfahren und Zuständigkeiten gibt es unter anderem beim Bayerischen Flüchtlingsrat



Übersetzungen: Manche Flüchtlinge sprechen ausschließlich ihre Muttersprache. Die Bedienungsanleitung einer Waschmaschine kann ein unüberwindbares Hindernis sein. Besonders in den ersten Wochen nach der Ankunft ist ein Dolmetscher gefragt: Englisch, Französisch und Arabisch sind derzeit besonders gefragt. Da einige Flüchtlinge über Fremdsprachenkenntnisse verfügen, kann er zusammen mit einem Ehrenamtlichen als Multiplikator wirken, andere Flüchtlinge in deren Muttersprache beraten. Der Langenscheidt-Verlag hat schon auf die Situation reagiert und stellt seinen eigentlich kostenpflichtigen Zugang zum Online-Wörterbuch Arabisch kostenlos zur Verfügung (Link zu Langenscheidt).



Internetzugang: Das Internet bietet Möglichkeiten sich zu informieren, zu lernen, mit anderen in Kontakt zu bleiben. Flüchtlingsunterkünfte bieten im Regelfall keinen Internetzugang. Initiativen wie Freifunk.net geben Rat. In Weiden stellt der Oberpfälzer Waldverein (OWV) (Link zum Bericht) bereits einen Zugang zum Internet zur Verfügung. "Wir mussten hier in der Hauptgeschäftsstelle am Rotkreuzplatz nur einen Freifunk-Router aufstellen, und schon läuft's", sagt der Pressewart des OWV, Martin Kießling. Die Kosten für den Heimatverein: rund 20 Euro. Auch Sponsoren für einen solchen Internetzugang werden gebraucht.

Wie Online-Angebote Flüchtlingen konkret helfen können, macht zum Beispiel die zehnsprachige Seite afeefa.de vor. Auf einem Stadtplan von Dresden werden anhand von Symbolen erste Anlaufstellen eingeblendet - vom Flüchtlingsrat über das Krankenhaus bis hin zum Fußballtreff. Volker Werbus rief Ende 2014 die Initiative "Refugees Online"(Link zu Refugees Online) ins Leben. Seither können etwa 900 Flüchtlinge im Münchener Umland mit WLAN-Hotspots, die die Helfer installiert haben, online gehen. Kooperationen mit weiteren Unterkünften sollen folgen.

Wie wichtig das Internet beispielsweise für Syrer, die in Deutschland leben, ist, zeigt ein Bericht der Süddeutschen Zeitung (Link zum Bericht). Um die "Rätsel des deutschen Alltags" zu lösen, schlossen sich Syrer in der Facebook-Gruppe "Das syrische Haus" (Link zur Gruppe) zusammen. Die Gruppe hat derzeit über 82.000 Mitglieder, Tendenz steigend.



Unterricht Deutsch als Fremdsprache: Sprache gilt als wichtigster Baustein für Integration und Teilhabe. Kinder, Jugendliche und Erwachsene brauchen dabei gleichermaßen Hilfe. Für Sprachkurse gibt es weniger freie Plätze als Interessenten. Besonders gesucht sind pensionierte Lehrer oder auch Lehramtsstudenten, die regelmäßig in kleinen Gruppen unterrichten. Als Unterrichtsmaterial eignet sich hier besonders der "Deutschkurs für Asylbewerber - Thannhauser Modell". Zwei ehemalige Schulleiter aus Schwaben wollten Flüchtlingen Sprachunterricht geben, fanden aber keine speziellen Unterrichtsmaterialien. Sie entwickelten ein eigenes Arbeitsheft, das mittlerweile in der dritten Auflage vorliegt. Die Lehrer müssen nicht unbedingt die Muttersprache der Flüchtlinge können - ideal ist aber, wenn andere Flüchtlinge dabei sind, die schon etwas Deutsch sprechen und die bei der Verständigung helfen.



