Über Single-Plattformen und die Suche nach einem Partner
Alles Liebe – oder was ...?

Bild: MilosStankovic/istockphoto.com
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Bayern
22.07.2016
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Die Auswahl an Dating-Portalen im Netz ist riesig. Screenshot: Google

In der Oberpfalz suchen viele Menschen einen Partner. Manchmal im richtigen Leben, immer mehr auch auf Single- und Dating-Plattformen im Internet. Am Sonntag ist der "Tag der virtuellen Liebe". Ein Blick in die digitale Beziehungswelt.

Amberg/Weiden. (cdv) "Suche einen Mann zwischen 37 und 55 Jahren für feste Partnerschaft, gemeinsames Ausgehen, nette Bekanntschaft." Das schreibt "blondemaus1". Die Standardformulierungen sind einfach vorgeschrieben, lassen sich schnell zusammenklicken. Soweit der Text. Das Foto zeigt eine 50-jährige attraktive Frau. Sie ist auf einer Single-Börse angemeldet. Kann man die Liebe im Internet finden? Ja, das geht, wie in einer Umfrage unserer Redaktion viele Leute erzählen. Allerdings schaffen es wohl nur wenige in eine Beziehung. Und, ja, zuweilen ist der ein oder andere auch sichtlich genervt. Manche nutzen die Plattformen zur Unterhaltung.

Schmeicheleien im Netz


"Vielleicht ist das hier das 'richtige' Leben!?", schreibt eine 49-jährige Frau. "Ich habe hier Unterhaltungen mit wildfremden Menschen. Die würden das dem besten Freund nicht auf die Nase binden." Die alleinerziehende Mutter zweier Mädchen freut sich, dass ihr Profilfoto viele Männer anlockt. "Man fühlt sich auch geschmeichelt. Und wem gefällt es nicht, begehrt zu werden?" Dass immer wieder ein Mann direkt nach Sex fragt, findet sie nicht problematisch.

Manchmal passiert es so: Nach dem ersten Online-Treffen wird geschrieben, irgendwann wird telefoniert, dann trifft man sich zum ersten Mal. "Heute sind wir fast 13 Jahre verheiratet und haben drei tolle Kinder", schreibt eine Frau an die Redaktion von Onetz.de. Manchmal läuft es aber auch ganz anders: "Manche Dame habe ich auch in der Weidener Innenstadt laufen sehen - Hand in Hand mit dem Partner", schreibt uns ein Mann. Zuvor hatte er die Frauen auf der Internetplattform Friendscout24 entdeckt.

Gesundes Misstrauen


Die Suche ist natürlich auch ein prächtiges Geschäftsmodell. Angemeldet ist man schnell, oft erst einmal nur mit eingeschränkten Funktionen. Wer zahlt, darf mehr. Neben den Branchenführern ElitePartner, Parship und Friendscout24 tummeln sich etliche weitere Anbieter, zuweilen speziell auf Zielgruppen zugeschnitten, auf diesem Markt. Ob Christen oder Vegetarier und Veganer, oder etwa für Heavy-Metal-Freunde: Sie können unter Gleichgesinnten nach einem Partner suchen. Neue Renner sind Dating-Apps, die Singles per GPS-Ortung dort aufspüren wollen, wo man sich aufhält. Ein Ausflug nach Stuttgart beschert einem schnell eine ganze Reihe von Single-Profilen aus der Schwaben-Metropole.

Auch Gefahren lauern auf den Plattformen. Dort seien zuweilen Menschen unterwegs, die durchaus einer psychologischen Betreuung anvertraut werden sollten, schreibt eine Nutzerin an die Redaktion.

Lange auf der Suche


Mehr als 1,5 Millionen Menschen, so schätzte ein E-Commerce-Branchenverband schon vor einiger Zeit, nutzen in Deutschland Partnerbörsen und Dating-Plattformen. Die Oberpfalz ist da keine Ausnahme: 42 Prozent der Haushalte in der Region sind Single-Haushalte. Die Zahl hat sich in den letzten Jahren erheblich erhöht. Die Menschen suchen sehr viel später nach einem Partner. Manche bleiben sehr lange auf der Suche. Da bietet sich der vermeintlich unkomplizierte Weg über das anonyme Netz an.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/1179100

Vorsicht vor Dating-BetrugBetrug beim Online-Dating ist nicht unüblich: Damen des horizontalen Gewerbes nutzen die Dating-Plattformen häufig für die Freier-Werbung oder für gewinnbringende Telefonate über 0900-Nummern. Da geht es dann nur um Sex gegen Geld. "Ein gesundes Misstrauen ist hilfreich, um nicht auf vorgetäuschte Identitäten hereinzufallen", heißt es auf der Internetseite der Bayerischen Verbraucherberatung.

Doch Betrug muss nicht immer durch den Kontakt mit einer Prostituierten zustande kommen: Manche Plattformen ermöglichen eine kostenfreie Registrierung. Meldet sich der (meist männliche) Nutzer an, erhält er kurz darauf viele Zuschriften von vermeintlich interessierten Frauen. Um ihnen selbst Nachrichten zu schicken, muss er ein kostenpflichtiges Abonnement abschließen. Danach wollen die Damen aber plötzlich nichts mehr von ihm wissen, denn sie arbeiten eigentlich mit der Datingplattform zusammen. Diese bezahlt die Lockvögel und teilt die Einnahmen mit ihnen.

Die Bayerische Verbraucherberatung weißt darauf hin, dass es eine Reihe sogenannter Bewertungsportale für Single-Plattformen gibt. Da wird in vielen Fällen mit Bestnoten nicht gegeizt. Allerdings: "Flirtwillige sollten sich von generell positiven Bewertungen nicht blenden lassen. Was viele nicht wissen: Eine ganze Reihe dieser Seiten dient lediglich wieder nur der Werbung für den unseriösen Anbieter. Um von vornherein zu vermeiden, dass man an einen solchen Dienst gerät, sollte vor einer Vertragsvereinbarung geprüft werden, ob ein Verantwortlicher mit Namen und Adresse im Internetangebot genannt ist. Und ob etwa im Kleingedruckten steht, dass der Anbieter persönliche Daten nicht ohne ausdrückliches Einverständnis an Dritte weitergeben darf. (cdv/dko)
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