"Stiftung Zuhören" bringt Jugendliche zum "Storytelling" [Aktualisierung: Projekt des ...
Grenzen überschreiten, Geschichten erzählen

Grenzgeschichten
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Bayern
16.06.2014
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Menschen erzählen Geschichten oder sind fasziniert davon. Seit den Zeiten der Höhlenmalerei wird Erlebtes oder Erfundenes weitergegeben. Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des Internets wie Twitter, Youtube, Tumblr und Co. eröffnen neue Ausdruckskanäle. Jugendliche suchen und finden Geschichten jedweder Form im Internet.

Dafür bietet "#grenzgeschichten – crossing borders" eine zeitgemäße Möglichkeit, einer jungen Zielgruppe Geschichte und Geschichten nahe zu bringen und sie erlebbar zu machen. Auf dem Portal, das gefördert wird durch die "Stiftung Zuhören", veröffentlichen Projektteilnehmer Inhalte in drei Kategorien: Schauplatz der Geschichte, Profil des Erzählers und dessen eigene Geschichte. Die Inhalte sind automatisch miteinander verbunden, Zusammenhänge entstehen.

Die an dem Projekt teilnehmenden Schüler und Studenten arbeiten dabei eng mit Museen, Gedenkstätten und Zeitzeugen zusammen und werden von einem Mediencoach unterstützt, der ihnen dabei hilft, ihre Geschichten aufzubereiten und darzustellen. Junge Menschen sind also nicht mehr nur Konsumenten der neuen Medien, sondern auch Produzenten. Schüler und Coaches besuchen gemeinsam Zeitzeugen, recherchieren in Museen oder berichten beispielsweise aus dem bayerisch-tschechischen Grenzgebiet. Dabei entwickeln sie für die innovative Erzählstruktur der Plattform ein "ortsbasiertes Storytelling" - Geschichten im Bezug zu Schauplätzen.

Gundula Iblher, die Projektleiterin bei der "Stiftung Zuhören" beschreibt das Projekt: "Grenzen bestimmen die Politik, die Politik bestimmt das Leben. Jugendliche sollen Grenzgeschichten erzählen – deutschlandweit, weltweit." Bevor sie als Projektleiterin "#grenzgeschichten – crossing borders" entwickelte, war sie für das interkulturelle Schulprojekt „Lebenswelten – tausche deinen Tag“ verantwortlich. Ergänzt wird das Team von Dr. Ingo Krüger, dem Geschäftsführer der Bayerischen Sparkassenstiftung, Frank Tentler, der für Strategie und Umsetzung des Konzepts verantwortlich ist und Johannes Brandrup, der mit dem „Logentheater Berlin – Schauspiel im Netz" bereits Erfahrung in der Umsetzung neuer Konzepte hat.



Herz des Projektes sind aber nicht die in Fachkreisen bekannten Namen hinter dem Konzept, sondern die Geschichten der derzeit rund 80 Projektteilnehmer. Geschichten, die sich mit Themen wie beispielsweise dem Nationalsozialismus, dem Kalten Krieg sowie mit Verfolgung und Vertreibung beschäftigen. Die jungen Menschen als Autoren beschäftigen sich aber nicht nur mit sichtbaren Grenzen zwischen Ländern, sondern auch mit denen, die nicht so einfach messbar sind: vom Umgang mit dem Internet und Datensicherheit und vom Erwachsenwerden.

“Grenzgeschichten – crossing borders” erprobt dabei das sogenannte "crossmediale Storytelling", bei dem Videos, Texte und Audiobeiträge zu einem neuen Ganzen verschmelzen, mit Jugendlichen. Schüler und Studenten werden zu Reportern mit dem Smartphone, zu Poesie-Interpreten, zu Archiv-Forschern, Spurenlegern und Spielern. Die Inhalte des Portals können von allen kommentiert und auf digitalen Plattformen wie beispielsweise facebook geteilt werden. Jeder kann selbst zum Erzähler werden und Grenzgeschichten in dem offenen Portal hochladen.


"Grenzgeschichten – crossing borders" ist eine zeitgemäße Möglichkeit, einer jungen Zielgruppe Geschichte nahe zu bringen. Screenshot: grenzgeschichten

Ende Mai wurde grenzgeschichten.net bei einer Veranstaltung in Passau offiziell "ins Rennen geschickt". Der crossing borders blog dokumentiert den Fortgang des Projekts, auf Facebook gibt es eine Gruppe, die sich austauscht und bei Twitter wird über den aktuellen Stand des Projekts gezwitschtert.

Schüler überschreiten die Sprachgrenze


Schüler des Augustinus-Gymnasiums Weiden und des Masaryk-Gymnasiums Pilsen beschäftigten sich seit Oktober 2014 mit Erinnerungsformen an NS-Verbrechen. Die Vorbereitungen dazu liefen bereits seit Monaten. Sie besuchten die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und die KZ-Gedenkstätte in Lety/Pisek. Das Ergebnis ist das wohl erste "Grenzgeschichten-Projekt" mit Überschreitung einer Sprachgrenze.

Auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg beispielsweise setzten sich die Jugendlichen in deutsch-tschechischen Teams mit Orten der NS-Verbrechen auseinander. In den dabei entstandenen Geschichten können Bäume und Steine sprechen. Sie sind Zeugen der Vergangenheit. Ein toter Häftling kommentiert seine eigene Beerdigung im Zentrum Flossenbürgs, wo die amerikanischen Befreier in aller Eile einen “Ehrenfriedhof” errichteten.

“Stell dir vor, es ist 1946 und in der Mitte deines Dorfes wird ein Friedhof für die Opfer des KZ errichtet” lautete zum Beispiel eine der Aufgabenstellungen, die die Gedenkstätte Flossenbürg für die Schüler vorbereitet hatte. So entstanden die fiktiven Geschichten der Schüler, die auf historischen Fakten und dem Archivmaterial der Gedenkstätte beruhen.

Nach der Auswertung von Archivmaterial und den Treffen mit Historikern und Roma-Aktivisten verarbeiteten die Schüler ihre Erlebnisse und Erkenntnisse. Das Ergebnis sind Geschichten, die sie auf www.grenzgeschichten.net veröffentlichten. Die Geschichte hinter diesen Geschichten erzählen sie auf der Abschlussveranstaltung in Pilsen, der Europäischen Kulturhauptstadt 2015.

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