Trends im Sport und Herausforderungen für Vereine und Verbände
Das sportliche Herz der Oberpfalz kämpft um Nachwuchs

In Bewegung sein, das mögen auch die Oberpfälzer. Und sie tun dies in vielen Sportarten und Vereinen. Viele davon kämpfen um Nachwuchs. (Bild: Michl)
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Bayern
05.05.2015
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Von Sonja Kaute und Alexander Unger

Turnen, Eisstockschießen, Skifahren, Sportklettern und der allzeit beliebte Fußball: Die Oberpfälzer bewegen sich gerne, hunderttausende sind Mitglied in Sportvereinen. In manchen Sportarten boomen die Mitgliedszahlen, andere verlieren seit Jahren Mitglieder, fast alle jedoch kämpfen um den Nachwuchs. Ein Blick in das sportliche Herz der Oberpfalz, auf Trends und Herausforderungen für Vereine und Verbände.

Jedes Jahr veröffentlicht der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) Zahlen zu den Vereinsmitgliedern in rund 50 im Sportverband vertretenen Sportarten im Bezirk Oberpfalz (Link zu den BLSV-Statistiken). Eine Untersuchung dieser Zahlen eröffnet einen Blick auf die beliebtesten Sportarten und bei genauerem Hinsehen auch darauf, welche Sportarten in den vergangenen Jahren Vereinsmitglieder gewonnen oder verloren haben.


Am 13. Mai startete der 6. Nordoberpfälzer Firmenlauf mit über 5.300 Teilnehmern. Das Bild zeigt den Start in Tirschenreuth 2011. (Bild: Norbert Grüner)

Je weiter man in die Zahlen eintaucht, desto mehr kann man erfahren. Zum Beispiel, welche Sportarten bei Männern und welche bei Frauen beliebt sind oder welche Altersgruppen welche Sportarten bevorzugen. Die folgenden Grafiken zeigen die Essenz aus den BLSV-Zahlen von 2006 bis 2014 und eröffnen somit einen Blick mitten ins sportliche Herz der Oberpfalz. Bei ihrer Einordnung helfen verschiedene Ansprechpartner aus der Region.

Zusammenfassung: Die Kernpunkte des folgenden Beitrags:

  • Die drei beliebtesten Sportarten in der Oberpfalz waren 2014 Fußball, Turnen und der Skisport (nach Anzahl der Mitglieder der Vereine im BLSV).
  • 2014 machten rund 388.000 Menschen Sport in den Vereinen im BLSV (2013: rund 390.000). Vereine gab es 2014 1166. Das sind acht Vereine weniger als 2013.
  • Die Mitgliedszahlen haben sich seit 2006 je nach Sportart unterschiedlich entwickelt. Sprunghaft angestiegen sind sie zum Beispiel beim Sport- und Wettkampfklettern sowie bei der Sportakrobatik. Wesentlich weniger Mitglieder hat heute unter anderem die Leichtathletik (Rückgang von über 10.000 Mitgliedern seit 2006).
  • Deutlich weniger Frauen (rund 166.500) treiben Sport in Vereinen als Männer (rund 257.000). In manchen Sparten gibt es dennoch tendenziell mehr Männer als Frauen, so zum Beispiel im Turn-, Tanz- und Reitsport, in der Sportakrobatik und beim Einradfahren.
  • Die mit Abstand meisten Sportler in den oberpfälzer Vereinen sind unter 27 Jahre alt, dennoch kämpfen viele Vereine um den Nachwuchs. Der demografische Wandel macht sich deutlich bemerkbar und stellt Verbände und Vereine vor große Herausforderungen.

Die 15 beliebtesten Sportarten in der Oberpfalz


Wenig überraschend: Die mit Abstand beliebteste Sportart war Ende 2014, gemessen an den Mitgliedern in Vereinen im BLSV, der Fußball. Über 142.000 Menschen in der Oberpfalz üben diesen Sport in einem Verein aus. Auf dem zweiten Platz liegt der Turnsport, allerdings mit "nur" noch rund halb so vielen Vereinsmitgliedern wie im Fußball. Fast noch einmal halbiert sich diese Zahl auf dem dritten Platz, im Skisport.



Auffällig an dieser Grafik: Auf Platz fünf liegt die Kategorie "Sonstige" mit 23.303 Vereinsmitgliedern. Dabei handelt es sich um Vereinsmitglieder, die nicht den derzeit 54 Fachsportarten im BLSV zugeordnet werden können und passive, fördernde Vereinsangehörige, wenn sie keiner der Fachsportarten zuzuordnen sind. Auffällige Trends innerhalb dieser Kategorie gebe es nicht, heißt es vonseiten des BLSV.


