Von der Sterbestunde Jesu

Viel Applaus erhielten die Streicher des Prager Apollon-Quartetts (vorne) sowie die vier Solisten Thomas Tomaschke, Michael Gerke, Tina Zitzmann und Eva Dohnanyi-Mechler (von rechts) beim großen Benefizkonzert am Karfreitag in der St. Bartholomäuskirche. Bild: wro
Vermischtes BY
Bayern
29.03.2016
20
0

Joseph Haydn vertonte 1787 die letzten Rufe Jesu am Kreuz. Im Laufe der Zeit entstanden verschiedene Fassungen, auch für Streicher und Solisten. Das kleine Oratorium begeisterte bei einem gut besuchten Benefizkonzert in der St. Bartholomäus-Kirche das Publikum.

Marktredwitz. Freilich kommt es eher selten vor, dass ein Mitglied des Ensembles auch die Eröffnungsworte spricht. Kammersänger Thomas Thomaschke machte zu Beginn des Benefizkonzertes zugunsten der Aktion "Hilfe für Nachbarn" eine Ausnahme und betonte: "Für Heidelore Scherdel mache ich das gerne, sie hat mich nämlich darum gebeten." Die Veranstalterin hatte unweit von Thomaschke Platz genommen und hielt sich im Hintergrund.

Der Bassist wollte sich aber nicht lange mit Eröffnungsworten aufhalten und bat um eine Spende für die Benefizaktion. Der Eintritt zu diesem besonderen Konzertnachmittag war nämlich frei. Thomaschkes sonore Stimme füllte jeden Winkel der ehrwürdigen Bartholomäuskirche, gespannt wartete man auch auf seine Bassinterpretation und schließlich auch auf Haydns Vertonung der sieben letzte Worte Jesu.

Das Werk war für einen Karfreitagnachmittag prädestiniert. Es begann pünktlich um 15 Uhr, zur Sterbestunde Jesu Christi. Pfarrer Christoph Schmidt las aus dem Johannesevangelium, erinnerte an die Kreuzigung und den Tod Jesu. Langsam kehrte Ruhe ein, einige wenige Plätze im Schiff der Bartholomäuskirche waren leergeblieben. Vielleicht war daran das grau-nasskalte Wetter schuld.

Die Stille im Raum aber hatte etwas Andächtiges. Dazu passte das schummrige Licht, wie geschaffen zum Nachdenken, freilich auch zum zuhören. Nur der Orchesterraum blieb hell erleuchtet. Verheißungsvoll war auch der weitere Inhalt des sechsseitigen Programmheftes: Mit dem Apollon-Quartett aus Prag fand ein hochkarätiges Streichquartett seinen Weg nach Marktredwitz. Die vier Musiker gehören zu den führenden Vertretern ihres Fachs, standen bei vielen europäischen Musikfestivals bereits auf der Gästeliste. Groß auch die Namen der Gesangssolisten: Angeführt von Kammersänger Thomas Thomaschke rangen Tenor Michael Gehrke, Sopranistin Tina Zitzmann und Mezzosopranistin Eva Dohnanyi-Mechler um die Gunst der Zuhörer. Die Solisten übernahmen auch den Chorteil, die sieben Worte Jesu sang Bassist Thomas Thomaschke. Das stimm- und klanggewaltige Werk begeisterte die Zuhörer. Auf jeden Fall war die rund einstündige Veranstaltung ein hör- und sichtbares Plädoyer dafür, öfters mal gute klassische Musik in klassischer Umgebung zu genießen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.