Virtueller Flirt-Trend "Spotted" erleichtert schüchternen Studenten die Suche nach Liebe
Liebe auf den ersten Klick

Die Suche nach der Liebe ist eine Herausforderung - und genau dabei soll nun das Flirt-Portal "Spotted" helfen. Bild: dpa
Vermischtes BY
Bayern
16.01.2015
143
0
 
Zweisamkeit ist für viele der Inbegriff der Romantik. Bild: dpa
 
Ein Kuss zwischen zwei Vorlesungen gehört auch an Universitäten zur Normalität. Bild: dpa

Wer wünscht es sich nicht ? Die wahre Liebe zu finden. Doch allzu oft erweist sich der Weg dorthin als äußerst steinig und kompliziert. Dieses Problem will nun die Facebook-Seite "Spotted" beseitigen.

Weiden. (juh) "Ich suche dich!! Du bist eine Frau die mir schon seit einigen Wochen auffällt aber ich mich noch nicht getraut habe anzusprechen. Du bist ca 1.70 groß, hast schulterlange braune Haare und studierst glaube ich BWL im ersten Semester in Weiden.“ - Seit Monaten häufen sich derartige Posts auf der Facebook-Seite „Spotted“ von Studenten, die sich hilfesuchend an die Betreiber der Plattform wenden. Seit geraumer Zeit haben nun auch Studenten der HAW Amberg-Weiden die Möglichkeit, sich in der anonymen, virtuellen Welt des Flirtportals „Spotted“ auf die Suche nach der einen auserwählten Person zu begeben.

Bekannte Situation


Wer kennt eine solche Situation nicht: In der Bibliothek sitzt am Nachbartisch der Traummann oder während einer Vorlesung erblickt man seine Auserwählte. Doch was tun? Eigentlich müsste man nur noch rüber gehen und die Person ansprechen. Doch allzu oft verlässt einen exakt in solch entscheidenden Momenten der Mut. Genau für diese, scheinbar hoffnungslosen Situationen wurde das Facebook-Flirt-Portal "Spotted" ins Leben gerufen - um Studenten die Suche nach der Liebe zu erleichtern.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Man erblickt eine attraktive Person, findet Gefallen an ihr, ist aber zu schüchtern, sie anzusprechen. Also schickt man dem "Spotted"-Team seiner Universität, bestehend aus einem oder mehreren Studenten, eine Nachricht bei Facebook, in der man die auserwählte Person so genau wie möglich beschreibt. Anschließend wird diese Nachricht anonym von den Betreibern des Portals gepostet. Erkennt sich nun die "gespottete" Person anhand der Beschreibungen selbst wieder oder wird von Kommilitonen erkannt, kann sich diese Person an das "Spotted"-Team wenden. Durch sie kann dann ein persönlicher Kontakt hergestellt werden. Ein Kontakt wird aber nur im beidseitigen Einverständnis der betroffenen Personen vermittelt.

Schottland macht den Anfang


Zum ersten Mal tauchte das Flirt-Portal "Spotted" im schottischen Glasgow unter dem Namen "Spotted: Glasgow Uni Library" (zu deutsch: Bibliothek Universität Glasgow) am 10. Dezember 2012 auf. Doch was anfangs lediglich eine unterhaltsame Nebenbeschäftigung einiger technikinteressierter Studenten sein sollte, breitet sich schnell zu einem europaweit äußerst beliebten Phänomen aus. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile kaum mehr eine Universität oder Fachhochschule, an der "Spotted" nicht zum festen Alltag des studentischen Miteinanders gehört. Seit Anfang 2014 können sich nun auch Studenten der HAW Amberg-Weiden an der virtuellen Partnerbörse erfreuen. Ins Leben gerufen wurde die Facebook-Seite "Spotted HAW Amberg-Weiden" von zwei ehemaligen Studenten (beide 27), die anonym bleiben möchten, um den Umgang mit den Benutzern ihrer Seite nicht zu verkomplizieren. Nennen wir sie Ernst und Robert (Namen von der Redaktion geändert).