Beliebt in der Oberpfalz und obendrein ein urbayerischer Sport, vor allem bei Sportlern ab 41 Jahren: Eisstockschießen. Generell liegt der Eissport auf den oberen Plätzen bei den beliebtesten Sportarten der Region. (Bild: Petra Hartl)

Unter den 20 größten Vereinen im Sportbezirk Oberpfalz des BLSV befinden sich auch mehrere aus der Region:

  • Schwimmverein Weiden
  • DJK Weiden
  • TV Vohenstrauß
  • 1. FC Schwarzenfeld
  • DJK St. Martin Neustadt/WN


Wie die Mitglieds- und Vereinszahlen des BLSV von 2006 bis 2014 verraten, entwickeln sich nicht alle Sportarten gleich.



Der Fußballsport hat als beliebtester Sport der Region über die Jahre hinweg hohe Zahlen vorzuweisen. Die wenigsten Vereinsmitglieder und Vereine hat es im Messzeitraum im Jahr 2006 gegeben. Danach sind die Zahlen auf Höchststände in 2008 (Vereinsmitglieder) und 2011 (Vereine) angestiegen und anschließend wieder leicht gesunken.

Demografischer Wandel unaufhaltsam


Wer allerdings glaubt, hohe Mitgliedszahlen schützten vor Nachwuchsproblemen, der irrt. Selbst im Fußball hat der Kampf um die Jugend längst begonnen. Ursache seien der demografische Wandel - in Bayern kamen 2012 nur noch 55.000 Buben zur Welt - und die Bevölkerungsverschiebung in Richtung der Städte, erklärt Patrik Domanski vom Bayerischen Fußball-Verband. Je nach Region habe dies unterschiedliche Auswirkungen: In München kompensiert die Wanderung der Bevölkerung in die Stadt den demografischen Wandel, auf dem Land könne der Effekt dagegen überdurchschnittlich stark sein.

"Von 2008 bis 2013 ist die Zahl der Juniorenmannschaften in ganz Bayern von 20.699 auf 16.809 Mannschaften (2013) gesunken - ein Rückgang von fast 19 Prozent", so Domanski. "Das ist keine Überraschung, sondern seit vielen Jahren vorhergesehen und weitgehend unvermeidbar. Gerade in bevölkerungsschwächeren, ländlichen Regionen macht sich der demografische Wandel mit einer starken Abnahme junger Menschen nicht nur im Kindergarten und in der Schule, sondern natürlich auch in den Jugendabteilungen unserer Vereine bemerkbar. Daran können wir nichts mehr ändern."

Die Frage sei daher, was Verbände und Vereine gemeinsam für den Nachwuchs und die "gesamtgesellschaftlich wichtige Vereinslandschaft" tun können. Und das sei eine ganze Menge. Eine Patentlösung gebe es aber nicht, so Domanski.

Spielgemeinschaften im Fußball



Viele Bälle, manchmal aber gar nicht (mehr) so viele Spieler. Selbst im allseits beliebten Fußballsport macht sich der demografische Wandel bemerkbar. (Bild: dpa)

Das große Ziel bei allen Maßnahmen lautet: Erhalt der Vereine. Das betont auch Patrik Domanski, denn der Wert der Amateurvereine gehe weit über den sportlichen Wert hinaus. Eine Möglichkeit im Umgang mit Spielerschwund ist die Bildung von Spielgemeinschaften. Das heißt, "dass sich Vereine (temporär) zusammenschließen, um den Vereinsmitgliedern auch ohne eine eigene Mannschaft in einer bestimmten Altersklasse die Möglichkeit zu geben, Fußball zu spielen". Das könne vor allem im Nachwuchsbereich helfen, Engpässe zu meistern und den Nachwuchs im Verein zu halten. Das Problem dabei: Die Möglichkeiten zum Aufstieg in höhere Spielklassen ist beschränkt.

In Kümmersbruck (Kreis Amberg-Sulzbach) gehen die Verantwortlichen einen anderen Weg. Sie gründeten mit Blick auf die demographische Entwicklung bereits vor über sechs Jahren die Jugendfördergemeinschaft Mittlere Vils Kümmersbruck 08 e.V. (JFG) (Link zur Internetseite der JFG) Kinder und Jugendliche aus den benachbarten Vereinen des TSV Theuern, des ASV Haslmühl und des TSV Kümmersbruck finden in der JFG die Möglichkeit zum Training und - weil die JFG ein eigenständiger Verein ist - zum Spielbetrieb ohne Ligabeschränkung.


