Urteil im Prozess um Babyleichen
Mutter keine Mörderin

Mit einer Aktenmappe verbirgt die angeklagte Mutter (Zweite von rechts) während des Prozesses um die acht gefundenen Babyleichen in Wallenfels ihr Gesicht. Die 45-Jährige wurde vom Landgericht Coburg wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft verurteilt. Ihr wegen Beihilfe zum Mord angeklagter Mann (links) wurde dagegen freigesprochen. Bild: dpa
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Bayern
21.07.2016
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Tote Säuglinge, verpackt in Plastiktüten. Acht Babyleichen entdeckten Ermittler im vergangenen November in Wallenfels. Die Mutter soll nun lange ins Gefängnis - aber nicht wegen Mordes.

Coburg. Wegen Totschlags ist die Mutter der acht toten Babys von Wallenfells zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Mit 14 Jahren Haft für die 45-Jährige blieb das Landgericht Coburg am Mittwoch in seinem Urteil aber knapp unter der möglichen Höchststrafe, die ein Jahr länger vorsieht. Die Frau sei in vier Fällen schuldig, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Gillot. Eine Verurteilung der Frau wegen Mordes, wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, lehnte das Gericht ab.

Frau geht nicht in Revision


Die acht toten Säuglinge waren im vergangenen November im oberfränkischen Wallenfels gefunden worden. Die Mutter akzeptierte das Urteil. "Wir werden keine Revision einlegen, das ist mit meiner Mandantin abgesprochen", sagte ihr Verteidiger Till Wagler. Nun kann noch die Staatsanwaltschaft binnen einer Woche Revision einlegen. Die Behörde war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Mutter lebenslange Haft wegen Mordes in vier Fällen und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Der Verteidiger der Frau hatte auf eine konkrete Strafforderung verzichtet. Der Verteidiger ihres Noch-Ehemanns, der wegen Beihilfe zum Mord angeklagt war, plädierte für seinen Mandanten auf Freispruch. Dem kam das Gericht nach. Für eine Verurteilung des 55-Jährigen hätte dieser damit rechnen müssen, dass seine Frau tatsächlich Kinder tötet. Dafür habe das Gericht trotz des Gesprächs zwischen dem Paar aber keinen Nachweis.

"Wenn ein solcher Fall verhandelt wird wie dieser, dann gibt es plötzlich ganz viele, die wissen, was richtig ist: dass hier eine angebliche Horror-Mutter für immer eingesperrt gehört", führte der Vorsitzende Richter aus. "Wir müssen in einem ersten Schritt versuchen, das Verhalten nachzuvollziehen. Das hat nichts damit zu tun, es zu rechtfertigen, sondern zu versuchen, es zu verstehen." Dann müsse juristisch entschieden werden, wie das Verhalten zu bewerten sei.

"Sie ist die Verdrängerin und nicht die planvolle Entscheiderin", sagte Gillot weiter. "Sicherlich handelte sie egoistisch und selbstsüchtig, aber es gibt eben auch das Motiv, die Familie zu erhalten." Das sei kein niederer Beweggrund - weshalb eine Verurteilung wegen Mordes nicht infrage gekommen sei.

Im Prozess, der über nur vier Verhandlungstage lief, hatte ein psychiatrischer Gutachter die 45-Jährige für voll schuldfähig erklärt. Sie sei weder schwer psychisch krank noch alkoholabhängig. Bei vier der Babys war laut Staatsanwaltschaft nicht festzustellen, ob sie gelebt hatten oder lebensfähig gewesen wären.

Tochter rief die Polizei


Entdeckt worden waren die Leichen von der erwachsenen Tochter des Vaters aus erster Ehe, die in dem Wohnhaus der Familie in Wallenfels im Erdgeschoss wohnt. Er hatte ihr davon erzählt, dass seine Frau ihm gegenüber ein totes Kind im Haus erwähnt, dies am nächsten Tag aber zurückgenommen habe. Das ließ der Tochter keine Ruhe, so dass sie sich auf die Suche machte. Sie rief schließlich die Polizei. Sie hatte eine Kiste gefunden, in der Rechtsmediziner später fünf der acht Leichen entdeckten.

Sie ist die Verdrängerin und nicht die planvolle Entscheiderin.Christoph Gillot, Vorsitzender Richter
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