Hilfe beim Alltag in Deutschland: Besonders bei der dezentralen Unterbringung sind Fahrten zum Arzt, zur Behörde oder zum Supermarkt ein großes Problem. Eine Mitfahrgelegenheit auf dem täglichen Weg zur Arbeit oder zurück kann die unbürokratische Lösung sein. Warum braucht man einen Chip am Einkaufswagen, was bedeuten die Symbole auf Waschanleitungen, wie funktioniert ein Radio? Wofür braucht man den Stop-Knopf im Linienbus? Dinge, die für Einheimische selbstverständlich geworden sind, stellen Flüchtlinge manchmal vor Probleme. Fragen zum Alltag lassen sich am besten in kleinen Gruppen klären. Oder mit einer Art geführten Tour durch die Stadt.



Freizeitgestaltung, Sport, kultureller Austausch: In Vereinen liegt ein großes Potenzial für die Integration. Sport und Musik gelten als universelle Sprache. Flüchtlinge und Asylbewerber suchen einen Ausgleich zur manchmal langweiligen, zermürbenden Wartezeit in den Unterkünften. Jüngstes Beispiel (Stand 9. September) aus der Region ist eine Aktion des SV Raigering. Die Rugby-Sparte des SV Raigering nahm Kontakt mit den ehrenamtlichen Helferinnen auf, die sich immer wieder um die Bewohner der Asylbewerber-Unterkunft an der Kümmersbrucker Straße in Amberg kümmern. Sie machten dort ein wenig Werbung für den Sport - und es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Interessierten meldeten.

Enge Zimmer, viele Menschen auf kleinem Raum. Damit die einen ihre Ruhe haben und die anderen sich auch mal treffen, lachen, tanzen, musizieren oder spielen können, braucht es eine Raum. Vereinsheime oder Pfarrsäle eignen sich für derartige Aktionen besonders.

Gesundheit: Ärzte, Zahnärzte und Pflegepersonal können helfen. Die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge ist kompliziert. Kostenlose Sprechstunden können daher in Flüchtlingsunterkünften hilfreich sein. Ärzte, die so etwas anbieten möchten, sollten das mit den zuständigen kommunalen Behörden abklären.

Vormundschaften - Patenschaften: Wer Verantwortung für einen bestimmten Flüchtling übernehmen möchte kann dies mit einer Patenschaft. Kommt ein Kind ohne seine Eltern nach Deutschland, braucht es einen Vormund. Oft sind das Amtsvormünder, da sich zu wenige passende Privatpersonen finden. Ein Vormund trägt eine große Verantwortung. Der junge Flüchtling braucht eine Unterkunft, eine Schule, und der Vormund sollte ihn während seines Asylverfahrens begleiten. Zugleich sei man als Vormund Anlaufstelle bei allen persönlichen Sorgen und Problemen, erklärt der Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge auf seiner Website (Link zur Internetseite). In manchen Regionen existieren schon Vormundschaftsprojekte für junge Flüchtlinge. Eine Liste mit Ansprechpartnern gibt es hier.



Sachspenden: Meist fehlt es an vielem, nicht unbedingt an allem. Zu den Dingen, die am dringendsten benötigt werden gehören Kleidung - besonders Winter- und Regenkleidung sowie neue Unterwäsche - Wörterbücher, Spielzeug für Kinder und Handy-Guthaben. Ob Sachspenden gebraucht werden, ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Während beispielsweise Kleidung und Spielsachen schon reichlich gespendet wurden, ist anderes oft noch gefragt. Dazu gehören beispielsweise Zahnbürsten, Zahnpasta und Windeln. Aber auch Lehrmaterial für den Deutschunterricht, Bustickets und Gutscheine für Bekleidungsläden- oder Drogeriemärkte werden oft gebraucht. In jedem Fall sollte man sich vor Ort informieren, wo Bedarf besteht. Auskunft geben beispielsweise Caritas, Diakonie oder andere Wohlfahrtsverbände.



