Stromtrasse mit Menschen planen

Joachim Gräbner, Thomas Pöllath, Dietmar König, Claudia Fischer, Christian Porsch, Annke Gräbner und Hans Schmid (von rechts) von der Bürgerinitiative "Speichersdorf sagt Nein" informierte sich bei Projektleiter Andreas Herath und Carolin Kürth (Dritter und Zweite von links) vom Trassenbauer Tennet in Bayreuth über den Sachstand zum Bau der Süd-Ost-Passage ab. Der Speichersdorfer Ingenieur Herath koordiniert im Unternehmen sämtliche technischen, umweltrechlichen, baulichen, juristischen und kommunikativen
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Bayern
25.07.2016
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"SüdOstLink" heißt das neue Reizwort - die Stromtrassendiskussion geht in die nächste Runde. Die Bürgerinitiative (BI) "Speichersdorf sagt Nein" positioniert sich für die nächsten Gesprächsrunden über die neue Passage.

Speichersdorf/Bayreuth. Bei einem Besuch des Trassenplaners und -bauers, der Tennet TSO GmbH in Bayreuth, informierte sich die Führungsspitze der BI über den aktuellen Sachstand und steckte die Fronten ab. Denn 2025 soll die HGÜ-Leitung stehen.

"Wir in Speichersdorf sind nach wie vor im Boot", warnte BI-Sprecherin Annke Gräbner. Denn zum ersten planungsbegleitenden Tennet-Forum für den Landkreis Bayreuth heute, Montag, 12 Uhr, im Hotel Rheingold in Bayreuth sind neben den BIs Creußen und Bayreuth auch die Speichersdorfer eingeladen. Nicht jedoch Pegnitz und Betzenstein. Für Gräbner ein Indiz, dass die Region Speichersdorf-Bayreuth im Fokus der Planer ist. "Da wollen und müssen wir ein gehöriges Wort mitreden", erklärte die Gemeinderätin. "Denn an unserer ablehnenden Haltung hat sich nichts geändert, auch wenn wir nicht alles verhindern können."

Gräbner und ihre Mitstreiter sind auch enttäuscht von den maßgeblichen Politikkreisen. Es werde nicht mehr über das "Ob", sondern nur noch über das "Wie" und "Wann" diskutiert. Zumindest seien die BIs stolz darauf, dass sie einen Paradigmenwechsel bewirkt haben.

Dies war auch der Grund, warum sich Tennet-Projektleiter Andreas Herath auf keine Diskussion zur Bedarfsfrage einließ. Persönlich ließ er aber keinen Zweifel daran, dass er die Extrempositionen namhafter Ökonomen ("Wir brauchen keine Netze!") für illusorisch halte. Sein Unternehmen habe den Planungs- und Umsetzungsauftrag. Dieser solle so verträglich wie möglich und deshalb im Miteinander von Fachstellen und Öffentlichkeit erfolgen. "Wir wollen und werden mit den Menschen planen. Jeder soll wissen, wie es zu den Planungen und deren Umsetzung kommt."

Drei Varianten denkbarNach dem Bundesbedarfsplan der Bundesregierung Anfang 2016 befindet sich der Anfangspunkt für die Süd-Ost-Passage in Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt, der Endpunkt in Landshut in Niederbayern. Laut Gesetzgeber muss der Leitungsbau auf dem kürzesten Weg und vorrangig als Erdverkabelung (in der Regel in einer Tiefe von 1,5 bis 2 Metern) erfolgen. Hindernisse sollen kleinräumig umgangen werden. Abweichungen sind laut Andreas Herath möglich, wenn zum Beispiel gegen naturschutzrechtliche Aspekte verstoßen würde oder die Bündelung der bestehenden Masten mit aufgesetzten Gleichspannungsleitungen erwünscht wäre. Freileitungen sind nicht möglich, wenn Abstände zu Wohngebäuden (weniger als 400 Meter im Innenbereich und weniger als 200 Meter im Außenbereich) unterschritten würden. Zwischen Wolmirstedt und Landshut werden innerhalb des strukturierten Untersuchungsraumes verschiedene Trassenkorridoroptionen ermittelt.

Dem Vernehmen nach zeichnen sich drei Varianten an. Laut Tennet betrifft das Untersuchungsgebiet fast die ganzen Landkreise Bayreuth und Tirschenreuth. "Irgendwo in diesem Gebiet geht die Leitung durch", meinte BI-Sprecherin Annke Gräbner. (hia)
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