Weiche Nadeln und gleichmäßiger Wuchs: Deutsche haben einen Lieblingsweihnachtsbaum
Wer ist die Schönste im Tannenland?

Gerhard Hösl zeigt an einer Nordmanntanne, wie er die Seitentriebe zurückschneidet.
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Bayern
03.12.2014
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Tausende Baumspitzen mit duftenden dunkelgrünen Nadeln ragen hinter den Holzhäuschen von Gerhard Hösl empor. Die ersten Schneeflocken schimmern auf den Tannenzweigen. Das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen brummt.

Nordmanntanne, Douglasie oder Coloradotanne: Ein Christbaum, geschmückt mit glänzenden Kugeln, Lametta und bunten Holzfiguren, darf an Weihnachten nicht fehlen. 78 Prozent der Deutschen verbinden laut Statistischem Bundesamt in erster Linie den Christbaum mit Weihnachten. Nur 41 Prozent denken beim „Fest der Liebe“ sofort an die Geburt Jesu. Der Lieblingsweihnachtsbaum der Deutschen muss gleichmäßig gewachsen und kegelförmig sein. Die Nadeln sitzen fest, sind weich und piksen nicht - klingt nach der Nordmanntanne. „75 Prozent der Deutschen bevorzugen die Nordmanntanne als Christbaum“, weiß Gerhard Hösl, Förster und Betreiber des Pressather Tannenlandes.

„Aber es werden überwiegend nur Nordmanntannen angeboten.“ Ein Grund dafür sei vor allem, dass die Nordmanntannen sehr robust sind und dadurch die Ausbeute größer ist. „Es ist ein risikoreiches Geschäft. Man weiß nie, wie viele Bäume aufgrund von Witterungsbedingungen tatsächlich als Christbäume verkauft werden können“, meint Hösl.


Seit 18 Jahren betreibt Gerhard Hösl das Pressather Tannenland an der B299 zwischen Pressath und Grafenwöhr. In der Hochsaison kurz vor Weihnachten ist er täglich bei seinen Tannenbäumen. Bild: spi

Einige Arten seien anfälliger für Krankheiten oder Witterung als andere. „Von den angepflanzten Nordmanntannen kann ich rund 80 Prozent als Weihnachtsbäume verkaufen. Bei Coloradotannen fällt die Ausbeute um 30 Prozent geringer aus“, erklärt Hösl. Auf einen Hektar passen rund 6000 Bäume. „Davon kann ich nur rund 3000 als Christbäume anbieten“, sagt der Förster. Der Rest habe keine schöne Wuchsform, könne jedoch als Schnittgrün verwendet werden.

Tipps zur Haltbarkeit des BaumesDer Tannenbaum sollte an einem trockenen, kühlen und windgeschützten Ort gelagert werden. Ein rund zwei Meter hoher Baum braucht pro Tag eineinhalb Liter Wasser. Vor dem Aufstellen sollte vom Stamm eine Scheibe abgesägt werden.

Schon kurz nach dem Einpflanzen würden einige vierjährige Bäumchen kaputt gehen. "Manchmal trocknen sie einfach aus", erläutert Hösl. „Die, die anwachsen, bleiben dann rund acht Jahre in der Erde." Zentimeter für Zentimeter türmen sie sich in die Höhe, bis sie mit rund zwei Metern die richtige Größe zum Absägen haben.

Laut Hans-Georg Dreßler, Pressesprecher des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger, werden jährlich in Deutschland rund 24 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. 21 Millionen würden an Privathaushalte abgegeben. Der Rest gehe an öffentliche Einrichtungen.

Ein großes Problem beim Christbaumanbau sei der Spätfrost im Mai. „Die frischen Triebe erfrieren dann. Man kann versuchen mit einer Frostschutzberegnungsanlage dagegen anzukommen. Klingt komisch, ich weiß“, lacht Hösl. „Schon oft bin ich nachts aus dem Bett gesprungen, zum Tannenland gefahren und habe die Bäume mit Wasser besprüht. Auf den Zweigen bildet sich eine Eisschicht, welche die Triebe vor dem Frost schützt.“ Aber so eine Anlage kostet Geld. Und auch die Netze, in welche die Bäume verpackt werden, sind laut Hösl teuer – 25 Euro pro Stück. „Darin kann ich rund 25 Bäume verpacken“, sagt er und zieht den Baum mit dem Stamm voran durch die Einnetzmaschine – einem Gerät aus Metall, das aussieht wie ein überdimensionaler Blecheimer ohne Boden – auf der einen Seite mit einem grobmaschigen Netz bespannt.

Der Anbau von Tannenbäumen und der Handel damit sei ein zeitaufwendiges Geschäft. „Man muss die Bäume pflanzen, ab und zu mit Stickstoff düngen, sie vom Unkraut befreien, den Wuchs überprüfen und die Seitentriebe zurückschneiden“, weiß Hösl aus seiner 18-jährigen Erfahrung als Christbaumerzeuger. "Die Triebe werden an der Spitze zurückgeschnitten, damit der Baum nicht zu breit wird. Die Tanne bildet dann seitlich des Schnittes neue Triebe." So wachse der Baum dichter, bleibe in seiner Form aber schmal.


Haufenweise liegen die bereits verpackten Christbäume auf dem Gelände von Gerhard Hösl. Eingeschlagen in ein Netz können die Kunden die Bäume gut transportieren. Bild: spi

Der Bund Naturschutz Bayern appelliert an die Christbaumproduzenten, die Bäume ökologisch anzubauen: „Wir kritisieren den Einsatz von Pestiziden und Unkrautvernichtungsmitteln“, sagt Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz Bayern. Bei stichprobenartigen Untersuchungen im Jahr 2011 habe jeder dritte Weihnachtsbaum Rückstände von Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln enthalten. „Es waren sogar längst verbotene Stoffe wie Atrazin dabei“, ist selbst Straußberger verwundert. "Da ist die Frage, ob man Kleinkinder unter so einem Baum spielen lassen möchte. Die stecken ja schnell mal etwas in den Mund."

Im Internet können die Kunden unter bayerische-christbaumanbauer.de regionale Anbieter finden. Für den Kauf eines Öko-Baumes könne man sich an die bayerischen Öko-Anbauverbände, wie naturland.de oder bioland.de wenden. Und auch im Pressather Tannenland gibt es Öko-Bäume. Hösl setzt Shropshire Schafe als Unkrautfresser ein und lässt die Finger von Pflanzenschutzmitteln.

Grundsätzlich habe der Bund Naturschutz nichts gegen den Anbau von Weihnachtsbäumen. „Es ist halt eine Tradition. Man sollte aber, wenn man einen Baum für so einen kurzen Zeitraum extra absägt, darauf achten, dass er regional und ökologisch gewachsen ist“, erklärt Straußberger.