Wohnung - Unterbringung: Zimmer in der Wohnung oder WG frei? Besonders Flüchtlingsfamilien wünschen sich eine Wohnung außerhalb der Aufnahmeeinrichtungen. Lokale Initiativen haben in der Regel den Überblick, wo der Bedarf am höchsten ist. Flüchtlinge willkommen (Link zur Internetseite) bietet "Mitwohngelegenheiten", bringt Anbieter und Suchende zusammen. Was dabei rechtlich zu beachten ist, hat ProAsyl zusammengestellt. Wer eine Wohnung oder Haus zu vermieten hat und helfen möchte, meldet die verfügbare Einheit bei der zuständigen Behörde, in der Regel dem Sozialamt. Diese schließt einen Mietvertrag mit dem Wohnungs- oder Hausbesitzer. Die Behörde übernimmt die Kosten und entscheidet über die Vergabe. Auch ein direkter Mietvertrag zwischen Haus- oder Wohnungsbesitzern und Flüchtlingen oder Asylbewerbern ist möglich (Link zum Infoblatt).



Arbeit: Nach Ablauf des dreimonatigen Arbeitsverbots können Flüchtlinge prinzipiell arbeiten erklärt ProAsyl. Voraussetzung ist eine Genehmigung der Ausländerbehörde. Arbeitgeber, die einstellen wollen, müssen beachten dass Flüchtlinge einen sogenannten nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Die Agentur für Arbeit prüft, ob für die Stelle ein passender Bewerber aus Deutschland oder der Europäischen Union zur Verfügung steht. Hilfestellung für Arbeitgeber gibt es über die Agentur für Arbeit und in dieser Kurzübersicht (Link zur Übersicht).

Links und Surftipps


Jeder Bürger kann sich für Asylbewerber engagieren. Dafür ist kein hoher Zeitaufwand notwendig. Auch Sachspenden wie Kleidung, Schuhe, Fahrräder oder Spielsachen werden vielerorts gesucht. Im Folgenden finden Sie eine Liste mit Initiativen, an die Sie sich wenden können, wenn Sie helfen möchten.

Stand: September 2015 / Ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Überregional
Vermittlung privater Unterkünfte
Flüchtlingsprojekt “Asylothek”
Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender
Projekt Ich helfe jetzt

Regional
Übersicht über BRK-Standorte in Bayern
Caritas zum Thema Migration und Integration
Diakonie Bayern: Grenzen überwinden - Die Welt gemeinsam gestalten

Lokal
Zusätzlich zu den großen, überregional handelnden Hilfsorganisationen wie BRK, Caritas oder Diakonie gibt es Gruppen, die entweder ganz spezielle Hilfeleistungen im Angebot haben oder auf rein lokaler Ebene aktiv sind.

Amberg
Amberg hilft Menschen, Telefon: 09621-420119

Bärnau
Nachbarschaftshilfe: Telefon:09635/9203-21; E-Mail: maresag@hotmail.com

Fuchsmühl
AK Integration für Flüchtlinge: E-Mail: hannelore@bienlein-holl.de

Nabburg
Arbeitskreis Asyl: E-Mail: j.goetz.nabburg@t-online.de

Pfreimd
Arbeitskreis Asyl: Angi Hirmer, E-Mail: AkAsyl_Angi@gmx.de

Schwandorf
Integrations-Netzwerk Schwandorf
Freiwilligenagentur: Sprachpatenschaften, Ämtergänge, Arztfahrten und mehr

Sulzbach-Rosenberg
Initiative Sulzbach-Rosenberg hilft!

Tirschenreuth
AK Asyl im Caritasverband für den Landkreis Tirschenreuth e.V., Kirchplatz 6: Telefon: 09631/79892-0; E-Mail: j.kundrat@caritas-tirschenreuth.de
AWO-Kreisverband: Telefon 09633/3888; E-Mail: kv.tirschenreuth@bayern.awo.de

Vohenstrauß
Zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier, E-Mail: muenches@web.de

Weiden
“Netzwerk Asyl”, Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler, Telefon 0961-43472 und Veit Wagner, E-Mail: veit.wagner@t-online.de
Arbeitskreis Asyl
Flüchtlingsbetreuung des Diakonischen Werks, Telefon: 0961-93009869
Helfer, Paten, Übersetzer können sich bei Asylberaterin Nadine Röckl-Wolfrum melden, bitte per Mail: asyl-beratung@diakonie-weiden.de