Torwarttraining mit Markus Neumeyer bei der JFG: Die Kooperation von drei Nachbarvereinen sichert Kindern und Jugendlichen die fußballerische Ausbildung und den Spielbetrieb, den jeder Verein für sich kaum sicherstellen könnte. Bild: Alexander Unger

Markus Neumeyer, ehemaliger Vorstand und derzeit Schriftführer im Verein und Betreuer der C-Junioren, weiß: „Die Kinder wollen Sport machen. Wir können die fußballerische Ausbildung nur in einem gemeinsamen Projekt sicherstellen.“ In den Mannschaften der JFG sind 170 Kinder und Jugendliche in sieben Jungen- und fünf Mädchenmannschaften aktiv. „Alle bleiben Mitglied in ihren Stammvereinen. Sollte es wirklich gelingen, diese Spieler in den eigenen Reihen zu halten, profitieren letztendlich auch die Stammvereine davon, wenn sie gut ausgebildete motivierte Spieler bekommen werden. Die JFG will zeigen, dass es auch gemeinsam geht.“

Gewinner und Verlierer seit 2006


Andere Sportarten haben viele Mitglieder gewonnen oder verloren. Zwei Beispiele für sich äußerst positive entwickelnde Mitgliedszahlen in den BLSV-Vereinen sind das Sport- und Wettkampfklettern und die Sportaktrobatik. Beide Sportarten stehen zwar nicht auf der Liste der 15 beliebtesten Sportarten in der Oberpfalz, doch sie werden von wesentlich mehr Menschen betrieben als noch vor wenigen Jahren.

Geradezu sprungartig hat sich die Zahl der Vereinsmitglieder im Sport- und Wettkampfklettern seit 2006 entwickelt - und das gleich in mehreren Sprüngen:



Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der Mitglieder in der Sportaktrobatik seit 2006, wenn auch mit eher wenigen guten Jahren von 2009 bis 2011).



Zudem gibt es Sportarten, die erst seit Kurzem angeboten werden. So zum Beispiel das Einradfahren (seit 2014, 528 Vereinsmitglieder) und der Moderne Fünfkampf (seit 2012, 20 Vereinsmitglieder 2014).

Deutlich negativer entwickeln sich den BLSV-Zahlen zufolge andere Sportarten, darunter die Leichtathletik. Mit knapp 15.000 Vereinsmitgliedern steht die Leichtathletik auf einem guten sechsten Platz bei den beliebtesten Sportarten der Oberpfalz, keine Frage. Allerdings ist die Zahl der Leichtathleten in den Vereinen seit 2006 um über 10.000 Menschen gesunken.



Auch hier sei der demografische Wandel der Hauptgrund, "wenn nicht sogar der einzige Grund", so Peter C. Kapustin, Geschäftsführer des Bayerischen Leichtathletik-Verbands (BLV). Der Verlust sei allerdings "vor allem bei passiven Mitgliedern und Freizeitsportlern zu finden", denn die Startpasszahlen seien in den letzten Jahren konstant beziehungsweise sogar gestiegen.

"Letztlich werden die Vereine unter anderem über ihren Erfolg bei Meisterschaften gemessen und gut ausgebildete Übungsleiter in einem Verein stellen eine sehr gute Grundlage dar", so der BLV-Geschäftsführer. Allerdings hätten manche Vereine überhaupt keine Leichtathletik-Abteilung, "weil keine Übungsleiter vorhanden sind und es somit auch keine Trainingsgruppe gibt". Auch das ist eine der Auswirkungen des demografischen Wandels.

Für die Nachwuchsgewinnung gebe es verschiedene Möglichkeiten, so Kapustin. Einige zählt er auf: Sichtungen, Einladungslehrgänge, Tage der offenen Tür, Projekte für Kinder und Jugendliche wie "Lauf dich fit" (Website zum Projekt).

Stellt man sich beim BLV denn auch vermehrt auf Senioren ein? Kapustin: "Selbstverständlich. Gerade Senioren stellen beim BLV einen sehr großen Mitgliederteil. Künftig werden wir noch vermehrt 'Seniorenprogramme' im Rahmen unserer BLV-Akademie anbieten."

Männer und Frauen im Sport


Schon auf den ersten Blick fällt bei der folgenden Grafik auf: Die Sportwelt in den Vereinen scheint eine Männerwelt zu sein. Insgesamt machten 2014 rund 257.000 Männer und "nur" 166.500 Frauen Sport in den BLSV-Vereinen.



