Symptome sind allerdings nicht immer eindeutig - Keine Angst vor Defibrillator
Patienten sollten auf ihr Herz hören

Dr. Christian Stumpf. Bild: hfz
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Bayern
02.11.2016
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Dr. Christian Stumpf. Bild: hfz

Marktredwitz. Über 40 Prozent aller Todesfälle in Deutschland gingen auf eine Herzerkrankung zurück, sagte Dr. Christian Stumpf. Dennoch hatte der Kardiologe auch gute Nachrichten: "Wer es nach einem Herzinfarkt lebend in eine Klinik schafft, hat heutzutage gute Überlebenschancen."

In zwei Vorträgen am Klinikum Fichtelgebirge in Selb und Marktredwitz erklärte Dr. Stumpf den zahlreichen Zuhörern Risiken, Ursachen, Anzeichen und moderne Behandlungsmethoden von Herzkrankheiten. Der Privatdozent ist seit 2015 Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Klinikum Bayreuth und betreut an zwei Tagen pro Woche auch den Herzkathetermessplatz am Klinikum in Marktredwitz.

Der Referent wies auf die enorme Leistung hin, die ein menschliches Herz erbringen muss. 8000 Liter Blut pumpe das Herz jeden Tag durch den Körper und im Laufe eines Lebens schlage es über drei Millionen Mal. Der Kardiologe ging er auf erworbene Herzklappenfehler, Mitralklappeninsuffizienz und die koronare Herzerkrankung näher ein. In den vergangenen Jahren habe sich medizinisch viel getan, unterstrich er und verwies auf fortschrittliche Katheter-Operationen, die inzwischen mit sehr kleinen Kathetern arbeiteten und viel weniger traumatisch seien als noch vor einigen Jahren. Ehemals inoperable Patienten und Hochrisikopatienten mit einem erworbenen Herzklappenfehler könnten nun mittels einer Tavi-Klappe, die schonend mit einem Katheter an Ort und Stelle gebracht werde, behandelt werden.

Dr. Stumpf ging ausführlich auf die koronare Herzerkrankung ein. Herzinfarkt, Angina Pectoris und plötzlicher Herztod gehörten zu diesem Krankheitsbild. Der Mediziner riet dazu, auf Anzeichen wie einen plötzlichen Leistungsknick zu achten. "Bei Frauen sind die Symptome oft noch viel unspezifischer und wurden sogar zu einem eigenen Forschungsgebiet. Bei Verdacht zum Hausarzt und abklären lassen", empfahl Dr. Stumpf.

Weiter erklärte er verschiedene Behandlungsmethoden und zeigte anschaulich, wie eine Stent-OP verläuft. "Stents sind Fluch und Segen zugleich", sagte er. Nach dem Beseitigen einer Engstelle könne rasch die nächste folgen. Je mehr Metall durch die Stents am Herz eingebracht werde, desto unmöglicher werde eine spätere notwendige Herz-OP. Daher gebe es inzwischen auch resorbierbare Stents - sogenannte "Scaffolds", die sich nach rund zwei Jahren auflösen und den Weg für eine klassische Operation offen halten. Die Notwendigkeit eines Stents werde durch eine Druckdrahtmessung ermittelt. Dies und auch das Setzen eines Stents werde derzeit an zwei Tagen pro Woche von Dr. Stumpf und seinem Bayreuther Team im Marktredwitzer Herzkatheterlabor durchgeführt.

Schließlich ging der Referent noch auf die "Defis" ein, die inzwischen an vielen öffentlichen Plätzen hängen. Er ermutigte die Zuhörer, nicht zu zögern, einen solchen Defibrillator einzusetzen: "Sie können nichts falsch machen! Das Gerät spricht mit Ihnen, misst selbstständig und löst nur einen Elektroschock aus, wenn tatsächlich ein Kammerflimmern vorliegt." Die Wahrscheinlichkeit, ein solches Kammerflimmern zu überleben, sinke rasch unter 5 Prozent, wenn keine Reanimation folge: "Es zählt jede Minute."
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