Viel Potenzial


"An der Uni Salzburg haben wir das erste Mal von der Plattform gehört und fanden die Idee gleich super, weil es etwas komplett Neues für uns war und wir viel Potenzial darin gesehen haben“, erklärt Ernst. Schnell wurde der Entschluss gefasst, selbst eine "Spotted"-Seite für die HAW Amberg und Weiden ins Leben zu rufen. „Und es wurde sofort sehr gut von den Studenten angenommen, es war kein Ende von Anfragen und Nachrichten, die an uns gerichtet wurden, in Sicht", betont der 27-Jährige. Das vorrangige Ziel der Plattform bestehe darin, Personen, die sich zwar schon persönlich gesehen, sich interessant fanden, jedoch nicht miteinander gesprochen haben, die Möglichkeit zu geben, sich durch "Spotted" wiederzufinden. Somit könnten sie sich persönlich von Angesicht zu Angesicht kennenlernen. "Und genau darin liegt auch unsere persönliche Motivation. Es macht uns großen Spaß, diese Kontakte zu vermitteln und wir hoffen natürlich immer, dass sich daraus vielleicht auch die ein oder andere Beziehung entwickeln könnte“, erläutert der Weidener. Bislang lägen den beiden Betreibern zwar keine Informationen darüber vor, ob durch ihre Vermittlungen tatsächlich eine Liebesbeziehung entstanden ist, sie halten es jedoch für höchst wahrscheinlich, da sie pro Woche mindestens zwei bis drei Suchanfragen zu bearbeiten hätten.

Woher kommt die Faszination?


Doch wodurch lässt sich die große Faszination von "Spotted", das so viele Studenten in ihren Bann zieht, erklären? „Ich denke da spielt vor allem die Tatsache, dass man vielleicht auch selbst gesucht werden könnte, eine ausschlaggebende Rolle. Denn wer würde es nicht gerne lesen, dass sich eine Person für einen interessiert?“, fragt Ernst.

Aufgrund des großen Interesses wurde von den beiden ehemaligen Studenten auch eine zweite 'Spotted'-Seite für Weiden ins Leben gerufen, "Spotted: Weiden Nightlife". Momentan umfassen die Facebook-Seiten eine Gesamtreichweite von 18.000 Personen pro Woche, das bedeutet 18.000 Benutzer kommentieren die veröffentlichten Nachrichten, teilen die Seiten oder schauen sich Bilder an, und diese Zahlen sind steigend. "Das Hauptaugenmerk von 'Spotted: Weiden Nightlife' liegt dabei auf dem Weidener Nachtleben. Das Prinzip ist das Gleiche, nur mit dem Unterschied, dass sich auch Nicht-Studenten mit ihrer Suchanfrage an uns wenden können", berichtet der Weidener. Der große Erfolg lasse sich auch dadurch erklären, dass man rund um die Uhr die Möglichkeit hat, selbst eine Suchanzeige aufzugeben. „Jeder von uns war schon mal in der Situation, jemandem zu begegnen, der ansprechend auf einen wirkt, man sich jedoch nicht getraut hat, etwas zu sagen. Wirklich jeder kann in eine solche Situation geraten, und dann kommen wir ins Spiel. Leute sind einfach daran interessiert, eine andere Person zu finden", erklärt der 27-Jährige. Prozentual lasse sich die Struktur der "Spotted"-Benutzer genau darstellen: 55 Prozent seien Frauen, 45 Prozent Männer und 50 Prozent aller Benutzer seien im Alter zwischen 18 und 35 Jahren.

Die Besonderheiten von "Spottet"


Das Besondere an "Spotted" - im Vergleich zu anderen, kostenpflichtigen Online-Partneragenturen -  ist, dass ein regionaler Bezug besteht, wodurch sich Personen schnell selbst in geposteten Nachrichten erkennen oder von Freunden erkannt werden. „Das würde natürlich in einer deutschlandweiten Partnerbörse nicht funktionieren. 'Spotted' unterscheidet sich zudem durch die Tatsache von anderen Plattformen, dass sich die Personen, wenn auch ohne Interaktion, bereits im Vorfeld live gegenübergestanden oder sich zumindest real gesehen haben", erläutert Ernst. Anonymität spiele dabei eine der wichtigsten Rollen, da sich hilfesuchende Benutzer vor dem Deckmantel des "Nicht-Erkannt-Werdens" sicher fühlen und ihre Hemmungen leichter überwinden können.