Nur in grob einem Fünftel der rund 50 Sportarten überwiegt die Zahl der Frauen die der Männer oder liegen die Geschlechter ungefähr gleich auf. Wesentlich mehr Frauen als Männer sind aktiv im Turn-, Tanz- und Reitsport, in der Sportaktrobatik sowie beim Einradfahren. Etwas mehr Frauen als Männer treiben Sport in Volleyballvereinen, in Schwimm- und in Skivereinen.

Einen starken Mitgliederzuwachs verzeichnen dagegen laut Thomas Kern, Geschäftsführer und Pressesprecher des BLSV, Vereine, die Profi-Fußball anbieten, wie beispielsweise Bayern München oder FC Augsburg. "Und da sind eindeutig mehr männliche Mitgliedschaften zu verzeichnen", so Kern. Weiterer Grund für so wenige Frauen in den Vereinen: Sie machen vermutlich häufiger Sport in Kursen außerhalb der Vereine (zum Beispiel bei der VHS oder in Fitnesstudios).


Schwimmen gehört zu den Sportarten in der Oberpfalz, die etwas mehr Frauen als Männer in Vereinen ausüben. (Bild: Petra Hartl)

Physiologie: Warum Frauen Männer niemals einholen werden
Physiologische Faktoren machen es für Frauen unmöglich, an die Leistungen männlicher Athleten heranzukommen. Einer der entscheidenden Unterschiede: der Testosteron-Spiegel. Testosteron wirkt wie eine körpereigene "Doping-Substanz". Männer haben davon meist mindestens zehnmal soviel wie Frauen. Diese und weitere spannende Fakten zum Unterschied zwischen Männern und Frauen beleuchtet die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel (SZ-Artikel zum Thema).

Sport in den Altersgruppen


Betrachtet man die Altersgruppen in allen Sportarten ("Summe" in der folgenden Grafik), wird deutlich:

Die unter 27-Jährigen sind die mit Abstand größte Altersgruppe in den Vereinen
Knapp 60.000 Vereinsmitglieder sind 27 bis 40 Jahre alt
Deutlich höher ist die Zahl der 41- bis 60-jährigen Vereinsmitglieder (gut 117.000)
Und immerhin noch knapp 59.000 Menschen betreiben Sport im Verein und sind älter als 61 Jahre



Auffälligkeiten zeigen sich mit Blick auf einzelne Sportarten. Zum Beispiel verlieren alle gelisteten Kampfsportarten - Judo, Karate, Ju-Jutsu und Taekwondo - mit zunehmendem Alter deutlich an Mitgliedern. Und zwar schon ab einem Alter von über 14 Jahren. Eine Regel ließe sich daraus aber nicht ableiten, schätzt Ernst Werner, Vorsitzender des Sportkreises Weiden im BLSV.

Außerdem gibt es einige Sportarten, die ab 14 oder 27 Jahren viele Vereinsmitglieder verlieren und später, etwa ab 41 Jahren wieder gewinnen. Das ist zum Beispiel der Fall bei Tischtennis, Leichtathletik, Motorsport und Tanzen. Woher kommt diese "Alterslücke"?

Thomas Kern (BLSV): "Die Altersgruppe der 27- bis 40-Jährigen ist überwiegend berufstätig, muss mobil sein, ist beschäftigt mit Familiengründung, Hausbau etc. und verlangt nach flexiblen Angeboten, die Vereine nur begrenzt bieten können." Die Fitness-Studios seien hier "klar im Vorteil", so Kern. "Da müssen unsere Vereine oftmals auch umdenken." Das sieht auch Ernst Werner in Weiden: "Es gibt nur wenige Vereine, die einen Fitnesspark betreiben können. Wo es doch der Fall ist, boomt dieser Bereich." Nicht zu unterschätzen sei auch, dass diese Altersgruppe nicht nur bei den Vereinsmitgliedern, sondern auch als Übungsleiter und Ehrenamtliche verloren ginge.


Mit 77 Jahren nahm Kurt Winkelhake bei den 17. Deutschen Senioren-Mehrkampfmeisterschaften Leichtathletik in Bad Oeynhausen (NRW) teil, hier beim Weitsprung. Bild: dpa

Folgende Sportarten ziehen tendenziell vor allem Menschen unter 27 Jahren in die Vereine:

  • American Football
  • Basketball
  • Einrad
  • Handball
  • Hockey
  • Kampfsport: Judo, Ju-Jutsu, Karate, Taekwondo
  • Moderner Fünfkampf
  • Klettern
  • Sportakrobatik


Sportarten mit eher älteren Vereinsmitgliedern (ab 41 Jahre):

  • Dart
  • Eissport
  • Golf
  • Kanu
  • Kegeln
  • Luftsport
  • Minigolf
  • Motor-Wassersport
  • Radsport
  • Segeln
  • Squash
  • Triathlon


Für die Vereine heißt das nicht nur, dass die Kinder- und Jugendarbeit einen hohen Stellenwert hat, sondern immer mehr von ihnen auch spezielle Sportangebote für Ältere im Programm haben. Ernst Werner, BLSV-Kreisvorsitzender in Weiden, sieht wie auch der Leichtathletik-Verband in der älteren Zielgruppe ein "großes Mitgliederpotential".

