Vortrag über Hodenkrebs
Mann muss das Tasten wagen

Etwa 80 Prozent der Patienten können vollständig geheilt werden
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Bayern
19.02.2016
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Obwohl es sich beim Hodentumor um eine eher seltene Krebserkrankung handelt, musste das Klinikum Fichtelgebirge im vergangenen Jahr dennoch 18 Betroffene behandeln. Aber die Heilungschancen sind gut, wenn der Krebs rechtzeitig erkannt wird.

Marktredwitz. Es trifft meist junge Männer, wusste Dr. Alexander Kugler. Der Leitende Oberarzt der Urologischen Klinik referierte in den beiden Häusern Selb und Marktredwitz des Klinikums Fichtelgebirge in der Reihe "Treffpunkt Klinikum" zum Thema "Der Hodentumor - Häufigkeit, Diagnose und Therapie". Wichtig war ihm, die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung voranzutreiben.

"Die Zahl der Erkrankungen steigt", führte Kugler aus, "die Häufigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt". Über die Ursachen sei man sich nicht einig, allerdings halte die Weltgesundheitsorganisation es für möglich, dass ein Zusammenhang mit Handystrahlen bestehen könnte. Ein Grund also, sein Mobiltelefon nicht in der Hosentasche mit sich herumzutragen. Auch Weichmacher in Kunststoffen seien in Verdacht geraten.

Einmal im Monat


Eine einfache Tastuntersuchung, erläuterte Dr. Kugler, solle jeder Mann selbst etwa einmal im Monat vornehmen. Eines der häufigsten Hodenkrebssymptome sei eine Verhärtung innerhalb des Hodensacks, auch eine einseitige Schwellung, Schweregefühl oder schmerzhaftes Ziehen sollte abgeklärt werden. Nicht immer stecke eine bösartige Erkrankung dahinter; es könne sich zum Beispiel auch um einen Wasserbruch oder eine Entzündung handeln. Eine Untersuchung durch den Urologen bringe Gewissheit. Grundsätzlich, so Kugler, unterscheide man zwischen "Seminom", einem Keimzelltumor, und dem "Nichtseminom", einem Sammelbegriff für alle anderen Hodenkrebsarten. Seminome träten in etwas höherem Alter auf, im Durchschnitt etwa um das 35. bis 40. Lebensjahr herum und seien weniger aggressiv als die Nichtseminome.

"Etwa 80 Prozent der Patienten können vollständig geheilt werden", betonte der Referent, "wenn man den betroffenen Hoden in einem frühen Erkrankungsstadium entfernt." Falls eine Chemotherapie nötig sei, solle der Patient danach zwei bis drei Jahre keine Kinder zeugen. Im herkömmlichen Vorsorgeprogramm, das normalerweise ab dem 45. Lebensjahr angeboten wird, spiele der Hodentumor keine Rolle, da er ja meist junge Männer betreffe. Deshalb riet Dr. Kugler am Ende seines Referats noch einmal zur Wachsamkeit: "Letztes Jahr ist bei uns ein junger Patient gestorben, weil sein Hodenkrebs einfach schon zu weit fortgeschritten war. Das hätte nicht sein müssen!"
Etwa 80 Prozent der Patienten können vollständig geheilt werdenDr. Alexander Kugler
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