Vortrag beim Historischen Club Marktredwitz
Was Böhmen und Bayern eint

Dr. Jürgen Maier (vorne links) hatte zahlreiche Dias mitgebracht. Kurzweilig und ohne vorbereitetes Konzept sprach er über die Verbindungen zwischen Franken und Böhmen. Bild: wro
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Bayern
12.02.2016
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Geschichte ist mehr als trockene Zahlen und Fakten. Dies versuchte Dr. Jürgen Maier zu vermitteln, der beim Historischen Club Marktredwitz sprach. Sein Thema: Die bewegte Nachbarschaft von Franken und Böhmen.

Marktredwitz. Dr. Jürgen Maier aus Selb erklärte, warum die geschichtliche Entwicklung auch ein Vierteljahrhundert nach der Grenzöffnung - oder vielmehr gerade deshalb - höchst interessant ist. Der Vortrag im Meister-Bär-Hotel war ausgezeichnet besucht.

Der Referent bezeichnete sich als einen eher mittelmäßig guten Internatsschüler des Franken-Landschulheims Schloss Gaibach bei Volkach. Dort habe man ihn zwar mit historischen Daten "malträtiert", das Interesse an Geschichte aber habe man ihm nicht nehmen können.

Der Vortrag mit dem eher trocken klingenden Titel "Franken und Böhmen - Geschichte einer politischen und kulturellen Nachbarschaft" kam bei den Zuhörern in Marktredwitz an. Sicher auch deshalb, weil Marktredwitz heuer ein besonderes Jubiläum feiert: "Marktredwitz 200 Jahre in Bayern". Bekanntlich gehörte die Stadt vorher über Jahrhunderte zu Eger. Marktredwitz und das Egerland verbinden nicht nur breite Verkehrswege, sondern auch eine lange gemeinsame Geschichte. Aber auch wie sehr das übrige Franken mit den böhmischen Nachbarn heute noch verbunden ist, schilderte Dr. Maier in seinem rund 90-minütigen freien Vortrag. Unterstützt haben ihn dabei zwei Diamagazine und ein Projektor. Dr. Jürgen Maier ging weit zurück, schlug einen spannenden Bogen von der Besiedelung Böhmens über den Dreißigjährigen Krieg bis hin zur Neuzeit.

Fleiß


Die Silberminen in Iglau und vor allem der Fleiß der Bewohner machten aus dem östlichen Nachbarn ein reiches Land, dessen Einfluss in Europa immer größer wurde, wusste der Referent. "Selbst in Aachen kennt man noch Ausdrücke, die eher dem Böhmischen zuzuordnen sind", so Dr. Maier. Er erinnerte an bedeutende Männer wie Jan Hus oder Albrecht von Wallenstein, der bekanntlich in Eger ermordet wurde.

Dr. Maier gönnte sich keine Pause. Erst als das Diamagazin gewechselt werden musste, hielt er kurz inne. Für Zwischenfragen blieb kaum Zeit. Zum Kernthema im zweiten Teil wurden schließlich die teilweise wiederaufgebauten Burgen, Schlösser und Klöster im Böhmerland sowie Frankens bedeutende Baudenkmäler von Balthasar Neumann. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg kommentierte Dr. Jürgen Maier so: "Ein Tscheche hat sich bei mir einmal beklagt, dass das Land nach der Vertreibung ärmer geworden sei. Ich habe darauf geantwortet: Wenn man sich die Beine amputieren lässt, darf man sich nicht wundern, wenn man kleiner geworden ist." Die wechselvollen Beziehungen zwischen Böhmen und Franken brachten Höhe- und Tiefpunkte. "Zu den absoluten Tiefpunkten gehörte aber die Vertreibung nach 1945."

Weiterer Exkurs


Am 1. März setzt Walter Rößler den Exkurs in die bayerisch-böhmische Geschichte mit seinem Vortrag "Unterwegs - Bewegungen auf der historischen Straße Röslau-Thiersheim-Eger" fort. Die Veranstaltung des Historischen Clubs Marktredwitz findet wieder um 19.30 Uhr im Marktredwitzer Meister-Bär-Hotel statt.
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