Kontakte aus Sympathiegründen vermitteln


Doch natürlich birgt genau diese Anonymität auch Risiken. „Erst letzte Woche mussten wir leider Erfahrungen mit einem Stalker machen. Anscheinend hat diese besagte Person bereits im Vorfeld immer wieder einer jungen Frau nachgestellt, und sich dann mit der Beschreibung dieser Frau an uns gewandt. Natürlich veröffentlichten wir die Nachricht, da wir nichts von den Geschehnissen im Vorfeld wissen konnten. Als uns dann jedoch die 'gespottete' Frau informiert hat, haben wir die Nachricht des Mannes sofort gelöscht. Denn eines ist uns sehr wichtig: Wir sind dafür da, um Kontakte aus Sympathiegründen zu vermitteln, und nicht um so ein Verhalten zu unterstützen", betont der "Spotted"-Betreiber der Facebook-Seite.

Rechtlich abgesichert


Auch rechtlich gesehen haben sich die beiden Initiatoren abgesichert. "Es wird manchmal behauptet, dass 'Spotted' in die Persönlichkeitsfreiheit der zur Suche ausgesetzten Personen eingreift, das ist jedoch nicht der Fall“, erklärt Ernst. Wer sich bei Facebook anmeldet, müsse davon ausgehen, verlinkt zu werden. Und wer das nicht möchte, könne diese Funktion ausstellen. Des Weiteren seien die Betreiber auch jederzeit dazu bereit, Nachrichten von der Seite zu nehmen, wenn sich der Betroffene dadurch gestört fühle. Auch betonte Ernst, dass von ihnen nur Bilder geposted werden, die bereits auf einer anderen Internetseite veröffentlicht wurden, um eventuelle rechtliche Probleme zu vermeiden. Außerdem würden Personen nicht von ihnen verlinkt werden, sondern von den Spotted-Benutzern selbst.

In einer Sache ist sich der 27-jährige Ernst sicher: „Das Konzept 'Spotted' wird auch in Zukunft sowohl regional als auch international sehr erfolgreich sein. Es wird immer Singles geben, und diese Singles werden auch in Zukunft in Situationen geraten, in denen sie durch Schüchternheit oder zu langes Zögern mögliche Chancen verpassen, eine interessante Person kennenzulernen. Und wir freuen uns darauf, diese Personen auch weiterhin so gut wir können zu unterstützen."

"Déjà-vu" - Funktion erhöht Erfolgschancen


Für den steigenden Erfolg dieser Kontaktaufnahme spricht auch die Tatsache, dass im vergangenen Jahr eine „Spotted-App“ für Smartphones auf den Markt gekommen ist. Eine Registrierung mit der eigenen Facebook-Seite ist jedoch Voraussetzung, um sich an der virtuellen Flirtbörse beteiligen zu können. Auch hier gilt natürlich der strenge Grundsatz - absolute Anonymität.

Das Prinzip ist grundsätzlich das Gleiche: Man begegnet einer interessanten Person, ist aber zu schüchtern, sie anzusprechen. Anonym kann man auch hier in der Rubrik „Flirt“ Botschaften hinterlassen und darauf hoffen, dass sich die gemeinte Person erkennt. Allerdings kann sich der Gespottete hier direkt mit einer anonymen Antwort an die Person wenden, die die Nachricht veröffentlicht hat und muss sich nicht zuerst an das Spotted-Team wenden, um den persönlichen Kontakt herstellen zu lassen. Diese Neuerung ist eine starke Verbesserung in Bezug auf Schnelligkeit und Effektivität.

Die Kernfunktion


Die Kernfunktion der App stellt die neu entwickelte Rubrik „Déjà-vu“ dar. Ist die Funktion „Ortungsdienste“ am Smartphone aktiviert, berechnet die App, welche Nutzer gemeinsame Veranstaltungen und Orte besucht haben und schlägt diese einander mit Bild vor. Befindet sich unter diesen Personen jemand, der einem bereits im Vorfeld aufgefallen ist oder den man ansprechend findet, kann man diesem Benutzer anonym „zuzwinkern“. „Zwinkert“ diese Person zurück, kann ein persönlicher Kontakt aufgenommen werden. Besonders diese „Déjà-vu“-Funktion ist eine Bereicherung, da es die Suche nach dem Auserwählten noch einmal enorm erleichtert und die Chancen, sich wiederzufinden, stark erhöht.

Schwierig ist nur der Kontakt zu den Machern der App: E-Mails unserer Redaktion werden nicht beantwortet, eine Telefonnummer wird im Impressum und im Pressebereich nicht angegeben. Da wird dann aus dem Spotten eher Spott.