Tobi Klebl (27) aus Schwarzenfeld steht auf Abruf als Stammzellenspender bereit
Spannende Zeiten

So sehen Leukämiezellen unter dem Mikroskop aus. Bild: DKMS
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Bayern
04.09.2015
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(uax) "Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein": Den Spruch aus der Kampagne der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) haben wohl viele im Gedächtnis. Ein frech dreinblickender Bub ruft dazu auf, sich registrieren zu lassen. Tobi Klebl (27) aus Schwarzenfeld hat es gemacht - und Post bekommen.

"Es ist eine spannende Zeit", berichtet Tobi Klebl aus Schwarzenfeld. Der 27-Jährige hatte den Werbespot im TV gesehen. Bald danach emtschloss er sich mitzumachen, möglicherweise Spender zu werden. "Erst einmal hab' ich mich informiert, wie das abläuft, was da passiert." Im Internet füllte er den Fragebogen der DKMS (Link zur DKMS) aus, registrierte sich und bekam kurze Zeit später - Anfang 2015 - das berühmte Stäbchen und die Unterlagen zugeschickt. "Das geht echt so einfach, wie es die Werbung verspricht", meint Klebl rückblickend. "Keine große Sache." Mit dem Fragebogen klärt die DKMS im Vorfeld, ob die Interessierten als Spender infrage kommen. Alter und allgemeiner Gesundheitszustand spielen entscheidende Rollen.


Tobi Klebl aus Schwarzenfeld wartet auf den Termin, an dem er als Stammzellenspender von den Ärzten angefordert wird. Einen Urlaub wie den in den USA plant er nicht mehr, denn: "Es kann sehr schnell gehen." Bild: privat

Dass er schon bald danach einen weiteren Brief der DKMS erhalten sollte, damit hat der 27-Jährige nicht gerechnet. "Ich war total überrascht." Er sei in die engere Auswahl gekommen, ein möglicher Spender für einen Patienten auf der Liste hieß es in dem Schreiben. "Im ersten Moment wusste ich gar nicht, wie mir geschieht. Das war irgendwie irreal." Die Vorstellung, dass es irgendwo einen genetischen Zwilling geben sollte war für ihn unvorstellbar. Dass er auch noch Hilfe braucht, "toppte das Ganze".



Mit dem Anschreiben kam auch die Aufforderung, den Hausarzt aufzusuchen. Tests seien nötig, um Sicherheit zu haben. "Die DKMS hatte alles organisiert und bereits einen möglichen Termin vereinbart. Ich musste mich um nichts mehr kümmern." Ein Kurier brachte unter anderem die Blutproben ins Labor. Termin beendet. Warten.

Dann, im August, kam die Bestätigung der DKMS: Geeignet. "Da war mir zwar erst einmal etwas mulmig, aber die Freude überwiegt." Auch wenn sich Klebl allgemein informiert hatte, bewegten ihn erst einmal weitere Fragen. "Wie läuft das denn ab? Wo muss ich da hin? Wie lange bin ich weg? Tut das weh?" Zwischen der allgemeinen Vorstellung, Spender zu sein, und der Tatsache, dass man es ist, sei ein riesiger Unterschied, berichtet der Schwarzenfelder. Egal, was man vorher gelesen habe, in diesem entscheidenden Moment, werde alles auf Anfang zurückgesetzt.

Keine Informationen über den Empfänger


Wie alle anderen Spender hat Tobi Klebl keine Informationen über den Empfänger. "Frühestens zwei Jahre danach kann man Informationen erhalten. Wenn beide Seiten das wollen." Allgemeine Informationen seien das. Alter, Geschlecht, Nationalität. "Nichts konkretes." Seltsam sei das schon irgendwie, aber eben auch sinnvoll meint Klebl. Eine Empfängerauswahl durch den Spender verbiete sich. "Man stelle sich vor, der eine will nur für Kinder spenden, der andere nur für seine eigene Nationalität. Geht gar nicht", fasst Klebl seine Ansicht zusammen. Für ihn zählt nur eines: "Es ist ein Mensch, der Hilfe braucht. Von mir."

Seit der Nachricht der DKMS wartet der 27-Jährige. Steht auf Abruf zur Verfügung. "Die Ärzte haben mich informiert, dass ich bis 23. November 'reserviert' bin." Der Gesundheitszustand des Empfängers schwankt. Ein Eingriff ist nicht jederzeit möglich. Die Voraussetzungen müssen optimal sein. Die Wartezeit stört Klebl nicht. "Ich soll mich melden, wenn ich selbst krank werde, oder eventuell ins Ausland muss." Ein Urlaub steht für den bekennenden Las-Vegas-Fan aber heuer sowieso nicht im Kalender. "Ich kann also jederzeit los, wenn es so weit ist."

Bis dahin beherrscht Spannung und Vorfreude den Alltag des 27-Jährigen und das Wissen: "Irgendwo da draußen ist jemand, der genetisch genau so ist wie ich."

Schritte zur StammzellspendeRegistrierung:
Damit Gewebemerkmale analysiert werden können, reicht ein Wangenabstrich mit Wattestäbchen. Das "Lebensretter-Set" mit zwei Wattestäbchen gibt es auch über die DKMS-Internetseite.

Prüfen der Gewebemerkmale:
Wenn die Gewebemerkmale zu denen eines Patienten passen, kann nur eine Blutprobe das bestätigen. Gleichzeitig ermittelt das Labor weitere Blutwerte.

Gesundheitscheck:
Ein Arzt klärt nach einem gründlichen Gesundheitscheck über die Stammzellspende auf.

Periphere Stammzellentnahme:
Das Verfahren ist bei 80 Prozent der Spenden ähnlich einer Blutplasmaspende

oder Knochenmarkentnahme:
Bei 20 Prozent aller Spenden entnehmen Ärzte aus dem Beckenkamm Knochenmark - unter Vollnarkose.

Stammzelltransplantation:
Wie bei einer Bluttransfusion transplantieren Ärzte die Stammzellen. Diese nisten sich in den Knochenhohlräumen des Patienten ein und beginnen dort neue, gesunde Blutzellen zu bilden.


Onetz.de berichtet in unregelmäßigem Abstand über Tobi Klebl. Über die Wartezeit auf den Termin in der Spezialklinik. Über das, was ihn in dieser Zeit bewegt. Und über die Zeit nach dem Eingriff. Denn wie Tobi Klebl es formuliert: "Vielleicht entscheidet sich der eine oder andere auch, mitzumachen, Spender zu werden und eventuell ein Leben zu retten."
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