Ungewöhnliche Funde des Zolls
Gefrorene Vögel im Gepäck

Eine tote Feldlerche, die das Hauptzollamt München im Oktober 2014 sicherstellte. Um den Kampf gegen den illegalen Handel mit Wildtieren geht es unter anderem beim Internationalen Umwelttag am Sonntag. Bild: dpa
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Bayern
04.06.2016
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Zehntausend Krokodilhäute, tiefgefrorene Singvögel, Rheumapflaster aus Affenhoden und Tigerknochen - all das haben Zollbeamte an deutschen Grenzen sichergestellt. Verboten zum Trotz.

München. Was macht man mit einem Elefantenohr? Keine Ahnung, sagen die Zollbeamten. Sie haben es kürzlich am Münchener Flughafen in einem Koffer gefunden und mussten prüfen, ob die Einfuhr zulässig ist. Die meisten Elefanten genießen wie Tiger, Nashörner und Menschenaffen höchsten Schutz. Schmuggler und Wilderer schreckt das kaum ab. Der illegale Handel mit Wildtieren und Tierprodukten ist ein Problem, dem sich auch der Weltumwelttag am 5. Juni widmet.

Bieber mit Äffchen


Auch Touristen schaffen oft illegale Urlaubs-Souvenirs nach Hause. Prominenter Fall: Popstar Justin Bieber, der vor drei Jahren im Privatjet mit dem Kapuziner-Äffchen "Mally" in München landete. Ausreichende Papiere hatte er nicht. Der Mädchenschwarm zahlte mehrere Tausend Euro: Bußgeld und Pflegegeld für das Tier. Öfter werden lebende Vogelspinnen, Reptilien und Vögel mitgebracht, etwa Graupapageien, berichtet der Umweltverband Pro Wildlife.

Besonders Produkte, die aus geschützten Tieren oder Pflanzen hergestellt sind, kommen "nicht mehr nur im Koffer aus dem Urlaub, sondern per Post über Internetbestellung", sagt Dietmar Zwengel, Sprecher des für den Zoll zuständigen Bundesfinanzministeriums. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte der Zoll bundesweit 480 000 Diät-Kapseln aus der streng geschützten indischen Kostuswurzel.

Spezielle Artenschutzspürhunde versuchen Schmuggelware aufzuspüren. Mit ihrer Hilfe wurden entdeckt: zehntausend Krokodilhäute, 24 Tonnen europäischen Aals und 1,5 Tonnen lebende Steinkorallen. Manches macht die Röntgenkontrolle im Gepäck sichtbar. So fanden die Beamten im Koffer eines aus Rumänien kommenden Italieners 200 tiefgefrorene Singvögel für den Kochtopf. Dass die Tiere in der EU seit gut 35 Jahren streng geschützt sind, wusste der Mann angeblich nicht.

Politische Instabilität leiste dem illegalen Handel Vorschub, sagt Dietrich Jelden, Abteilungsleiter Artenschutzvollzug am Bundesamt für Naturschutz. Paramilitärisch organisierte und im politischen Umfeld operierende Gruppierungen wie im Kongo oder mafiaähnlich hochgerüstete kriminelle Organisationen in Kambodscha oder Indonesien machten ihre Geschäfte. "Es geht deshalb vor allem darum, im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit stärker einzugreifen", sagt Jelden.

Viele Schlupflöcher


Die Weltartenschutzkonferenz will im Herbst in Südafrika über weitere Verschärfungen entscheiden - etwa beim Elfenbein. Die EU will mehrere Initiativen einbringen. Gerade sie hat strikte Vorschriften, die über die Washingtoner Artenschutzabkommen hinaus gehen, wie Jelden sagt. Aber immer noch sei der Handel vielfach legal möglich: "Mehr als 90 Prozent der gelistete Arten kann man unter bestimmten Voraussetzungen gewerblich einführen." Im Fall des Elefantenohres haben Fachleute inzwischen entschieden: Das Stück darf nach Deutschland gebracht werden. Wozu es dient, blieb unbekannt.
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