Studie zur Haltung gegenüber Muslimen
Ablehnung, aber kein Hass

Vermischtes BY
Bayern
25.10.2016
34
0

Ausländerfeindlich und rassistisch ist die Stimmung in Bayern nicht. Von einer ausgeprägten Willkommenskultur kann aber ebenfalls keine Rede sein.

München. (dpa/jum) Mehr als die Hälfte aller Bayern (56 Prozent) zeigt laut einer neuen Studie eine ablehnende Haltung gegenüber Muslimen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in ihrer Studie zur "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" in Bayern, die am Montag in München vorgestellt wurde. 35 Prozent der Befragten zeigten demzufolge eine "mittlere" ablehnende Haltung Muslimen gegenüber, 21 Prozent sogar eine "starke". 34 Prozent der gut 1700 Befragten bescheinigt die Studie noch eine "schwache gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" in Bezug auf Muslime. Nur 11 Prozent hatten demnach keinerlei Vorbehalte gegenüber Menschen dieses Glaubens. "Insgesamt ist da schon eine deutliche Ablehnung da", sagte der Soziologe Christian Ganser von der LMU.

Die Wissenschaftler hatten drei Behauptungen aufgestellt, auf die die Befragten in verschiedenen Stufen der Zustimmung oder Ablehnung reagieren konnten: "Die muslimische Kultur passt gut nach Deutschland", "Die Sitten und Bräuche des Islam sind mir nicht geheuer" und "Es gibt zu viele Muslime in Deutschland"

Schimpfen auf Arbeitslose


Vorbehalte gegen Sinti und Roma waren bei zehn Prozent der Befragten stark, bei weiteren 25 Prozent mittel ausgeprägt. Jeweils ein Drittel der Befragten äußerte sich stark bis mittel ablehnend gegenüber Flüchtlingen und Arbeitslosen. Oft herrschen ablehnende Haltungen gegenüber mehreren Gruppen gleichzeitig vor. Eine allgemein ausländerfeindliche oder gar rassistische Stimmung machten die Forscher nicht aus.

Aus den Daten der Befragten destillierten die Soziologen einige Bevölkerungskreise heraus, die besonders anfällig für abwertende Haltungen gegenüber Randgruppen sind. Betroffen davon sind vor allem Personen mit geringer Bildung, eine starken Identifikation mit Deutschland und einem geringen Vertrauen in staatliche Institutionen. Je weniger Kontakt zu einer angefragten Gruppen besteht, desto größer sind die Vorbehalte. Zudem finden sich ablehnende Wertungen eher bei Männern als bei Frauen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind aber mit Ausnahme der Einstellung zu Homosexuellen, gegen die Frauen signifikant weniger Vorbehalte haben, nicht gravierend.

Prävention ausbauen


Die Unterstützer der Studie - der Bayerische Jugendring, die katholische und die evangelische Kirche, der DGB, die Friedrich-Ebert-Stiftung sowie die Landeshauptstadt München - wollen nun gezielt für jeden Bereich der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit Präventionsmaßnahmen ergreifen. Von der Politik forderten sie übereinstimmend eine Stärkung zivilgesellschaftlicher und ehrenamtlicher Strukturen, bildungspolitische Initiativen zur Förderung von Toleranz und Respekt sowie ein besonderes Augenmerk auf soziale Gerechtigkeit. Vertreter der Kirchen kündigten zudem eine Intensivierung des interreligiösen Dialogs an.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.