Vogelgrippe
Kein absoluter Schutz

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Bayern
25.11.2016
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Die Vogelgrippe H5N8 sorgt nicht nur bei Geflügelzüchtern für Sorgen. Obwohl im Freistaat noch keine Nutztiere betroffen sind, lassen Nachrichten aus anderen Bundesländern Schlechtes befürchten.

München. Bayerische Nutztierbetriebe sind - anders als ihre Kollegen in anderen Bundesländern - bislang von einer Ansteckung mit der hochansteckenden Vogelgrippe verschont geblieben. Zwei Wochen nach den ersten Nachweisen von H5N8 bei toten Wildvögeln im Freistaat sind laut Umweltministerium zwölf Landkreise und zwei kreisfreie Städte betroffen.

Wegen des hochdynamischen Krankheitsverlaufes könne trotz eingeleiteter Schutzmaßnahmen auch für geschlossene Betriebe keine Entwarnung gegeben werden. Bereits zu Beginn der Woche hatte der Freistaat eine Stallpflicht für sämtliches Nutzgeflügel und ein Verbot von Geflügelmärkten und -ausstellungen ausgesprochen.

"Wir haben ein hochdynamisches Geschehen mit einem hohen Eintragsrisiko in Nutzgeflügelhaltungen", berichtete der zuständige Referatsleiter im Umweltministerium, Norbert Rehm, am Donnerstag im Landtag in München. Die betroffenen Vögel seien "randvoll mit H5N8". Bislang seien in zwölf bayerischen Landkreisen und zwei kreisfreien Städten rund 250 infizierte Wildvögel gefunden worden, alle an Seen und Flüssen in Südbayern.

Appell an Geflügelhalter


Rehm appellierte an die Geflügelhalter, sich streng an die ausgegebenen Handlungsempfehlungen zu halten. Dazu gehörten vor allem Desinfektionsmaßnahmen vor und nach dem Betreten der Ställe. Bei der Weiterverbreitung des Virus sei der Mensch das größte Risiko. "Die Halter müssen sich jeden Tag denken: Ich bin ein Chirurg und gehe jetzt in den OP", zog Rehm einen Hygienevergleich. Gummistiefel und Handschuhe nach einem Stallbesuch einfach zu reinigen, reiche nicht aus. Rehm betonte, dass die verordneten Schutzmaßnahmen "unangenehm und schmerzhaft", aber der Situation angemessen seien. "Ein weiteres Abwarten wäre aus unserer Sicht fatal", sagte er. Noch schwanke er zwischen Zuversicht und Bangen, dass die getroffenen Maßnahmen greifen.

Der CSU-Abgeordnete Otto Hünnerkopf lobte das "ebenso besonnene wie konsequente Vorgehen" der Behörden. Dieses sei richtig, um Schlimmeres zu verhindern.

Rosi Steinberger (Grüne) warnte davor, Wildvögel als einzige Infektionsquelle in Betracht zu ziehen. Man müsse auch die großen Nutzgeflügelhaltungen ins Visier nehmen, da diese von außen Futter in die Stallungen brächten und für die Zucht aus Fremdbetrieben Eier und Jungvögel einkauften. Zudem herrsche in den abgeschlossenen Ställen mit vielen Tieren auf engem Raum ein "ideales Verbreitungsklima" für das Virus.

Für Menschen ungefährlich


Rehm bestätigte, dass der Vogelzug als Erklärung für den Ausbruch der Geflügelpest nicht ausreiche, doch gebe es bislang noch keine bestätigten Hinweise darauf, dass das Virus auch aus einem Stall in die Umwelt gelangt sei. Nach aktuellem Stand der Forschung ist das H5N8-Virus für den Menschen ungefährlich. Auch der Verzehr von Geflügel ist laut Rehm unbedenklich, da der Erreger beim Kochen oder Braten absterbe.

Die Halter müssen sich jeden Tag denken: Ich bin ein Chirurg und gehe jetzt in den OP.Norbert Rehm, Referatsleiter im Umweltministerium


Massenkeulung im NordenNach dem Nachweis des hochansteckenden Vogelgrippe-Erregers H5N8 in einem Mastbetrieb in Barßel sind 16 000 Puten getötet worden. Der Betrieb wurde geräumt, teilte die Sprecherin des Kreises Cloppenburg, Sabine Uchtmann, am Donnerstag mit. Zudem wurde die Keulung von 92 000 Hühnern von zwei benachbarten Geflügelbetrieben angeordnet. Die Vorbereitung zur Tötung der Tiere habe begonnen, sagte Landkreissprecher Frank Beumker. Das Vogelgrippe-Virus H5N8 war am Mittwoch in dem Mastbetrieb in Barßel nachgewiesen worden. Zuvor waren Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt betroffen. Die Ursache für den Ausbruch in Barßel ist unklar. "Es gibt keine Hinweise darauf, wie das Virus in den Stall gekommen ist", sagte Beumker. Zum wirtschaftlichen Schaden konnte er keine Angaben machen. (dpa)
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