Urteil im Prozess um tote Aline K.
Lebenslang für heimtückischen Mord

Der Angeklagte zu Beginn des Prozesses im Verhandlungssaal in München. Archivbild: dpa
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Bayern
11.11.2016
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Er spionierte ihr nach, überprüfte ihr Handy, spähte sie aus. Als er merkte, dass er sie nicht mehr kontrollieren konnte, brachte er sie um. Jetzt wurde im Prozess um den Mord an Aline K. das Urteil gesprochen.

München. "Das Projekt ist gescheitert. Ich habe jetzt was Besseres." Ihre letzten Worte bezahlt Aline K. mit dem Leben: Ihr langjähriger Lebensgefährte erwürgte die junge Frau nach diesen Sätzen im Oktober 2015 wortlos. Minutenlang drückte er mit beiden Daumen auf ihren Kehlkopf. Für Richter Michael Höhne im Landgericht München ist am Freitag klar: Wer eine körperlich klar unterlegene Person über mehrere Minuten mit beiden Händen würgt, der handelt "mit absolutem Vernichtungswillen". Das Gericht schickte den 30 Jahre alten Wachmann deswegen wegen heimtückischen Mordes lebenslang ins Gefängnis.

Spaziergang und Sex


Vor der Tat hatte das Paar noch einen Spaziergang gemacht, sogar Sex gehabt. Als Aline auf dem Sofa eingeschlafen war, kontrollierte ihr Freund ihr Handy und fand eine Bestätigung für die von ihm bereits vermutete Beziehung mit ihrem Arbeitskollegen. Er selbst chattete in einem Single-Forum mit einer Frau, die sich "Princess" nannte und schrieb ihr, seine Beziehung sei vorbei.

Dann ging er ins Wohnzimmer, stellte seine Freundin zur Rede und erwürgte sie. Aline sei arg- und wehrlos gewesen, sagte der Richter - und: "Der Angeklagte tötete seine Lebensgefährtin aus Wut und Verzweiflung." Nach der Tat legte der 30-Jährige die Leiche seiner Freundin in den Kofferraum seines Autos, fuhr zu einem Freund und schließlich zu einer Ruine im Westen der Stadt, die früher sein Abenteuerspielplatz war.

Dort legte er Alines Leiche in einen Kellerschacht, wo sie Wochen später gefunden wurde. Später schickte er sich selbst eine Nachricht von ihrem Handy: "Ich weiß, dass ich Dich tief drin immer noch liebe, mach's gut." Gefasst wurde der Mann trotz dieser Versuche, die Tat zu vertuschen.

Totale Kontrollwut


Der Angeklagte, der seine Freundin jahrelang mit Kontrollen terrorisierte, ihr das Ausgehen verbot, ihr Handy ortete und nicht erlaubte, dass sie das Telefon mit auf die Toilette nahm, hatte all das vor Gericht zugegeben. Seine Verteidigung wertete die Tat allerdings als Totschlag in einem minderschweren Fall, plädierte auf sieben Jahre Haft und erwägt nun, in Revision zu gehen.
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