Tag des offenen Denkmals - Exkursion in die Neuzirkendorfer Pfarrkirche
Kirchenkunst aus drei Epochen

Gespannt lauschte der Kulturkreis Kirchenthumbach den Erklärungen und Erzählungen Stefan Schobers rund um die Pfarrkirche, die kunsthistorisch einiges zu bieten hat. Bilder: ü (2)
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Bayern
16.09.2016
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Die steinerne Kanzel stammt aus der Gotik. Sie ist eines der Hauptwerke der Kirche.

Neuzirkendorf. Die Pfarrei Neuzirkendorf mit ihren knapp 300 Seelen ist reich an Gotteshäusern. Die Sankt Georgskirche in Neuzirkendorf, das Gotteshaus in Altzirkendorf, das dem heiligen Sebastian geweiht ist und die Wallfahrtkirche Sankt Laurentius in Weißenbrunn sind alle drei denkmalgeschützt. 100 Einwohner, müssen rein rechnerisch ein Gotteshaus unterhalten. Keine leichte Aufgabe für die Zirkendorfer Christen. Beim "Tag des offenen Denkmals" stand die Pfarrkirche in Neuzirkendorf im Mittelpunkt. Stefan Schober, Mitglied des Pfarrgemeinderates und profunder Kenner der Kirchengeschichte hatte den Kulturkreis Kirchenthumbach zu einer Exkursion eingeladen.

Kunst aus drei Epochen


Nach den Worten Schobers sei das Gebiet um Zirkendorf bereits zur Keltenzeit besiedelt gewesen. Gegründet wurde der Ort durch die Slawen. Um 1016 wird Zirkendorf erstmals schriftlich erwähnt, die Herren von Zirkendorf tauchen 1035 auf, deren Gut bis 1495 bestand. Der Ort wurde im Dreißigjährigen Krieg und den Erbfolgekriegen - wie der gesamte Landstrich - mehrmals geplündert und zerstört.

Die Kirche wurde 1306 erstmals erwähnt und in der Folgezeit mehrmals erweitert. Baugeschichtlich stammt das Gebäude aus drei Epochen, der Romanik, der Gotik und dem Barock. Jede Phase hat ihre Spuren hinterlassen: das Langhaus aus dem 12. Jahrhundert, der während der Gotik angebaute Altarraum um 1390 mit dem Kreuzgewölbe und der barocke Kirchturm aus der Zeit um 1700.

Ein seltenes Ausstattungsstück ist die gotische Kanzel aus Sandstein. Ebenso erwähnenswert sind weitere plastische Werke aus dieser Zeit wie die Grabtafel der Herren von Zirkendorf und ein Marienbildnis. Die Marien- oder Sterbeglocke wurde um 1500 gegossen.

Kloster als Geldgeber


Ein Hauptkunstwerk ist der Hochaltar: Dieser wurde um 1720 von Johann Michael Doser geschaffen. Der Auerbacher Schreinersohn brachte von seiner Wanderschaft ins Böhmische die Kunstform der Akanthusaltäre mit, die er in der Oberpfalz und im angrenzenden fränkischen Raum etablierte. Den Altar schuf er wie die Bühne eines Theaters. Das Schauspiel auf der Bühne zeigt In Neuzirkendorf den Kirchenpatron, den heiligen Georg beim Drachenkampf.


Das Altargemälde hat der Maler Thomas Wild geschaffen, der auch für die restliche farbliche Fassung zuständig war. Die Seitenaltäre entstanden später, zu Beginn des Rokoko: Das rechte Altargemälde zeigt die heilige Barbara. Das Gemälde des Marienaltars auf der linken Seite ist etwas zurückhaltender, ihre Mode ist etwas sparsamer und weniger verschwenderisch eingesetzt.

Die weiteren barocken Inneneinbauten wie Chorgestühl, Taufbecken und Orgel wurden ebenfalls durch das neu gegründete Kloster Michelfeld in Auftrag gegeben, das als Geldgeber fungierte, was der verhältnismäßig kleinen Kirche eine qualitativ sehr hochwertige Ausstattung bescherte, in der sich auch ältere Kunstwerke über die Zeit retten konnten. Die gotische steinerne Kanzel entstand um 1500. Sie steht auf einer gedrehten Säule und ist an der Brüstung mit Maßwerkblenden geschmückt.

Als Zugabe zur Kirchenführung gab es am Ende Kaffee und Kirchweihkücheln. Die KKK-Mitglieder aus Kirchenthumbach dankten Stefan Schober mit einem langanhaltenden Beifall.
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