Wildabschusspläne in bayerischen Wäldern
„Ideologisierte Forstpolitik“

Nach dem aktuellen Gutachten zum Verbiss (hier an einer rund 15-jährigen Weißtanne) ist die Wilddicht in Bayerns Wäldern zu hoch. Bild: dpa
Vermischtes BY
Bayern
08.04.2016
19
0

Die Wildabschusspläne in den bayerischen Wäldern sollten konsequenter durchgesetzt werden. Doch die Grünen scheiterten im Agrarausschuss mit dieser Forderung. Und bekamen von den anderen Landtagsfraktionen teilweises sehr scharfen Gegenwind.

München. CSU und Freie Wähler lehnten ein Antragspaket der Grünen ab, das für Hegegemeinschaften mit wiederholt zu hohem Wildverbiss unter anderem Strafzahlungen vorsah. Außerdem hatten die Grünen vorgeschlagen, die Schonzeit für weibliches Rehwild und Rehkitze um zwei Wochen zu verkürzen. Ziel der Maßnahmen sollte sein, stabile Mischwälder möglichst ungestört aufwachsen zu lassen und die Waldbesitzer vor hohen Verbissschäden durch Wild zu schützen.

Nach dem aktuellen forstlichen Gutachten zur Verbisssituation ist in der Oberpfalz in 45 Prozent der Hegegemeinschaften die Wilddichte zu hoch, in einem weiteren Prozent deutlich zu hoch. Das entspricht im Vergleich zur vorangegangen Aufnahme 2012 einer Erhöhung um 6 Prozentpunkte. Für die meisten betroffenen Hegegemeinschaften empfiehlt das Gutachten eine Erhöhung der Abschusszahlen.

Der Grünen-Abgeordnete Markus Ganserer erklärte, dass bayernweit in rund einem Drittel der Hegegemeinschaften die gesetzliche Vorgabe des "Wald vor Wild" schon seit über zehn Jahren nicht eingehalten werde. Dieses Vollzugsdefizit dürfe nicht länger toleriert werden. Deshalb müssten Hegegemeinschaften, die wiederholt gegen die Erfüllung der Pläne verstießen, mit Sanktionen belegt werden.

Einzelfall ist zu prüfen


Eric Beißwenger (CSU) sah dafür keine Veranlassung. Gefragt sei eine "differenzierte Reaktion" auf das Verfehlen der Abschusspläne. Die Anordnung von Zwangsgeldern sei laut Gesetz eine Ermessensentscheidung, ein Automatismus bei Verstößen sei daher rechtswidrig. Man müsse im Einzelfall prüfen, warum die Abschusszahlen zu niedrig seien, und dann darauf reagieren. Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger warf den Grünen eine "ideologisierte Forstpolitik" vor. Diese stellten Jäger unter Generalverdacht und vergifteten mit ihren Forderungen das gute Verhältnis zwischen Jägern und Waldbesitzern.

Statt das "bewährte Jagdrecht kaputt zu machen" und Zwangsmaßnahmen zu fordern, sollten in Waldbegehungen individuelle Lösungen für die einzelnen Reviere gefunden werden. Der SPD-Abgeordnete Horst Arnold sprach dagegen von einem "eklatanten Missverhältnis" zwischen Gesetzeslage und Realität. "Es besteht ein Handlungsbedarf, der so groß ist, dass das Ermessen zum Verzicht auf Zwangsmaßnahmen gegen Null geht", sagte er.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.