W-LAN für ganz Bayern - Verein verbindet Menschen und Computer
Digitale Nachbarschaftshilfe

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Bayern
14.07.2014
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Die Politik entdeckt die Generation Internet und kündigt W-LAN für ganz Bayern an. Konzepte gibt es noch nicht. Aktivisten und ein gemeinnütziger Verein betreiben seit Jahren gemeinsame freie Zugänge zum Internet.

Weiden/Amberg. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hat ein kostenloses mobiles Internet für ganz Bayern in Aussicht gestellt. "Das ist die nächste Modernitätsstufe, die wir in Bayern erklimmen sollten." Nach dem Breitband-Ausbauprogramm der Staatsregierung sei ein freies WLAN für alle das nächste Ziel. Konkrete Planungen dafür gibt es derzeit aber nach Angaben aus CSU-Kreisen nicht.

Bereits seit 2012 machen sich Netzaktivisten Gedanken zum Thema. Ein Stolperstein auf dem Weg zum Überall-Internet-Zugang ist die sogenannte Störerhaftung. Diese besagt, dass der "Inhaber" eines Zugangspunktes zum Internet auch dafür haftet, wenn ein eingeloggter Nutzer Rechtsverstöße begeht. Diese bestehen im Regelfall aus Verletzungen des Urheberrechts wie beispielsweis dem illegalen Herunterladen von geschützten Film- und Musikdateien.

Der Verein "Digitale Gesellschaft", will eine verbraucher- und bürgerrechtsfreundliche Netzpolitik schaffen. Unter anderem beschäftigen sich die Macher mit Kampagnen zur Vorratsdatenspeicherung und zur Störerhaftung. Dazu haben sie einen eigenen Gesetzentwurf" vorgestellt. Obwohl die Aktivisten selbst keine Möglichkeit haben diesen Entwurf im Bundestag einzubringen, wollen die Macher der "Digitalen Gesellschaft" dies als Anregung und Arbeitsgrundlage für Abgeordnete verstanden wissen.

Aus Sicht der Digitalen Gesellschaft ist das Teilen von Internetzugängen aber keine reine rechts-, sondern auch eine netz- und sozialpolitische Notwendigkeit. Auf der Internetseite der digitalen Gesellschaft bezieht Vorsitzender Markus Beckedahl klar Stellung. „Wer sein W-LAN anderen zur Mitnutzung zur Verfügung stellt, tut etwas Gutes und sollte dafür nicht potenziell bestraft werden“. Beckedahl bezeichnet die Bereitstellung eines Internetzugangs sogar als "digitale Nachbarschaftshilfe".

Ein "digitales Glas Wasser"


Johannes Meyer geht noch einen Schritt weiter. Der 24-Jährige ist aktiver "Freifunkler" und bezeichnet die Bereitstellung eines Internetzugangs als "digitales Glas Wasser". "So, wie ich einem Gast etwas zu trinken anbiete, genauso biete ich ihm einen Zugang zum Netz an." Begonnen hat Meyer mit seinem Engagement für und bei Freifunk weil er "in einem Dorf mit 200 Kühen, aber ohne DSL oder Handyempfang" daheim ist. "Wenn die Unternehmen nichts machen, dann machen wir selber was", beschreibt er den Start des Netzwerks in einem kleinen Dorf bei Neundettelsau in Mittelfranken. "Wir machen jetzt unser eigenen Netz." Mittlerweile hat das Dorf zwar immer noch keine besonders gute Mobilfunknetzabdeckung, aber "das ist egal, wir haben überall W-LAN".


Freifunk verbindet! from Philipp Seefeldt on Vimeo.

Probleme wie die Störerhaftung bereiten dem Mann aus der IT-Branche keine schlaflosen Nächte. Die lokalen Freifunk-Netze arbeiten unter dem Dach des "Fördervereins Freie Netzwerke". Dieser Verein hat wie die großen kommerziellen Anbieter den Status eines "Providers" und ist damit - wie die kommerziellen Kommunikationsanbieter - von der Störerhaftung ausgenommen.

Den Vorstoß von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer findet Johannes Meyer "superschön". "Ich hoffe, dass die nicht nur die großen Anbieter fördern, sondern auch den Freifunk als Alternative im Blick haben." Die Vorreiterrolle hat in diesen Belangen mittlerweile Berlin übernommen, die Geburtsstätte der Idee, private Netzwerke zu teilen. "Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg
 (mabb) fördert die Idee seit Jahren". Viel Geld ist Meyers Erfahrung nach sowieso nicht nötig um zumindest in kleinen Gemeinden das "Netz-Problem" zu lösen. "Mit wenigen hundert Euro, kann man ein Dorf komplett abdecken."

Ansbach macht den Anfang


Die Stadt Ansbach greift bereits auf das Wissen von Johannes Meyer und Freifunk zurück. "Wir haben die ersten Schritte bereits gemacht", bestätigt Stadtsprecher Dr. Johannes Fritz. Ein Router im Rathaus verbindet über weitere Geräte den Bereich um ein Cafe und einen öffentlichen Platz mit dem Internet. In der Volkshochschule und im Bürgeramt befinden sich weitere Zugangspunkte. "Wir überlegen, wo es weitergehen kann. Das ist ein spannendes Projekt"

Der Aufwand für das öffentliche W-LAN in der Stadt hält sich laut dem Stadtsprecher in Grenzen. "Wir haben hier von der Expertise der Freifukler profitiert." Alle Straßen und Plätze mit dem drahtlosen Netzwerk zu versorgen, ist derzeit noch nicht in Arbeit. Aber so Johannes Fritz: "Wir gehen mit gutem Beispiel voran."

Überblick über Internetseiten

In Internet gibt es einige Seiten, die einen Überblick über Hot-Spots bieten. Nicht alle W-LAN-Zugangspunkte sind kostenlos, Je nach Anbieter oder Standort fallen Gebühren an. Die Zahl der Einträge wächst ständig, da immer mehr Anbieter hinzukommen.

Hier eine Auswahl interessanter Seiten:

www.wlanmap.com
hotspot-locations.de
www.freie-hotspots.de
www.hotsplots.de

"Förderverein Freie Netzwerke"
Übersichtskarte:"lokale Freifunk-Netze"
Internetseite "Freifunk"