Wahl der Kaiserin der Herzen
Hochburg der Porzellanwelt

Noch-Porzellankönigin Larissa Bothner im Porzellanikon in Selb. Bild: Unger
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Bayern
01.02.2016
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Christoph Federsel, Gewinner bei der Kaiserinnenwahl. . Bild: Unger

Vier Königinnen waren angetreten, alle hätten es verdient. Allein, es kann nur eine geben: Unsere Leser kürten Larissa I. von Kemnath zur Kaiserin. Wie passend: eine Porzellankaiserin in Europas führender Region des weißen Goldes.

Weiden. Larissa Bothner macht, was sie am besten kann. Sie strahlt mit ihrem weißen Brautkleid um die Wette: "Weil ich vom Porzellan wirklich begeistert bin, freue mich über die Anerkennung." Die 20-Jährige hat im vergangenen Jahr über 50 Termine für ihr großes "Reich", die nordostbayerische Porzellanstraße absolviert.

"Sie war unser personifiziertes Aushängeschild", lobt Wilhelm Siemen, stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Porzellanstraße", die Oberpfälzerin. "Sie war Ansprechpartner für ganz viele Menschen überall in der Welt." Der Direktor des Porzellanikons übertreibt nicht, denn die Bürokauffrau bei Witron vertrat das heimische Kulturgut auch bei der "Ambiente" in Frankfurt, der internationalen Konsumgütermesse für stilvolles Leben. "Ein idealer Ort, um Porzellan zu präsentieren", findet Siemen, "und da in unserer Region 60 Prozent des europäischen Geschirrporzellans hergestellt werden, war sie fast schon eine europäische Porzellankönigin." Larissa repräsentierte ihre Branche eloquent auch bei anderen Anbietern wie Villeroy & Boch. "Eine Kaiserin der Herzen eben", sagt der Historiker.

Alle bezaubert


Auch Jürgen Judas, Vorsitzender des Fördervereins Porzellanstraße, ist von der Kemnatherin angetan: "Ich durfte sie oft begleiten, etwa nach Bamberg", erzählt der pensionierte Volksschulrektor. "Sie hat schon in ihrem jungen Alter so eine Art, mit den Leuten zu reden, dass alle bezaubert sind." Und als Porzellankönigin kann man nicht nur Allgemeinplätze von sich geben, sondern muss auch eine Ahnung vom Fach haben. "Ich freue mich, dass unsere heimische Industrie die Krise überwunden hat und mit Qualität, technologischem Vorsprung und außergewöhnlichem Design punktet."

Schließlich hat auch die asiatische Konkurrenz inzwischen ihrerseits mit Billiganbietern zu kämpfen: "China leidet unter einem Verdrängungswettbewerb zwischen Bangladesch, Indonesien und Thailand."

Dass sich Deutschland - und damit die europäische Kernregion Nordostbayern - durch Investitionen in High-Tech, Umweltschutz, Energieeffizienz und Design ein erhebliches Plus erarbeitet hat, zahlt sich aus. Arzberg, Bauscher mit BHS Tabletop, Seltmann, Hutschenreuther, Nymphenburg und, besonders erfreulich für Jürgen Judas, den Selber Lokalpatrioten, auch Rosenthal stehen heute wieder da wie eine Eins.

In seiner Regionalgeschichte "Rittergut und Schloss Erkersreuth" (im Buchverlag der "Frankenpost") schildert der 70-Jährige auch den Aufstieg des Porzellanmalers Philipp Rosenthal vom Gehilfen in den USA zum Weltunternehmer. Der Durchbruch gelang ausgerechnet mit einem heute vom Aussterben bedrohten Raucherutensil, dem Aschenbecher "Ruheplätzchen für brennende Zigarren". Rosenthal expandierte, verlegte das Unternehmen vom Schloss nach Selb und eröffnete dort 1889 eine eigene Porzellanfabrik. In der NS-Zeit wurde der Katholik Rosenthal wegen seiner jüdischen Abstammung aus dem Unternehmen verdrängt.

Porzellanjäger in Selb


Und auch wenn in der 1969 stillgelegten ehemaligen Rosenthal-Fabrik heute auf gut 8000 Quadratmetern drei verschiedene Museen unter dem Label "Porzellanikon" nur noch 2000 eigene und 40 000 Exponate der Rosenthal- und Hutschenreuther-Sammlung präsentieren, für Judas bleibt Selb das Porzellanherz der Welt - und was sich fast reimt, das muss ja wohl stimmen. Schließlich sonnt sich die oberfränkische Kreisstadt noch heute im Glanz der weißen Glasur: "Porzellan ist der rote Faden bei jeder Führung - vom Porzellanbrunnen über das Porzellangässchen mit den Porzellanfriesen bis zum Glockenspiel aus Porzellan."

Und beim großen Porzellanflohmarkt jeden ersten Samstag im August können Glücksjäger an den 400 Ständen echte Raritäten finden. "Wir sind mit dem Verein immer vor Ort und machen Expertisen", sagt Siemen. Und da kam es schon vor, dass er einem Sammler sagen konnte: "Was Sie da gekauft haben, ist sehr wertvolles Porzellan aus dem 18. Jahrhundert."

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Das Porzellanikon im Internet: www.porzellanikon.org

Der Gewinner der Kaiserinnenwahl

Selb. (jrh) Christoph Federsel, 22, aus Kemnath (Kreis Tirschenreuth) tat gut daran, seine Stimme für die Porzellankönigin abzugeben. Der Gewinner des NT/AZ-Preisausschreibens freut sich über eine von Oskar Koller gestaltete Vase der "Königlich Trettau Künstleredition" aus dem Hause Seltmann, die das Medienhaus stiftete. Der Gewinner arbeitet wie seine "Kaiserin" Larissa (siehe Artikel daneben) bei der Firma Witron in Parkstein (Kreis Neustadt/WN).

PorzellanstraßeDie grenzüberschreitende Porzellanstraße verläuft auf 630 Kilometern von der Wiege der nordbayerischen Porzellanproduktion im Fichtelgebirge durch das Stiftland, den Oberpfälzer Wald, die Fränkische Schweiz und den Steigerwald über das Obere Maintal, das Coburger Land, den Frankenwald und das Bayerische Vogtland bis in den Kaiserwald in Tschechien, wo in Horní Slavkov die erste Porzellanfabrik Böhmens gegründet wurde. (jrh)

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Weitere Informationen im Internet:

www.porzellanstrasse.de
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