Unwetter bei Rock im Park
Banger Blick nach oben

Die dunklen Wolken zogen sich im Laufe des Samstags über dem Nürnberger Dutzendteich zusammen. Doch erst beim Auftritt des Headliners des Abends, Volbeat, öffnete der Himmel seine Schleusen. Bild: Tobias Schwarzmeier
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Bayern
05.06.2016
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"Heute morgen hat es richtig gekracht. Da hatte ich schon kurz ein mulmiges Gefühl." Zitat: Lucas Schwarz (21) Bild: Tobias Schwarzmeier

Eigentlich ist bei Rock im Park alles so wie meistens. Es ist bewölkt, Sonne und Regen wechseln sich ab und die Stimmung ist prächtig. Ein Open-Air-Festival wie viele eben. Wären da nicht die Geschehnisse beim Schwesterfestival Rock am Ring, die auch den Rockfans in Nürnberg nicht ganz aus dem Kopf gehen.

Nürnberg. Schwere Gewitter mit heftigen Blitzschlägen haben für den vorzeitigen Abbruch des gleichzeitigen Events im pfälzischen Mendig (Kreis Mayen-Koblenz) gesorgt (siehe Kasten rechts). Trotz unverändert dringlicher Wetterwarnungen in ganz Bayern - auch für den Festivalplatz am Zeppelinfeld - bleiben hier aber ernstere Zwischenfälle aus. Außer einem stärkeren Regenguss am Samstag direkt vor dem Auftritt der Hauptband Volbeat, der das Programm um eine halbe Stunde verzögert, gibt es lediglich zwei harmlosere Gewitter.

Regnet es, oder nicht?


Doch die Horrormeldungen aus der Osteifel lassen sich auch bei den 80 000 Parkrockern nicht ganz ausblenden. Bei vielen geht der Blick regelmäßig nach oben zum wolkenverhangenen Himmel. Vereinzelte Blitze sorgen für Schrecksekunden. "Heute morgen hat es richtig gekracht. Da hatte ich schon kurz ein mulmiges Gefühl", erzählt auch Lucas Schwarz (21) am Sonntag. Der Krankenpfleger aus Neustadt/WN war mit einer gut 20-köpfigen Gruppe bereits in der Nacht auf Donnerstag angereist.

Beim Aufschlagen der Zelte am Campingplatz am Dutzendteich hatten die Rockfans gleich Glück beim Timing: "In dem Moment, als wir gerade die Zelte fertig aufgebaut hatten, begann es zu regnen", sagt Schwarz. Ein kurzer, aber heftiger Regenguss, auf dem an den weiteren Festivaltagen noch einige folgen sollten. Für den Neustädter, der 2012 das erste Mal bei Rock im Park war und die Wetterkapriolen bei Festivals um diese Jahreszeit kennt, kein Problem. Die Zelte seien dicht und auch der Boden habe bis auf wenige schlammige Stellen gut gehalten.

Weniger Sanitäter-Einsätze


Angesichts der teils sehr hohen Temperaturen im Vorjahr empfindet der 21-Jährige das Wetter heuer im Grunde sogar als angenehmer. Die Zahlen geben ihm Recht. 1933 Menschen versorgten die Nürnberger Hilfsorganisationen laut Mitteilung bis zum Sonntagvormittag. 2015 waren es - vor allem wegen der Auswirkungen der Hitze - mit 3784 Festivalgästen fast doppelt so viele.

Heute morgen hat es richtig gekracht. Da hatte ich schon kurz ein mulmiges Gefühl.Lucas Schwarz (21)


Unannehmlichkeiten bereite den Campern aus dem Kreis Neustadt/WN eher eine andere Art an Feuchtigkeit, berichtet Schwarz: "Weil es so schwül ist, ist die Kleidung in den Zelten mittlerweile klamm. Wenn man nach dem Duschen ein frisches T-Shirt anziehen will, ist das nicht besonders angenehm." Nach vier langen Tagen Camping, toller Musik und Feiern herrsche am Schlusstag auf dem Zeltplatz "fast so etwas wie Endzeitstimmung". Das ist an sich nicht ungewöhnlich. Doch auch hier fühlt es sich etwas anders an.

Absage-Gerüchte im Park


Viele Camper seien bereits abgereist, sicher der eine oder andere zusätzlich wegen des Wetters. "Es gingen sogar Absage-Gerüchte auch für Nürnberg um", erzählt Schwarz verwundert. Diese bewahrheiten sich jedoch nicht.

Aber selbst einen Verzicht auf den dritten Festivaltag hätte der Rockfan in einer Situation wie in Mendig verstehen können. Ebenso wie die Evakuierung des Zeltplatzes wegen starker Unwetter am Ende des letztjährigen Rock-im-Park-Festivals, von der er selbst betroffen war. "Die Veranstalter und die Security machen da einen guten Job. Es gibt einen Punkt, ab dem geht die Sicherheit einfach vor", ist der 21-Jährige überzeugt.

Auch Schwarz und seine Mitstreiter packen am Sonntag zeitig. Nicht wegen der Unwetter, sondern weil die meisten am Montag wieder arbeiten müssen - nach einem fast ganz normalen Festival.

Mehr zu Rock Im Park:
www.onetz.de/themen/rip2016

Hintergrund


Rock am Ring abgebrochen

Mendig. (dpa) Schwere Unwetter haben am Wochenende auch das Musikfestival "Rock am Ring" in Rheinland-Pfalz gestoppt. Nach Blitzeinschlägen mit mehr als 70 Verletzten brachen Behörden das Festival mit rund 90 000 Besuchern ab. Die Verbandsgemeinde Mendig in der Eifel entzog die Genehmigung.

Auf völlig verschlammtem Gelände hatte es am Samstagabend nach zwischenzeitlicher Unterbrechung noch Konzerte der US-Band Red Hot Chili Peppers und der Band The BossHoss gegeben. Am Sonntagvormittag machten sich die Besucher auf den Heimweg. Traktoren mussten Wohnmobile aus dem Gelände ziehen.

Konzertveranstalter Marek Lieberberg sprach von einem Fall "höherer Gewalt". Man habe sich der Anordnung gebeugt, auch wenn man das Festival gerne am Sonntag zum Abschluss gebracht hätte. Dem Innenminister von Rheinland-Pfalz warf er vor, die Verantwortung für die Absage auf die Gemeinde abgeschoben zu haben.

Lieblingsfestival der OberpfälzerSeit Rock im Park - das Zwillingsfestival von Rock am Ring in Süddeutschland - nach ersten Jahren in München (Riem und Olympiastadion) nach Nürnberg umzog, sind sie da: gefühlte Heerscharen von Oberpfälzer Festivalbesuchern. Daran hat sich auch im 20. Jahr nichts geändert. Warum das dreitägige Festival bei uns Nachbarn so beliebt ist, lässt sich natürlich durch die regionale Nähe erklären. Ein weiterer Trend wird von Jahr zu Jahr deutlicher: Das Kultfestival hat sich zum Familienevent entwickelt. Viele Fans von damals kommen wieder zum Event in die Frankenmetropole und bringen inzwischen ihre Kinder mit. Die Eltern hören Black Sabbath, die Kinder Volbeat. Für den Oberpfälzer Nachwuchs bei Rock im Park ist so künftig gesorgt. (tos)
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