Die Zahlen bestätigen dies: Die Mitgliedschaften der 6- bis 13-Jährigen gehen deutlich zurück, ebenso die der 27- bis 40-Jährigen. Dagegen nehmen die Mitgliedschaften der über 61-Jährigen deutlich zu, so der BLSV in der aktuellen Mitgliedererfassung. Das passt in etwa zur Entwicklung der immer älter werdenden Bevölkerung.

Der Wettkampf um den Nachwuchs


Es wird immer schwieriger, die Brandbreite an Sportarten aufrecht zu halten, weil die Mitgliedsbasis schrumpft. Inzwischen ist ein regelrechtes Wettrennen um den Nachwuchs entstanden. Thomas Kern, BLSV-Geschäftsführer: "Um den Nachwuchs muss jeder kämpfen. Natürlich haben Trendsportarten für eine gewisse Zeit Vorteile, es wird aber immer auf die gute Arbeit eines Sportvereins ankommen, ob sein Angebot für den Nachwuchs interessant ist."

Ein weiterer Grund für weniger Nachwuchs: Kinder und Jugendliche sind immer stärker ausgelastet, der Leistungsanspruch steigt. "Auch die Auswirkungen der Schulreformen sowie der Ausbau der Ganztagsschulen mit Unterricht bis in den späten Nachmittag schaffen vielerorts Probleme", weiß Ernst Werner, BLSV-Kreisvorsitzender in Weiden. Daher kooperieren manche Vereine mit Schulen. "Zum Teil sind über 50 Prozent der Schüler in keinem Sportverein", so Werner.

36 Sport-Arbeitsgemeinschaften gibt es laut Ernst Werner allein in Weiden. In diesen arbeiten Sportvereine ein Jahr lang mit Schulen zusammen, mit dem Ziel, die Schüler für eine Mitgliedschaft im Verein zu gewinnen. Das klappt allerdings nicht so gut, weiß Ernst Werner: "Wir schaffen es nicht, die Kinder neben dem Schulsport in die Vereine zu bringen."

"Eltern müssen begleiten und motivieren"


In der Verantwortung seien hier auch die Eltern: "Sie müssen die Kinder begleiten, müssen motivieren, auch dann, wenn es mal nicht sofort einen Erfolg gibt." Ernst Werner betont immer wieder die Wichtigkeit der Vereine auch abseits der reinen sportlichen Betätigung: "Die Kinder lernen hier Disziplin und den Umgang mit Sieg und Niederlage sowie das Gefühl, nicht alleine auf der Welt zu sein." Weil Eltern heute oft berufstätig sind und selbst wenig Zeit haben und Fernseher sowie digitalen Medien eine leichte Ablenkung darstellen, fehle es an Zeitfenstern - oder auch an Disziplin - für den Jugendsport im Verein.

Und er sieht noch einen weiteren Grund für Nachwuchsprobleme: fehlende Attraktivität von Sportarten, "insbesondere, wenn die Erfolge im Leistungssport und damit die Vorbilder ausbleiben". Im Tennissport sei das in der Vergangenheit der Fall gewesen, doch dort habe man durch gezielte Aktionen erfolgreich entgegen gewirkt.

Die Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung in vielen Sportarten lassen befürchten, dass es künftig weniger Sportarten oder Vereine gibt. Ernst Werner dazu: "Das lässt sich schwer sagen, da es immer wieder Trends zu verzeichnen gibt." In Bayern gehe die Entwicklung "noch immer in eine positive Richtung".

Wir wollen dranbleiben am Thema Sport in der Oberpfalz - helfen Sie uns!Liebe Leser,

bei der Recherche zu diesem Thema haben wir gemerkt, wie wichtig es für die Vereine und Verbände ist. Viele Verantwortliche haben Redebedarf über die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, zur Nachwuchsgewinnung und zu den angebotenen Projekten. Es gibt also viele weitere spannende Aspekte, die wir nicht alle in diesen Beitrag mit aufnehmen konnten. Viele Fragen sind offen geblieben. Wir möchten daher dranbleiben und wollen weitere Beiträge mit Fokus auf einzelne Sportarten und Aspekte veröffentlichen.

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