Weiter auf Abstellgleis
Staatssekretärin interveniert bei der Deutschen Bahn vergeblich wegen Sanierung des Kirchenlaibacher Bahnhofs

Schon lange abgeschlossen ist die Toilettenanlage. Wer nicht dringend mal muss, wird das angesichts des baulichen Zustands sogar begrüßen.
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Bayern
16.01.2016
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Nasse und verdreckte Fliesen, abgebröckelter Putz, verblichene oder abgeplatzte Farbe und eine nicht wirklich sachgemäß verlegte Elektroleitung - die Unterführung des Kirchenlaibacher Bahnhofs hat wahrlich schon bessere Tage gesehen. Bilder: hia (2)

Der Bahnhof Kirchenlaibach und die Konzernführung der Deutschen Bahn AG kommen nicht so recht zusammen. Selbst die Intervention der Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Anette Kramme, an höchster Stelle lässt auf absehbare Zeit keine Besserung erwarten.

Kirchenlaibach/Speichersdorf. Kramme hatte nach ihrem Besuch am Buß- und Bettag Bahnchef Rüdiger Grube aufgefordert, die Anlage zu sanieren. Der Bahnhof Speichersdorf/Kirchenlaibach habe als Knotenpunkt für die Landkreise Bayreuth, Tirschenreuth und Neustadt/Waldnaab eine wichtige Verkehrsfunktion. Doch "das Gebäude gammelt vor sich hin und in der Unterführung zu den Gleisen staut sich bei Starkregen regelmäßig das Wasser". Größtes Manko sei aber die fehlende Barrierefreiheit, monierte die Staatssekretärin in ihrem Schreiben.

Die Reaktion ist mehr als ernüchternd. Insbesondere körperlich beeinträchtigte Reisende müssen weiter ohne spürbare Erleichterungen leben: "Derzeit sprechen der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn über den weiteren barrierefreien Ausbau der bayerischen Bahnhöfe für den Zeitraum 2018 bis 2023. Festlegungen dazu werden allerdings erst im Laufe des Jahres 2016 möglich sein", antwortete Konzernbevollmächtigter Klaus-Dieter Josel. Das Wasserproblem in der Unterführung sei inzwischen durch den Einbau einer zweiten Pumpe gelöst worden.

Kramme will sich damit allerdings nicht zufriedengeben. Sie will sich nun bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt für ein weiteres Bundesförderprogramm einsetzen, um Bahnhöfe barrierefrei umzubauen. "Speichersdorf ist ja nicht der einzige Ort, der seit Jahren auf einen Umbau wartet. Auch in Pegnitz wird man Jahr um Jahr vertröstet."

Für die Gemeinderätinnen Annke Gräbner und Claudia Fischer ist es ein "Trauerspiel". Bahn und Freistaat schöben die Themen Barrierefreiheit und Sanierung vor sich her. Keiner sei bereit, im ländlichen Raum zu investieren. Es sei nur zu begrüßen, dass um ein weiteres Bundesförderprogramm gekämpft werde, meint Gräbner. Es komme aber nicht nur auf die Barrierefreiheit an, ergänzt Fischer. Ein großes Manko seien unter anderem die nach wie vor fehlenden Toilettenanlagen. Die Aussage Josels, dass am Bahnhofsgebäude nur noch Maßnahmen erfolgen, die aus Verkehrssicherheitsfragen notwendig sind, halten beide für äußerst unbefriedigend. Eigentum verpflichte. Wenn es nicht verkauft werde, dann sollte es die Bahn wenigstens in einen vorzeigbaren Zustand bringen.

"Angesichts der bisherigen unbefriedigenden Antworten der Deutschen Bahn müssen wir weiter am Ball bleiben", betonte auch Bürgermeister Manfred Porsch. Mit Mandatsträgern müsse eine positive Prüfung des Knotenpunkts-Bahnhofes Kirchenlaibach mit Integration in das Maßnahmenprogramm 2018 bis 2023 erreicht werden. Die Gemeinde fordere erneut mittelfristig den barrierefreien Umbau mit drei Aufzügen und den Bahnsteigumbau.

Ein Gleis barrierefrei, aber kaum genutztSeit Jahren eine abgesperrte Bahnhofshalle und Toilettenanlage, ausgeschlagene Fließen, unebener Boden, Wasserpfützen in den Unterführungen, undichte Überdachung, verschmierte Wände und abbröckelnder Putz - der Sanierungsbedarf ist offensichtlich. Ebenso verwildert das knapp 1000 Quadratmeter große Gelände, die Gaststätte verfällt und die Barrierefreiheit ist ebenfalls nicht gegeben.

Kommunalpolitiker, VdK-Ortsverband und engagierte Gemeindebürger mahnen seit Jahren die Probleme an. Auch an Ideen wie Nutzung als Studentenwohnheim oder Wartebereich für Busschüler mangelte es ihnen nicht.

Im September erreichte die Gemeinde die Hiobsbotschaft, dass der Bahnhof Kirchenlaibach nicht vom Sonderprogramm des Bundes für kleinere Bahnstationen profitiert. Widersinnige Begründung: Bei einer barrierefreien Nachrüstung würden 1300, und damit 300 Ein- und Aussteigern mehr als das Sonderprogramm festlege, befördert. Nur das Gleis 1 ist barrierefrei zu erreichen, es wird seit Jahren aber nur sporadisch genutzt. Laut der Deutschen Bahn liegt das Problem an den fehlenden Weichen. (hia)
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