Stahl und historische Balken

Eine Stahltreppe verbindet die lichtdurchfluteten Geschosse des Architekturbüros Hilgarth. Die Merkmale des sanierten Stadels: aktueller Energieeffizienzstandard, hoher thermischer Komfort, gute Akustik. Bild: privat
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Bayern
18.06.2016
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Die "Architektouren" machen am nächsten Wochenende wieder spannende Einblicke in oft außergewöhnliche Bauprojekte möglich. Mit dabei ist Architekt Peter Hilgarth.

Marktredwitz. Die bundesweite Aktion steht in diesem Jahr unter dem Motto "Architektur für alle". Oberfranken ist mit insgesamt neun Projekten vertreten, Marktredwitz mit einem: Architekt Peter Hilgarth informiert über die Sanierung des historischen Stadels in der Egerstraße 44, der heute moderne Büros beherbergt. Eine Besichtigung ist am Sonntag, 26. Juni, von 14 bis 16 Uhr möglich.

Die in der Egerstraße gelegene geschlossene Stadelreihe wurde von Mitte des 16. Jahrhunderts an in massiver Bauweise aus ursprünglich 36 Stadeln errichtet, informiert Peter Hilgarth. Beim Stadtbrand am 6. Oktober 1822 brannte die gesamte Bebauung der Egerstraße ab. Anschließend wurden die Stadel auf den alten Grundmauern wieder aufgebaut. Sie dienten ausschließlich zu Lagerzwecken. Die schlicht gestalteten Außenwände bestehen aus Brockenmauerwerk. Eine Besonderheit sind die stichbogenförmigen Tore mit Granitrahmung.

Aus dem Fels geschlagen


Hilgarths Gebäude besitzt zudem einen sehr gut erhaltenen, aus dem Fels geschlagenen Keller, der in verschiedenen Ebenen bis zu einer Tiefe von 6,25 Meter unter das Straßenniveau reicht. Das nun sanierte Gebäude war der letzte, verbliebene Stadel, welcher sich noch im ursprünglichen Zustand befand, so Hilgarth. Heute bietet er hochwertige Arbeitsplätze für Architekten und Ingenieure. "In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurden Details eines in sich schlüssigen Konzeptes umgesetzt." Die drei lichtdurchfluteten Geschosse verbindet jetzt eine einfache Stahltreppe. Diese Stahlelemente finden sich in eigens entworfenen Büromöbeln wieder. Der frühere Schacht des Lastenaufzuges, wirkt als verglastes, alle drei Etagen verbindendes Element.

Das originale Dachtragwerk aus dem frühen 19. Jahrhundert wurde als Kehlbalkendach ausgebildet, das durch einen liegenden Stuhl ausgesteift ist, erläutert der Architekt. "In Zerrbalkenlage und Mauerlattenbereich mussten erhebliche Mängel behoben werden. Wichtige tragende Elemente der Dach- und Deckenkonstruktion wurden nach historischem Vorbild ergänzt." Die erhaltenen, ursprünglichen Hölzer wurden nach den umfangreichen Restaurierungsarbeiten nur mittels Wurzelbürste gereinigt. Die Haustechnik und Infrastruktur wurde dezent und nur zum Teil sichtbar montiert. Das ehemalige Stadelgebäude sollte seinen Charakter trotz der neuen Nutzung beibehalten. "In aller Konsequenz wurde historische Bausubstanz restauriert und erhalten. Sämtlich Neues ist ablesbar, jedoch im Kontext verbaut."

In aller Konsequenz wurde historische Bausubstanz restauriert und erhalten.Architekt Peter Hilgarth
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