Stadt Marktredwitz unterstützt Studium des schwer erkrankten Kevin Lesiewicz
Syrer hilft beim Informatik-Pauken

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Bayern
23.01.2016
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Marktredwitz. Kevin Lesiewicz kann das Bett nicht verlassen. Seit seinem sechsten Lebensjahr leidet er an einer besonderen Form der Muskelschwäche. Trotzdem schaffte er das Abitur mit Bravour (Note 1,7). Nun studiert er an einer Hagener Fernuniversität. Kevins erklärtes Ziel: "Ich möchte Informatiker werden." Dabei hilft ihm nun ein junger Syrer, der vor dem Bürgerkrieg in seinem Land floh.

Finanzielle Unterstützung erfährt Kevin Lesiewicz von der Stadt Marktredwitz. "Die Geldmittel stammen aus der Bauerschen Wohltätigkeitsstiftung", informiert Stadtkämmerer Markus Brand bei einem Besuch am Freitag. Mit dabei Mohammad Akhras aus Syrien. Er ist Informatiker, hat in seiner Heimat an einer EDV-Schule unterrichtet und spricht Englisch.

Nachdem es für Kevin nicht leicht ist, nur aus Skripten zu lernen, hat Akhras vor wenigen Monaten spontan seine Hilfe angeboten. "Als Dankeschön", wie er ausdrücklich betont. Mohammad ist zwei Mal pro Woche bei Kevin zu Besuch und beantwortet Fragen. Kommuniziert wird auf Englisch. Die Patenschaft hat ebenfalls die Stadt übernommen und finanziert die Bustickets von Lorenzreuth nach Wölsauerhammer. Die regelmäßigen Besuche, die gemeinsame Arbeit, vor allem aber die aufopferungsvolle Pflege von Mama Petra Lesiewicz tun Kevin gut. Er kommt beim Lernen gut voran, hat keine Prüfungsangst. Dass er die Tests aufgrund seines Handicaps nicht schriftlich ablegen kann, ist ein Nachteil. Dieser könnte durch einen sogenannten Nachteilsausgleich geregelt werden. Den Antrag haben Kevin und Petra Lesiewicz rechtzeitig gestellt und nach Hagen geschickt. Doch nun verstehen sie die Welt nicht mehr. Statt der erhofften Prüfungszulassung flatterte vor wenigen Tagen ein Schreiben aus Hagen ins Haus. Darin wurde unmissverständlich erklärt, für den beantragten Nachteilsausgleich brauche man ein fachärztliches Attest. "Eine Bescheinigung habe ich von meinem Hausarzt sofort erhalten", erzählt Kevin. Die Mutter ergänzt: "Eine fachärztliche Betreuung gibt es nicht. Wohin anders als zum Hausarzt hätten wir also gehen sollen?" Somit könne man kein fachärztliches Gutachten vorlegen. Das Attest des Hausarztes aber sei nicht anerkannt worden. Nun drängt die Zeit. Petra Lesiewicz bedauert, dass sich an der Uni niemand zuständig fühle. Eine betreuende Lehrkraft gebe es zwar, die aber zeige keine Reaktion. In ihrer Verzweiflung haben sich Petra und Kevin Lesiewicz an die Stadt Marktredwitz gewandt. Im Rathaus zeigt man sich bestürzt. "Wir werden uns auf jeden Fall mit der Uni in Verbindung setzen", sagt Kämmerer Markus Brand stellvertretend für den verhinderten Oberbürgermeister Oliver Weigel.
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